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Statistik von Creditreform : So wenig insolvente Unternehmen wie nie

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Schilder wie dieses sieht man aktuell häufiger in den Innenstädten Bild: dpa

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt immer weiter, trotz der Pandemie. Doch die offiziellen Zahlen täuschen über den schlechten Zustand vieler Firmen hinweg.

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          Auf den ersten Blick scheint es den deutschen Unternehmen gut zu gehen. So ist laut Daten des Wirtschaftsdatendienstleisters Creditreform die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2021 um mehr als 10 Prozent auf 14.300 gesunken und hat damit einen so niedrigen Stand erreicht wie noch nie seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt jedoch hat die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Jahr 2021 schlagartig zugenommen. Sie stieg um fast 60 Prozent auf 122.100. Grund ist der fast explosionsartige Anstieg von Verbraucherinsolvenzen um gut 80 Prozent. Dieser Anstieg hat laut dem Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform, Patrick-Ludwig Hantzsch vor allem mit einem Nachholeffekt zu tun. Denn seit Oktober 2020 gilt für Privatinsolvenzen eine günstigere Regelung mit einer kürzeren Restschuldbefreiung. Viele Verbraucher haben daher laut Hantzsch mit ihrem Insolvenzantrag gewartet und diesen erst 2021 gestellt.

          Allerdings dürften sich in der Zahl der Verbraucherinsolvenzen auch unternehmerische Insolvenzen verstecken. Denn Selbständige können mittlerweile wählen, ob sie im Pleitefall ein Unternehmensinsolvenzverfahren oder ein Verbraucherinsolvenzverfahren einleiten wollen.

          Wirtschaftshilfen täuschen über tatsächlichen Zustand

          Die rekordniedrige Zahl der Unternehmensinsolvenzen darf laut Creditreform nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirtschaft stark unter der Corona-Pandemie leidet. Viele Unternehmen halten sich nämlich nur dank massiver staatlicher Wirtschaftshilfen über Wasser. Sie können Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen oder das immer wieder verlängerte Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit für ihre Mitarbeiter beantragen.

          Die staatlichen Wirtschaftshilfen können jedoch den tatsächlichen Zustand der Unternehmen nicht verbessern. Schließlich müssen sie laut Hantzsch etwa die KfW-Kredite irgendwann zurückzahlen. Die steigende Verschuldung verringert die Bonität der Unternehmen, also deren Kreditwürdigkeit. 

          Nach Einschätzung von Hatzsch spiegelt die Insolvenzstatistik daher nicht mehr den wahren Zustand der Unternehmen wieder. Die staatlichen Hilfen hätten auch zur Folge, dass schwache Unternehmen am Markt bleiben. „Wenn Sie jedes Unternehmen retten, retten Sie nicht die Volkswirtschaft“, sagte Creditreform-Wirtschaftsforscher Hantzsch anlässlich der Präsentation der Insolvenzzahlen in Frankfurt.

          Bemerkenswert ist, dass das Ausmaß der Insolvenzschäden trotz der geringeren Zahl der Unternehmensinsolvenzen gestiegen ist. Die Creditreform rechnet mit einem Gesamtschaden von 54 Milliarden Euro im Jahr 2021 nach 42,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Zahlen kommen durch die Forderungen von Gläubigern zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags zustande. Im Durchschnitt entsteht je Insolvenzfall ein Schaden von 4 Millionen Euro. In Deutschland ist die Insolvenzquote üblicherweise sehr niedrig. Gläubiger bekommen im Fall einer Insolvenz im Schnitt nur 3 bis 4 Prozent ihres Geldes wieder.

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