https://www.faz.net/-gqe-9ue7u

Cum-Ex-Geschäfte : Früherer Chef der Maple Bank verhaftet

Die Maple Bank musste in Deutschland im Jahr 2016 Insolvenz anmelden. Bild: dpa

Wegen Fluchtgefahr greifen Beamte des Bundeskriminalamts zu. Eine Anklage gegen mehrere Banker und bekannte Steueranwälte ist schon auf dem Weg.

          3 Min.

          Die Ermittlungen rund um Cum-Ex-Geschäfte der mittlerweile insolventen Maple Bank stehen vor dem Abschluss. Am Donnerstag nahmen Beamte des Bundeskriminalamts vorläufig zwei frühere Top-Manager der Maple Bank fest. Zuvor hatte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen die 55 und 66 Jahre alten Männer Haftbefehle wegen Fluchtgefahr erwirkt. Die beiden Verdächtigen wurden zeitnah einem Haftrichter vorgeführt, der über eine mögliche Untersuchungshaft zu entscheiden hatte. Nach einem Bericht im „Handelsblatt“ handelt es sich bei einem der Männer um Wolfgang Schuck, den ehemaligen Deutschland-Chef der Maple Bank. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage weder die Namen der Verdächtigen noch des Bankinstituts.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Komplex Maple Bank betrug der Steuerschaden 383 Millionen Euro. Das vergleichsweise unauffällige Finanzhaus war kein kleiner Spieler, nach Erkenntnis der Ermittler soll die Maple Bank Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro getätigt haben. Dabei schoben Händler unter Einschaltung eines Leerverkäufers Wertpapiere vor allem von Dax-Werten rund um den Dividendenstichtag hin und her, so dass sie mit (cum) und ohne (ex) Dividendenaufschlag gehandelt wurden. Dafür fiel eine Kapitalertragsteuer an, die sich im Regelfall inländische Depotbanken wieder von den Finanzämter zurückerstatten ließen. Wie man heute weiß, geschah dies nicht nur einmal, sondern aufgrund undurchsichtiger Strukturen mehrfach. Bis zu 12 Milliarden Euro soll dem Fiskus dadurch entgangen sein.

          Vier Jahre Ermittlungsarbeit

          Mehr als vier Jahre haben die Frankfurter Strafverfolger gegen 18 Personen ermittelt, neben diversen Privatwohnungen wurden auch die Frankfurter Kanzleiräume von Freshfields Bruckhaus Deringer in den Jahren 2017 und 2018 durchsucht. Steueranwälte der Kanzlei, darunter mit Ulf Johannemann der ebenfalls angeschuldigte einstige Steuer-Chef von Freshfields, hatten Banken per Gutachten die steuerliche Zulässigkeit von Cum-Ex-Transaktionen bescheinigt. Vor einigen Wochen nahmen Beamte Johannemann im Frankfurter Umland fest, seitdem sitzt der Top-Anwalt ebenfalls wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Freshfields hat er mittlerweile verlassen.

          Die drei Inhaftierten, ein weiterer noch aktiver Freshfields-Anwalt sowie drei weitere Beschuldigte sehen sich mit dem Vorwurf der schweren Steuerhinterziehung konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft hat vor kurzem Anklage erhoben. Über deren Zulassung hat eine Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Frankfurt zu entscheiden. Im Fall einer möglichen Verurteilung erwarten die Beschuldigten Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren.

          Es ist der dritte Cum-Ex-Fall, den deutsche Staatsanwälte vor Gericht bringen. Neben dem schon laufenden Strafprozess gegen zwei frühere Börsenhändler der Hypo-Vereinsbank am Landgericht Bonn wartet die Generalstaatsanwaltschaft seit bald anderthalb Jahren auf einen Eröffnungsbeschluss des Landgerichts Wiesbaden. Zudem zogen die Übersetzung der Anklageschrift ins Englische und die Zustellung ins Ausland das Verfahren in die Länge.

          Vermeintlicher Strippenzieher in der Schweiz

          So soll auch Hanno Berger, dem vermeintlichen Strippenzieher vieler Aktiengeschäfte in der Hochzeit der Cum-Ex-Deals von 2006 bis 2011, in Hessen der Prozess gemacht werden. Berger allerdings lebt seit Jahren in der Schweiz und beharrt auf der Rechtmäßigkeit der Transaktionen

          Am Freitag rückte ein langjähriger Wegbegleiter Bergers in den Fokus. Wie zunächst britische Fachmedien berichteten, kündigte der Frankfurter Steuerrechtler Konrad Rohde zum Jahresende seinen Rückzug als Ko-Managing-Partner der Großkanzlei DLA Piper in Deutschland an. In der englischen Presse wurde dafür ein Zusammenhang mit seiner engen Verbindung zu Hanno Berger hergestellt. Als junger Associate hatte Rohde eng mit dem renommierten Steueranwalt in diversen amerikanischen Wirtschaftskanzleien zusammengearbeitet und zählte auch zu den Gründungspartnern der mittlerweile aufgelösten Kanzlei Berger Steck & Kollegen. Von dort war der Steuerrechtler dann im Sommer 2013 zu DLA Piper gewechselt. Die Mitverantwortung für die mittlerweile 220 Anwälte in Deutschland hatte er von September 2016 an inne.

          Rohde habe für seine Entscheidung persönliche Gründe genannt, heißt es aus der Kanzlei. „Wir akzeptieren seine Entscheidung und können sie nicht weiter kommentieren“, erklärte ein Kanzleisprecher. Er stellte klar, dass DLA Piper als Kanzlei „nicht an Cum-Ex beteiligt“ gewesen sei. Und Konrad Rohde habe während seiner Zeit bei DLA Piper nicht zu Cum-Ex beraten.

          Weitere Themen

          DNA-Chips und Europa ohne Croissants Video-Seite öffnen

          Digitalkonferenz DLD : DNA-Chips und Europa ohne Croissants

          Das F.A.Z.-Digitec-Podcast-Team auf der Digitalkonferenz DLD in München: Alexander Armbruster und Carsten Knop sprechen über die Möglichkeiten von Quantencomputern, die Grenzen von Moore‘s Law - und warum es irgendwann DNA-Chips geben muss.

          Topmeldungen

          Oxfam stellt unter dem Titel „Frauen arbeiten unbezahlt, Milliardäre machen Kasse“ verschiedene Forderungen.

          Oxfam : „Ein Wirtschaftssystem für reiche Männer“

          Oxfam prangert die Benachteiligung von Frauen durch ungleiche Arbeitsteilung in Familien an. Gefordert werden höhere Ausgaben für die Kinderbetreuung und gezielte Entwicklungshilfe für Frauen in ärmeren Ländern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.