https://www.faz.net/-gqe-afdsq

Corona-Flug-Ärger : Die Rückkehr der Warteschlange

Warten in der Pandemie: Impfungen und Tests müssen geprüft werden. Trotz insgesamt wenig Verkehr gehört daher das Anstehen wieder zum Fliegen dazu. Bild: dpa

Regelvielfalt mache Reisen schwer, klagt die Tourismusbranche. Weil Tests und Impfungen kontrolliert werden müssen, gehört Anstehen wieder zum Fliegen dazu. Auch der Preiskampf geht weiter.

          2 Min.

          Die Warteschlangen an Flughäfen sind wieder da und werden länger – so lautet eine große Sorge der Reisebranche. „Die Aufenthaltszeit in Terminals steigt schlimmstenfalls von 1,5 Stunden im Jahr 2019 auf acht Stunden“, warnte Willie Walsh, Präsident des Weltluftfahrtverbands IATA, am Donnerstag auf dem virtuellen Kongress des Fachmagazins FVW. Grund: Ein von Regierungen geschaffener Wust an Auflagen. „Wir haben keine Krise mehr wegen der Pandemie, sondern eine Krise durch staatliche Beschränkungen“, sagte Walsh.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Vergangenheit habe er – wie die Hälfte aller Passagiere – per Smartphone eingecheckt. Das sei aktuell oft nicht möglich. Ohne einheitlichen Standard bleibe für Corona-Tests oder Impfungen nur die Prüfung am Schalter. Laut IATA ist in Spitzenzeiten die durchschnittliche Summe aller Wartezeiten um einen Flug vom Check-in bis zur Gepäckausgabe auf drei Stunden gestiegen – bei 30 Prozent des Vor-Krisen-Verkehrs. Bei 100 Prozent drohten acht Stunden, falls sich nichts ändere.

          Preisdruck wird bleiben

          Die EU führt die IATA – trotz Detailunterschieden zur Akzeptanz von Schnelltests und Testpflichten für Kinder – schon als Positivbeispiel: Nirgendwo sonst verständigten sich so viele Staaten auf ähnliche Vorgaben. Die Deutsche Lufthansa schaltete daher zum 1. September den Check-in per Smartphone wieder ein – aber nur für Strecken aus Nichtrisikogebieten im Schengenraum. Zur Rückkehr früherer Leichtigkeit äußerte sich Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister skeptisch: Besser wäre, wenn es außer dem Standard für Flugtickets auch einen für weitere pandemierelevante Dokumente gäbe. „Dazu müsste man sich nur einigen“, sagte er.

          Eine gute Wahl

          Sichern Sie sich F+ 3 Monate lang für 1 Euro je Woche und lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Wirrwarr dämpft die Nachfrage. Stefan Eßer vom Sicherheitsdienstleister International SOS verwies darauf, dass es nicht an neuer Technik mangele. Zahlreiche Apps seien auf dem Markt wie CovPass aus der EU und TravelPass der IATA. International bestehe aber eine „beliebige Komplexität, wer was anerkennt“. Ebenso für Impfungen: „In der Vergangenheit hatten wir es nie, dass nach bestimmten Impfstoffen gefragt wurde. Für Gelbfieber gilt: Geimpft ist geimpft.“ Bei Covid-19 würden die USA und China nun wechselseitig Stoffe nicht anerkennen, in der EU tue man sich mit Sputnik V schwer. Christian Warneck, beim Buchungssystembetreiber Amadeus für Sicherheitsfragen zuständig, sieht indes eine Übergangsphase: „Wir kommen zur vollen Automatisierung zurück“, sagte er. Warteschlangen der Zukunft würden kürzer, mittelfristig könnten mehr Formalitäten per Smartphone erledigt werden.

          „Es ist ein risikobehafteter Markt“

          Für Urlaubsanbieter dürfte das nur eine Erleichterung sein. „Die gesamte Branche braucht wesentlich höhere Margen, um künftig erfolgreich zu arbeiten“, sagte Markus Heller, Chef der Tourismus-Unternehmerberatung Fried & Partner. Für eine Studie ließ er unter anderem Reisemanager von TUI, FTI, DER Touristik befragen. Das Rüffelfazit der Berater und der Manager selbst: Ein Ende der Pandemie bedeute nicht das Ende der wirtschaftlichen Krise. „Umso bedenklicher ist es, dass aktuell noch deutliche Baustellen im Bereich Revenue Management bestehen“, heißt es in der Studie. Mehr durch eine Pauschalreise zu erlösen sei aber nötig, um nach Corona Schulden abzubauen.

          Reisepakete an individuellen Kundenwünschen auszurichten, sei lange vernachlässigt worden. Pauschalreisen ließen sich daher in Webportalen leicht vergleichen. Preiserhöhungen werden laut Heller schwierig: „13 Prozent der Deutschen können sich keine Reise leisten, dazu kommen diejenigen, die sich den Urlaub gerade noch leisten können. Der Preisdruck wird bleiben.“ Auch Lufthansa-Vorstand Hohmeister sieht kurzfristig kaum Chancen für Aufschläge. „Kapazitäten in den Markt werfen und zu billigen Preisen absetzen: Das wird wohl nie ein Ende finden, solange die Politik keine Mindestpreisregeln findet“, sagte er mit Blick auf Billigflieger. Dass Anleger skeptisch auf den Tourismus blicken, hält Analyst Daniel Roeska von Bernstein Research daher für berechtigt. Sein Krisenfazit: „Es ist ein risikobehafteter Markt, das wird vielen Investoren im Gedächtnis bleiben.“

          Weitere Themen

          Die Rückkehr der ganz großen Gaming-Show

          Milliardenmarkt „E-Sport“ : Die Rückkehr der ganz großen Gaming-Show

          Die Begeisterung für den „E-Sport“ ist ungebrochen – und lässt junge Zocker und renommierte Unternehmen vom großen Geld träumen. Im Stadion von Bukarest findet bald mit dem „The International“ eines der größten Gaming-Turniere der Welt statt.

          Topmeldungen

          Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Doch immer mehr junge Menschen legen ihr Geld in Aktien an.

          Deutsche und ihr Vermögen : Der lange Abschied vom Sparkonto

          Das Geldvermögen der Deutschen ist groß wie nie. Die Sparer haben ihr Geld aber über die Jahre umgeschichtet. Vor allem bei Jüngeren gibt es einen bemerkenswerten Effekt.
          Tatort in Idar-Oberstein, am 19. September: Polizisten sichern die Tankstelle, wo ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Ein extremer Einzelfall – und das Netz

          Ein Mann ist tot. Erschossen in einer Tankstelle. Ist dieser Fall ein Beispiel dafür, dass aus Hass in sozialen Netzwerken tödliche Gewalt wird?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.