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Charterraten im Keller : Coronavirus lähmt Schifffahrt

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen Bild: dpa

Auch deutsche Reeder bekommen die Folgen des Virus zu spüren. Teile des Marktes stecken in heftigen Turbulenzen.

          3 Min.

          Das Coronavirus hält Unternehmen auf der ganzen Welt in Atem. In China stehen Fabriken still, auch die Industrie in Europa dürfte die Folgen bald spüren. Logistiker sind ebenfalls betroffen, besonders die Schifffahrtsbranche, die als einer der ersten Wirtschaftszweige fühlt, wenn globale Ladungsmengen sinken.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Im Fall von Corona, auch Sars-CoV-2 genannt, seien die Risiken hoch, sagt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Reeder (VDR): „Wenn das Virus nicht bald eingekesselt und die Zahl der Infektionen gestoppt wird, dann bekommen nicht nur wir in der Schifffahrt große Schwierigkeiten, sondern die Weltwirtschaft als Ganzes.“

          Wie heftig die Turbulenzen sind, lässt sich an den Mietpreisen (Charterraten) für bestimmte Frachtschiffe ablesen, die in der Region um China unterwegs sind. Dort seien die Raten für große Massengutschiffe, sogenannte Capesize Bulk Carrier, auf rund 2000 Dollar am Tag gesunken, nachdem sie vor Weihnachten noch zwischen 14000 und 18000 Dollar gelegen hätten, hieß es am Dienstag vom VDR.

          Die Betreiber solcher Schiffe, die Charterreeder, könnten damit nicht einmal die Betriebskosten decken. Auch die Transportpreise für Waren, die Frachtraten, sind unter Druck. So befinde sich der sogenannte Baltic Dry Index, der die Raten für Massengut wie Kohle, Eisenerz oder Getreide zusammenfasst, auf dem niedrigsten Niveau seit vier Jahren.

          Sorge vor Arbeitsstopps in chinesischen Werften

          Das liege an verminderten Importen durch China, heißt es aus der Branche. Da die Fabriken zeitweise kaum produzierten, benötigten sie auch weniger Rohstoffe. Die genauen Auswirkungen sind aber noch offen und werden zum Teil durch die Ferien zum chinesischen Neujahrsfest überdeckt – einer Periode, in der die Volksrepublik traditionell wenig Ladung umschlägt.

          Dieser Effekt dürfte auch im laufenden Jahr einen wesentlichen Teil des Rückgangs mitverursacht haben, sagt Scott Jones von der Reederei Oldendorff aus Lübeck. „Aber normalerweise sehen wir, dass die Nachfrage einige Wochen nach Beginn von Chinese New Year zurückkommt.“ Dass dies bislang nicht der Fall sei, ist aus seiner Sicht auf Corona zurückzuführen.

          Mærsk Line aus Dänemark, die größte Containerreederei der Welt, hatte schon vor Tagen vor möglichen Auswirkungen auf das eigene Geschäft gewarnt. Die Hafenanläufe in China seien zurückgegangen, auch die Frachtraten für Containertransporte könnten weiter unter Druck geraten.

          Zudem sehen die Dänen ein wachsendes Risiko durch Arbeitsstopps in chinesischen Werften, da Schiffe dort nicht so schnell wie erwartet mit Abgasreinigungsanlagen ausgerüstet werden können. Diese sind nötig, um neue internationale Emissionsregeln einzuhalten. Mit Blick auf die Ladungsmenge hofft Mærsk, dass Spediteure und andere Verlader von April an für einen Auftragsschub sorgen, weil sie Transporte nachholen. Dies könne möglicherweise Einbußen der vergangenen Wochen ausgleichen, so dass der Containermarkt im Gesamtjahr um 1 bis 3 Prozent wächst. 2019 hatte die Branche ein Plus von 1,4 Prozent verbucht.

          Branche kämpft mit Gegenwind

          Um eine Ausbreitung über die eigenen Schiffe zu verhindern, hätten die Reedereien Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, sagte der Präsident des VDR, Alfred Hartmann, auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Hamburg. Mitglieder der Crews müssten Schutzmasken tragen, auch dürften Seeleute einiger Schiffe in China nicht an Land gehen. Hapag-Lloyd, die größte deutsche Reederei, verzichtet zudem schon seit einigen Wochen darauf, ihre Crews in der Volksrepublik zu wechseln, was in der Routenplanung bislang oft vorgesehen war.

          Für die deutschen Reeder kommen die Turbulenzen in einer Zeit, in der die Branche mit Gegenwind kämpft. Vor allem die Riege der Charterreeder, die keine eigene Ladung transportieren, sondern ihre Schiffe als Dienstleister an Mærsk, Hapag-Lloyd und Co. vermieten, ist über die vergangenen Jahre geschrumpft, nachdem sie bis zur Finanzkrise stark gewachsen war.

          Aktuell besitzen deutsche Eigner 2140 Schiffe, knapp 900 weniger als vor fünf Jahren. Überkapazität, unternehmerische Fehlkalkulationen und die Schwierigkeiten einstiger Schiffsfinanzier wie der Nord LB und der früheren HSH Nordbank, die heute Hamburg Commercial Bank heißt, sind ausschlaggebend für diesen Kahlschlag. Präsident Hartmann sagte, die Lage sei weiter schwierig, trotzdem blickten viele Unternehmen inzwischen wieder „verhalten optimistisch“ nach vorn.

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