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Corona verschärft Konzernkrise : Tupper ohne Party

Frischhaltedose der Marke Tupperware Bild: dpa

Der Haushaltswaren-Konzern Tupperware kann aufgrund der Corona-Krise seine Produkte nicht mehr direkt vertreiben. Doch die bekannten Tupper-Partys sollen weiterhin stattfinden, wenn auch nicht im heimischen Wohnzimmer.

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          Die Coronakrise trifft nicht Clubs und Diskotheken, sondern auch eine Party, für die man keinen DJ braucht: die Tupper-Party. Aufgrund der Corona-Epidemie muss der amerikanische Konzern Tupperware seinen Direktvertrieb erst mal auf Eis legen.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Tupper-Partys sind Veranstaltungen, auf denen neue Produkte vorgeführt werden. Die Kunden können diese direkt erwerben und mit ihnen nach Hause gehen. Die Tupper-Party ist der wichtigste Vertriebskanal des Unternehmens, das hauptsächlich Küchen- und Haushaltsartikel verkauft.

          Feiern im Netz

          Um die Verluste auszugleichen, hat Tupperware in Deutschland nun das Online-Sortiment erweitert. Das gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Neben neuen Produkten finden Kunden dort nun auch rund 250 Ersatzteile für Produkte wie die bekannte Frischhaltedose oder Lunchboxen.

           „Wir haben immer wieder zu hören bekommen, dass unsere Kunden eine Schüssel ohne Deckel im Haushalt haben. Aus Erfahrung weiß ich, wie oft der richtige Deckel partout nicht mehr auffindbar ist“, so Hauke Grotevent, Geschäftsführer Tupperware Deutschland, in der offiziellen Mitteilung.

          Auch auf die Tupper-Partys sollen die Kunden nicht komplett verzichten müssen: In einem Online-Portal können Gastgeber, die für jedes verkaufte Produkt eine zehnprozentige Provision erhalten, weiterhin die Ware an den Kunden bringen. Anstelle eines persönlichen Treffens können sich Veranstalter und Kunden seit einigen Wochen digital verabreden. Statt Häppchen gibt es dort Verkaufsgespräche im Chat und die Möglichkeit, Produkte online zu bestellen.

          Das sei schon vor der Corona-Krise möglich gewesen. „Wir wollten die administrativen Prozesse reduzieren, damit ihnen mehr Zeit bleibt, das zu tun, was sie lieben: Tupper-Partys zu halten“, so Grotevent. Immer häufiger treffen sich Kunden auch in sogenannten Whatsapp-Tupper-Partys. Dort präsentieren Gastgeber die Produkte in Videos, Kundenfragen werden direkt  im Chat beantwortet.

          Schlechte Prognose

          Längst ist es aber nicht nur die Corona-Krise, die dem Konzern zu schaffen macht. Für das vergangene Jahr gab das Unternehmen einen Umsatzrückgang zwischen 12 und 14 Prozent bekannt. In Zeiten von Social-Media und Online-Shopping gilt das Direktvertriebsmodell als veraltet. Erst im Jahr 2018 eröffnete Tupperware einen Onlineshop. Auch fällt es dem Konzern schwer, jüngere Kunden von sich zu begeistern. Schon im Februar prognostizierte das Unternehmen einen zweistelligen Umsatzrückgang für das Jahr 2020, dieser dürfte sich nun durch die Epidemie noch erhöhen.

          Im vergangenen November setzte Tupperware seine Vorstandsvorsitzende Tricia Stitzel ab, die sich nur eineinhalb Jahre auf ihrem Posten hatte halten können. Seither wird das Unternehmen übergangsweise von Christopher O'Leary geführt, einem Mitglied des Verwaltungsrats. Tupperware wurde 1938 gegründet, zehn Jahre später fand die erste Tupper-Party statt.

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