https://www.faz.net/-gqe-a253o

Corona-Sommer : Corona sorgt für Nachfrageboom bei Hausbooten

  • Aktualisiert am

Ein Urlauber steuert beim Einführungskurs ein Hausboot des Vermieters Kuhnle-Tours an einen der Stege im Müritz-Hafen. Bild: dpa

Flucht aufs Wasser: In der Corona-Krise erleben Hausbootverleiher einen Ansturm. Wer jetzt noch schippern möchte, braucht viel Geduld.

          2 Min.

          Der coronabedingte Trend zum Urlaub in Deutschland hat den Hausboot-Verleihern zwischen Berlin und der Ostsee einen Nachfrageboom beschert. Bis Ende August sind die Flotten zwischen Zeuthen, Potsdam sowie an Havel, Müritz und der Ostsee bereits ausgebucht, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren Anbietern ergab.

          „Derzeit könnten wir das Drei- bis Vierfache an Schiffen vermieten“, sagte Steffen Schulz, Geschäftsführer von Bootsurlaub.de in Waren an der Müritz. Das Unternehmen hat auch zwei Standorte in Brandenburg. „Ab Mitte September ist bei uns erst wieder etwas frei“, heißt es beim führenden Anbieter an der Müritz, der Kuhnle Gruppe, und bei Le Boat bei Rheinsberg. Bisher seien die Ausfälle durch Corona von Mitte März bis kurz vor Pfingsten aber noch nicht aufgeholt.

          „Buchungstechnisch sieht es aber so gut aus, dass wir das im Herbst aufgeholt haben könnten“, sagte Schulz. Es dürfe aber keine neue Welle an Corona-Infektionen oder eine abermalige Sperrung dazwischenkommen. Die drei Anbieter haben von Zeuthen bis zur Ostsee 13 Häfen mit Ausleihstationen und fast 400 Booten, auf denen Hobbykapitäne derzeit die Ruhe der Flüsse und Seen genießen oder an Schleusen warten.

          „Wir kommen derzeit an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagte Dagmar Rockel, Sprecherin bei Kuhnle. Wurden sonst in der Hochsaison samstags bis zu 40 Boote am Wechseltag übergeben, sind es nun drei Tage lang je 50 Boote. Diese müssen gereinigt und gewartet werden, und die Urlauber seien anspruchsvoll. Der Zusatzaufwand für die Hygiene sei enorm: Hunderte Desinfektionsflaschen und Pumpspender, neue Industriewaschmaschinen und zusätzlicher Einweisungsaufwand. „Wir müssten bei einem großen Boot, was 3000 Euro die Woche kostet, eigentlich zehn Prozent mehr nehmen“, sagte Rockel. Das sei aber nicht drin.

          Am liebsten buchen die Urlauber Sieben-Tage- oder Drei-Tage-Fahrten, heißt es bei Le Boat in der Marina Wolfsbruch an der Landesgrenze Brandenburgs. „In der Hochsaison waren wir sonst auch ausgebucht“, sagte Rockel. Diesmal hätten man die doppelte Zahl an Booten, egal welcher Komfortklasse, vermieten können. Aber dann bräuchte die Firma mehr Mitarbeiter, dass sei schwierig. Mit Hilfe von Kurzarbeit haben die Vermieter das Frühjahr überbrückt, aber „das waren ganz unsichere Zeiten“. Deshalb hält Rockel wenig davon, jetzt bereits davon zu sprechen, dass entgangene Buchungen aufgeholt sind: „Gezählt wird erst im Herbst.“

          Wer jetzt noch schippern will, braucht Geduld

          Um den Einweisungsaufwand gering zu halten, schickt Schulz von Bootsurlaub.de seinen Kunden bereits ein Video zu, in dem sie die Handhabung der Hausboote lernen können. 90 Prozent seiner 150 Schiffe sind führerscheinfrei nutzbar. Am liebsten buchen die Hobbykapitäne hier Zwei-Paar- oder Ein-Paar-Boote. Der September sei schon zu 80 Prozent ausgebucht. „Die großen Boote mit bis zu zehn Leuten werden in der Vor- und Nachsaison aber schwieriger voll.“

          Wer noch ein Hausboot haben will, dem empfehlen alle Anbieter Geduld und auf eine E-Mail auszuweichen. Wegen der hohen Nachfrage könne es einige Zeit dauern, bis jemand ans Telefon gehe, lässt sich auf allen Internetseiten lesen. Kunhnle-Sprecherin Rockel empfiehlt, auch auf Frankreich auszuweichen. In der Flotte in Niderviller, knapp eine Autostunde von Deutschland, sehe es noch etwas übersichtlicher aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Die Milliardenvermögen dieser Welt beruhen doch auch auf Enteignung“, sagt Janine Wissler.

          Janine Wissler : Die sozialistische Versuchung

          Janine Wissler soll künftig „Die Linke“ führen. Sogar ihre politischen Gegner loben ihr Talent. Da könnte man fast vergessen, dass sie den Umsturz will.
          Vorher-Nachher-Bilder auf Instagram sollen zeigen, dass es nur aufs richtige Posieren ankommt.

          „Same body, different pose“ : Dieser Trend ist kein Empowerment!

          Frauen posten Fotos von sich in zwei verschiedenen Posen, um zu illustrieren, dass alle Körper „normschön“ sein können, wenn man sie nur richtig fotografiert. Das bewirkt viel, aber sicher kein Empowerment.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.