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Hanno Berger : Was vor Gericht auf den „Cum-ex-Meister“ zukommt

Hanno Berger im schweizerischen Zuoz Bild: Simon Habegger / 13 Photo

Fast zehn Jahre lang hat sich Hanno Berger einer Verantwortung für die illegalen Cum-ex-Aktiengeschäfte entzogen. Nun steht er in Bonn vor Gericht.

          4 Min.

          Der Blick von Hanno Berger geht über den großen Küchentisch hinaus, auf dem mehrere Aktenordner und Dokumentmappen liegen. Es sind die ersten Tage des neuen Jahres 2020, der Steueranwalt hat mehrere Journalisten der F.A.Z. für ein Gespräch in den Schweizer Kanton Graubünden eingeladen, wo er seit November 2012 lebt. Über die Grenze nach Deutschland kann Berger nicht kommen. Wegen eines Haftbefehls der hessischen Justiz muss er mit seiner sofortigen Festnahme rechnen. Im Steuerskandal um die Cum-ex-Geschäfte soll gegen ihn zeitnah ein Strafprozess beginnen, eine weitere Anklage der Staatsanwaltschaft Köln ist in Vorbereitung.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Berger schaut aus dem großen Fenster seiner hellen Wohnküche. Das Haus im Bergdorf Zuoz im Oberengadin hat er erst vor wenigen Jahren für sich und seine Familie bauen lassen. Direkt auf der anderen Straßenseite liegt das Lyceum Alpinum Zuoz, eine bekannte Internatsschule, auf der in den 1950er-Jahren auch Ferdinand Piëch Schüler war. Jetzt geht Bergers Enkel auf diese Schule.

          Den ganzen Morgen haben Berger und sein Strafverteidiger den Besuchern ihre Sicht auf die Cum-ex-Geschäfte erläutert, über Fundstellen im Gesetz zum Einkommensteuergesetz referiert und Entscheidungen der deutschen Finanzgerichte dazu ausgelegt. Und als die Frage nach seiner strafrechtlichen Verantwortung kommt, antwortet Berger, gezeichnet von einer schweren Erkältung, mit heiserer Stimme: „Ich werde mich dem Verfahren in Deutschland stellen.“

          Mehr als zwei Jahre später ist es nun so weit. Von Montag an muss sich der mittlerweile 71-Jährige vor einer Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Bonn wegen schwerer Steuerhinterziehung verantworten. Dort wirft ihm die Staatsanwaltschaft Köln vor, zusammen mit seinem früheren Kanzleipartner S. und Investmentbankern die Cum-ex-Geschäfte der Hamburger Privatbank M.M. Warburg in den Jahren 2007 bis 2011 maßgeblich unterstützt zu haben, indem sie die Strukturen einrichteten. In der Folge erstatteten Finanzämter eine nur einmal angefallene Kapitalertragsteuer mehrfach. Der Schaden für den Fiskus soll 278 Millionen Euro betragen haben.

          Bergers „kriminelles Glanzstück“

          Ursprünglich wurden die Aktienkreisgeschäfte rund um den Dividendenstichtag nur im Interbankenhandel praktiziert. Doch Berger, einst ranghoher Bankenprüfer in der hessischen Finanzverwaltung und später einflussreicher Partner in internationalen Großkanzleien wie Shearman & Sterling und Dewey & LeBoeuf, fand von 2006 an Wege, diese Strukturen für private Investoren zu öffnen. Die Dewey-Anwälte gründeten Fondsvehikel, über die es vermögenden Unternehmern wie Rafael Roth oder dem Drogeriegründer Erwin Müller möglich war, Cum-ex-Geschäfte zu finanzieren. Denn: Für die Handelsgeschäfte musste erhebliches Fremdkapital von Banken aufgenommen werden, ausländische Leerverkäufer stellten die Aktien der Dax-Konzerne zur Verfügung.

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