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Hamburger Bankhaus : Warburg will mit Rücktritten Luft gewinnen

Max Warburg, der stellvertretende Chef des Aufsichtsrats der Hamburger Privatbank M. M. Warburg Bild: Ullstein

Christian Olearius und Max Warburg ziehen sich aus dem Aufsichtsrat der Bank M.M. Warburg zurück. Das Institut vermeidet so eine weitere Untersuchung der Bafin wegen möglicher Cum-Ex-Geschäfte.

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          Mit dem Rückzug von Christian Olearius und Max Warburg aus dem Aufsichtsrat der traditionsreichen Hamburger Bankengruppe M.M. Warburg verschafft sich das Finanzinstitut bei den Vorwürfen um sogenannte Cum-Ex-Geschäfte Luft. Olearius und Warburg, der Aufsichtsratschef und sein Stellvertreter bei der Warburg Bank, haben es Ende letzter Woche sehr vorsichtig formuliert. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, uns aus den Gremien der Bank und deren Untergesellschaften zurückzuziehen und damit den eingeleiteten Generationswechsel bei Warburg abzuschließen“ sagten sie. Der richtige Zeitpunkt? Ein Sprecher der Privatbank mit Sitz nahe der Hamburger Binnenalster räumte am Sonntag im Gespräch mit der F.A.Z. ein, „der Schritt erfolgt auch, um die Bank vor weiteren Diskussionen um Cum-Ex zu schützen“. Olearius und Warburg werden verdächtigt, an dem massiven Betrug zu Lasten der deutschen Steuerzahler beteiligt gewesen zu sein, der unter dem Namen Cum-Ex bekannt geworden ist.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bei diesen Cum Ex-Geschäften geht es darum, dass sich etliche Akteure beim Handel von Aktien mit (cum) und ohne (Ex) Dividendenanspruch nach Absprache Kapitalertragsteuer erstatten ließen, die sie gar nicht gezahlt hatten. Während eines Prozesses gegen zwei Finanzmanager vor dem Bonner Landgericht, der im September begann, wurden dabei auch immer wieder die Warburg-Bank und Olearius genannt. Die Bank hat den Vorwurf der missbräuchlichen Wertpapiergeschäfte um den Dividendenstichtag immer wieder als „haltlose Mutmaßungen und Spekulationen“ zurückgewiesen und darauf hingewiesen, die Geschäfte damals über die Deutsche Bank als Depotbank abgewickelt zu haben. Der Vorwurf der Hamburger an die Frankfurter Bank: „Sollte die inländische Depotbank des Aktienverkäufers trotz ihrer Verpflichtung dazu die erhaltende Kapitalertragssteuer nicht abgeführt haben, hätte sie pflichtwidrig gehandelt.“ Warburg habe „in keinem Fall – weder direkt noch indirekt – an einer mehrfachen Erstattung von Kapitalertragsteuern kollusiv mitgewirkt“.

          Ein dunkler Schatten

          Wie es wirklich war, werden am Ende die Gerichte zu entscheiden haben. Der Vorwurf gegen Olearius und Warburg allerdings steht im Raum. Für die beiden mehr als 70 Jahre alten Bankiers ist das ein dunkler Schatten über ihrer langjährigen, erfolgreichen Geschichte. Christian Olearius hatte Mitte 2014 als Sprecher der Partner bei der Privatbank aufgehört und mit dem Weg in den Aufsichtsrat den Weg für seinen Sohn Joachim freigemacht.

          Unbestritten ist, dass die Entscheidung der beiden, jetzt von ihren Aufsichtsratsmandaten zurückzutreten, der Bank Luft verschafft. Eine angeblich bereits eingeleitete Untersuchung der Bankenaufsicht Bafin, ob Olearius und Warburg angesichts der Vorwürfe geeignet seien, ihre Ämter an der Spitze der Bank weiter auszuführen, ist mit dem jetzt eingeleiteten Generationenwechsel im Aufsichtsrat obsolet geworden. Wie weit die Bafin dabei im Vorfeld Druck ausgeübt hat oder nicht, wird wohl im Verborgenen bleiben. Das „Handelsblatt“ zitierte einen engen Beobachter der Bank mit den Worten: „Der Druck der Bafin war zuletzt so groß, dass sie die Flucht nach vorne antreten mussten.“ Aus der Bank wiederum ist nur zu hören, die beiden hätten eine eigene Entscheidung getroffen. Bestätigt wird aber auch in der Bank, dass die Vorwürfe bei den Cum-Ex-Geschäften und damit eine mögliche Untersuchung der Bafin über die Eignung der beiden Bankiers für ihr Amt bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben.

          Die Gesellschafterverhältnisse der Bank bleiben unverändert

          In der Hamburger Privatbank wird aber auch darauf hingewiesen, dass die Übergabe der Aufgaben im Aufsichtsrat an Bernd Thiemann als neuen Vorsitzenden nicht nur mit diesen Vorwürfen, sondern auch mit den anderen, großen Herausforderungen der Branche zu tun habe, die einen Generationenwechsel erforderten – von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank über die Digitalisierung bis hin zur Integration mehrerer Tochtergesellschaften wie zum Beispiel der NordLB Asset Management AG, die heute unter Warburg Invest AG firmiert.

          Olearius‘ Nachfolger im Vorsitz des Aufsichtsrats, Bernd Thiemann, ist bereits seit dem Jahr 1998 Mitglied des Kontrollgremiums der Warburg-Gruppe. Als neue Mitglieder im Aufsichtsrat sind Burkhard Schwenker und Claus Nolting vorgesehen. Schwenker war lange Jahre Geschäftsführer sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensberatung Roland Berger. Nolting ist Rechtsanwalt und war Mitglied im Vorstand und im Aufsichtsrat mehrerer Banken. „Wir sind dankbar, den Aufsichtsrat mit so kompetenten und erfahrenen Nachfolgern besetzten zu können“, sagten Christian Olearius und Max Warburg, als sie am Freitag ihren Rückzug aus dem Aufsichtsrat zum Ende des Jahres ankündigten.

          Die Gesellschafterverhältnisse der Bank bleiben unverändert und werden durch den Wechsel an der Aufsichtsratsspitze nicht berührt. Olearius und Warburg bleiben beide Mehrheitsgesellschafter. Sie wollten sich nun verstärkt „ihrem gesellschaftlichen und sozialen Engagement widmen“, teilte die Bank mit. Ihr Schritt schließe jetzt den im Jahr 2014 eingeleiteten Generationswechsel in der Bank ab.

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