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Zugfahren in der Corona-Krise : Was sich nun bei der Bahn ändert

Fahrscheinkontrolle in einem Regionalzug Bild: Deutsche Bahn AG

Die Züge füllen sich langsam wieder. Die Bahn passt sich an die Corona-Krise an: mehr Hygiene, längere Züge, Essen zum Mitnehmen. Was Kunden jetzt wissen müssen.

          3 Min.

          Die nächste Flugreise ist auf den Wunschzettel für das kommende Jahr gerutscht. Bahnreisen in Deutschland oder vielleicht sogar in Nachbarländer sind plötzlich zur Verlockung dieses Sommers geworden. Die Bilder gähnend leerer Großraumwagen sind noch in den Köpfen, doch seit der Lockerung des Shutdowns steigen wieder mehr Menschen in den Zug.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Deutsche Bahn kehrt nach und nach zurück zum Normalbetrieb. Von Montag an fahren etwa die ICE-Züge von Berlin ins Rheinland wieder im regulären Stundentakt und mit zwei Zugeinheiten. Zu Pfingsten sind die ersten Fernzüge wieder zu den Touristenorten an Nord- und Ostsee sowie in Bayern unterwegs. Von diesem Samstag an können Reisende Fahrkarten nach Sylt, Rügen, Oberstdorf oder Berchtesgaden buchen.

          Doch wie geht Zugfahren in Zeiten von Corona? Brauchen wir Masken, Abstand oder sogar eine Reservierung?

          Die Züge füllen sich langsam. Der Vorstandschef von DB Fernverkehr, Michael Peterson, berichtet von einer aktuellen Belegung in den Fernzügen von 20 bis 30 Prozent – vor der Pandemie betrug die Auslastung im Schnitt 57 Prozent. „Einzelne Züge können hier aber auch über oder unter diesem Schnitt liegen“, betonte Peterson.

          Vorerst keine Sprinter

          Auf der Verbindung Berlin-Köln/Düsseldorf habe man diese Woche schon 50 Prozent Auslastung verzeichnet, was nicht bedeute, dass immer jeder zweite Platz frei bleibe. Daher würden die Züge verlängert. „Wir fahren unser Angebot nachfrageorientiert Schritt für Schritt hoch. Das stabile Grundangebot der vergangenen Wochen macht es möglich, dass wir den Zugverkehr jetzt flexibel und schnell ausbauen können.“

          Auch die Bahn weitet ihr Angebot nun langsam wieder aus.
          Auch die Bahn weitet ihr Angebot nun langsam wieder aus. : Bild: EPA

          Auf vielen Verbindungen waren die ICE-Züge auch im strengen Shutdown im gewohnten Stundentakt unterwegs. Die Bahn sparte sich lediglich die „Verstärkerzüge“ an Freitag- und Sonntagnachmittagen.

          Bis auf weiteres gestrichen bleiben die schnellen Sprinter zwischen den Metropolen, die besonders Geschäftsreisende nutzten. „Zurzeit reicht unser stündliches Angebot noch aus“, erläutert Peterson. Geschäftskunden buchten nach wie vor zurückhaltend – auch weil viele Menschen im Homeoffice arbeiten und zudem Reisen vermieden. Wenn die Nachfrage wächst, sollen die Sprinter aber vom 15. Juni an wieder eingesetzt werden.

          Für die Bahn ist das größere Angebot ein Weg, Reisenden den empfohlenen Abstand zum nächsten zu ermöglichen. Nur jeden zweiten Platz im Waggon zu verkaufen – etwa in Verbindung mit einer Reservierungspflicht – kommt für die Bahnunternehmen wie für Bus- und Fluggesellschaften indes nicht in Frage.

          Verworfen wurde diese Überlegung nicht nur, weil das wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre. „Wir können und dürfen nicht kontrollieren, wer zusammensitzen darf – acht Personen aus zwei Haushalten oder zwei Geschäftspartner zum Beispiel - und wer nicht“, sagt Peterson. Stattdessen sollen die Zugbegleiter dafür sorgen, dass die Fahrgäste sich gleichmäßig über den Zug verteilen.

          „Der Zug ist nicht der Hotspot“

          Kommt es zu Konflikten über notwendige Abstände, sollen die Schaffner möglichst vermitteln – oder notfalls den ganz Sensiblen klar machen, dass Zugfahren für sie vielleicht noch nicht das Richtige ist. Peterson verweist aber darauf, dass die Bahn selbst in Zeiten mit den höchsten Corona-Infektionszahlen keine verstärkten Ansteckungsketten beobachtet habe. „Der Zug ist nicht der Hotspot.“ Unter Mitarbeitern im Fernverkehr liege die Infektionsrate sogar um ein Drittel niedriger als der Durchschnitt.

          Die im städtischen Nahverkehr schon übliche Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes möchte die Bahn auch in ICE und IC durchsetzen. Sie braucht dazu aber die rechtliche Basis für eine Maskenpflicht in allen Bundesländern; derzeit fehlt diese noch in sechs nord- und ostdeutschen Ländern. Masken tragen dennoch schon viele Reisende.

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          Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, verstärkt die Bahn zudem ihre Bemühungen um mehr Hygiene. „Unterwegsreiniger“ putzen Haltestangen, Griffe, Knöpfe oder Oberflächen während der Fahrt. Abends im Werk werden die Züge komplett gereinigt und desinfiziert. Die Bord-Gastronomie bleibt vorerst beschränkt auf Mitnahme-Artikel, wird aber ausgeweitet – etwa auf das Chili con carne im Einwegbecher, das der Gast am Platz verzehren kann. In etwa drei Wochen, schätzt Peterson, wird es auch wieder Speisewagen geben.

          Rechnet die Bahn mit einem Ansturm der Reisenden in den Sommerferien? Peterson ist in seiner Prognose vorsichtig: „Das wird ganz wesentlich von den Ansagen der Politik abhängen. Die Deutschen fahren gern ins Ausland, in die Sonne. Wenn der Weg in andere europäische Länder für Reisen geöffnet wird, werden die Leute diese Gelegenheit auch nutzen. Wir werden darauf vorbereitet sein.“

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