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Quartalszahlen in der Krise : Corona verhagelt Banken Gewinne

Wells Fargo musste mit einem Minus von 2,4 Milliarden Dollar sogar den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise 2008 vermelden. Bild: Reuters

Amerikas Großbanken müssen Milliarden für faule Kredite zurücklegen. Einige Geschäfte laufen allerdings glänzend. Was heißt das für die deutschen Banken?

          3 Min.

          Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen zeigen erste tiefe Spuren in den Geschäftszahlen der amerikanischen Großbanken. JPMorgan, die größte Bank der Vereinigten Staaten, musste im zweiten Quartal einen kräftigen Gewinneinbruch hinnehmen. Nachdem sie im Vorjahr zwischen April und Juni noch knapp zehn Milliarden Dollar verdient hatte, blieb in diesem Jahr mit 4,7 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) nicht einmal die Hälfte davon unterm Strich, wie die Bank am Dienstag mitteilte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei der Citigroup sackte der Quartalsüberschuss sogar um 73 Prozent auf noch 1,3 Milliarden Dollar ab. Die in San Francisco beheimatete Großbank Wells Fargo musste mit einem Minus von 2,4 Milliarden Dollar sogar den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise 2008 vermelden.

          Vor allem hohe Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle, aber auch geringere Einnahmen wegen der abgesenkten Leitzinsen in Amerika verhagelten den Banken die Ergebnisse. Hintergrund sind die durch die Corona-Krise rasch angestiegenen Arbeitslosenzahlen und die zunehmende Zahl an Firmeninsolvenzen. Um ganze 8,9 Milliarden auf nun 10,5 Milliarden Dollar hat allein JPMorgan seine Rückstellungen für faule Kredite erhöht. Die Citigroup legte mit 7,9 Milliarden Dollar viermal so viel Geld für Kreditrisiken zurück wie im Vorjahreszeitraum.

          Deutsche Bank mit Kursplus

          „Trotz zuletzt einiger positiver Konjunkturdaten und entschlossener Maßnahmen der Regierung herrscht nach wie vor große Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten“, warnte der jahrelang erfolgsverwöhnte Vorstandsvorsitzende von JPMorgan, Jamie Dimon.

          Sowohl Dimons Bank als auch die Citigroup konnten die Probleme im Kreditgeschäft allerdings mit sprudelnden Einnahmen in Teilen des Investmentbankings abfedern. Nach Angaben von Dimon hat JP Morgan in den vergangenen drei Monaten so viel Umsatz gemacht wie nie zuvor. Im Geschäft mit festverzinslichen Papieren verdoppelte die Bank die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Aber auch im Aktienhandel verbuchte sie hohe Zuwächse.

          Dass es am Anleihemarkt offensichtlich nach wie vor rund läuft, sind gute Nachrichten für die Deutsche Bank, die im internationalen Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen traditionell einer der wichtigsten Spieler ist. Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing hatte erst vor wenigen Tagen angedeutet, dass auch in seinem Haus das Handelsgeschäft nach wie vor lebhaft bleibe. Die Aktien der Deutschen Bank gehörten am Dienstag denn auch mit einem Kursplus von bis zu 1,8 Prozent zu den größten Gewinnern im ansonsten schwächelnden Dax. Sewing präsentiert die Zahlen für das zweite Vierteljahr am 29. Juli.

          Tausende Tilgungen

          Schon im ersten Quartal hatte die Deutsche Bank von guten Ergebnissen im Handelsgeschäft profitiert. Spannend bleibt nun, wie stark die Corona-Lasten auf die Kreditbücher der deutschen Banken drücken werden. Bislang hat die Deutsche Bank verglichen mit ihren amerikanischen Wettbewerbern geringe Rücklagen gebildet. Sie verweist darauf, dass ein großer Teil ihrer Kredite in der Regel gut besicherte Immobilienfinanzierungen sind und nur ein kleiner Teil an derzeit besonders stark betroffene Branchen wie den Tourismus und an Ölkonzerne ausgereicht wurde. Hinzu kommt, dass die Hunderte Milliarden schweren Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung bislang eine Insolvenzwelle und allzu hohe Arbeitslosenzahlen verhindern.

          Dass dennoch auch viele deutsche Bankkunden durch die Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, zeigen die hohen Zahlen von Kreditstundungen. Die Bundesregierung hatte im März rasch ein Gesetz zur Abmilderung der Corona-Folgen erlassen, das Kreditnehmern erlaubt, vorübergehend ihre Darlehen nicht mehr zu bedienen.

          Allein bei der Deutschen Bank und der Postbank haben solche Stundungen 70.000 Kunden beantragt, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr gerade im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt hat. Die Sparkassen müssen aktuell insgesamt bei 189.000 Krediten auf Tilgungen und Zinszahlungen verzichten, die Commerzbank bei 33.000 und die auf Konsumentenkredite spezialisierte Targobank bei 47.000.

          Vorteil der amerikanischen Banken

          Die Warnungen vor einer neuen Bankenkrise in Europa nehmen daher zu. Gerade erst hat die Ratingagentur Standard & Poor‘s für Westeuropa in den Jahren 2020 und 2021 Kreditverluste von insgesamt 228 Milliarden Dollar prognostiziert, nach 54 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Auch die Aufsichtsbehörden warnen schon seit einigen Monaten vor einem deutlichen Anstieg fauler Kredite.

          Die Geschäftszahlen, mit denen die drei amerikanischen Großbanken am Dienstag den Reigen der Quartalsberichterstattung eröffneten, zeigen deutlich, wie hilfreich in diesen Zeiten ein diversifiziertes Geschäftsmodell ist. Während JP Morgan und Citigroup ihre hohen Kreditrückstellungen mit den guten Ergebnissen im Handelsgeschäft abfedern konnten, fehlt Wells Fargo dieser Ausgleich.

          Hier brachen die Erträge um mehr als 17 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar ein. Die Bank ist ohnehin noch von einem Skandal um fingierte Konten gebeutelt und musste nun eine Kürzung ihrer Dividende ankündigen. Der Aktienkurs brach kurz nach Bekanntgabe der Zahlen um 8 Prozent ein.

          Die anderen beiden Großbanken konnten trotz der Gewinneinbrüche die zuvor niedrigen Erwartungen der Analysten übertreffen. Angesichts der erfreulichen Ertragssteigerungen stiegen auch die Aktienkurse von JP Morgan und Citi. Auch dass JP-Morgan-Chef Dimon versicherte, dass die Bank weiter Dividenden zahlen werde, wenn sich die Wirtschaft nicht noch deutlicher eintrübe, dürfte dazu beigetragen haben. Hier liegt ein Vorteil der amerikanischen Banken. Die europäischen Häuser dürfen auf Druck der Bankenaufsicht erst einmal nichts mehr an ihre Aktionäre ausschütten.

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