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Boeing 737 Max : Ein Comeback in kleinen Schritten

Geparkte 737 Max in Amerika Bild: Reuters

Die amerikanische Flugbehörde FAA hat das Flugverbot für Boeings 737 Max aufgehoben. Doch wer braucht die Flieger eigentlich mitten in der Pandemie?

          4 Min.

          Es war ein gutes Zeichen, als sich Steve Dickson Ende September persönlich in das Cockpit einer 737 Max setzte, um sie zu fliegen. Dickson ist Pilot, und er ist auch Chef der amerikanischen Flugbehörde FAA, in deren Hand die Entscheidung liegt, das Flugverbot für die Maschine von Boeing aufzuheben. Der Flug dauerte zwei Stunden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und Dickson hatte sich gründlich darauf vorbereitet, unter anderem mit Schulungen an einem Simulator. Hinterher sagte er, es sei ihm wichtig gewesen, selbst zu erleben, wie sich das Steuern des Flugzeugs anfühlt. Und er würde der 737 Max nur dann die Rückkehr in den Flugbetrieb erlauben, wenn er auch seine eigene Familie mit ihr fliegen lassen würde. Seine Bilanz für den Testflug war positiv: „Mir hat gefallen, was ich gesehen habe.“

          Nun ist es tatsächlich so weit: Die FAA hat das Startverbot für die 737 Max nach rund 20 Monaten am Mittwoch aufgehoben worden. Voraussetzung dafür ist unter anderem die Installation einer neuen Steuerungssoftware an den Flugzeugen. Damit endet eine Zwangspause, die Boeing in die größte Krise der mehr als einhundert Jahre währenden Geschichte stürzte. Die nicht nur den Flugzeugbauer, sondern auch die FAA schlecht aussehen ließ. Und die viel länger dauerte als ursprünglich von Boeing erhofft, länger sogar, als die 737 Max bislang überhaupt im Einsatz war. Dem Schritt der FAA dürften sich auch Regulierer in anderen Teilen der Welt bald anschließen.

          Rückkehr in Flugverkehr wird ein zäher Prozess

          Es könnte aber noch Zeit vergehen, bis die europäische Luftfahrtbehörde EASA die Freigabe erteilt und deutsche Reisende mit einer 737 Max abheben können. Die EASA hatte auf eigenen Analysen und Testflügen bestanden, im Oktober sagte ihr Chef Patrick Ky: „Unsere Analyse hat gezeigt, dass das Flugzeug sicher ist, und das Sicherheitsniveau ist für uns ausreichend.“ Airlines soll die EASA zuletzt angekündigt haben, bis Freitag den Entwurf einer sogenannten Lufttüchtigkeitsanweisung vorzulegen. Darauf würde eine vier Wochen lange Konsultationsphase folgen. Möglich, dass die endgültige Freigabe erst im Januar erfolgt.

          In jedem Fall wird Boeing das Kapitel in naher Zukunft noch nicht ganz abhaken können, denn die Rückkehr in den Flugverkehr wird ein zäher Prozess, nicht zuletzt weil die Corona-Krise dramatische Spuren im Geschäft der Flugindustrie hinterlassen hat. Die Kapazitäten, die nach der Aufhebung des Flugverbots wieder verfügbar werden, treffen auf eine erlahmte Nachfrage.

          Das Comeback des Boeing-Fliegers wird nicht in einem Maße herbeigesehnt, wie das noch vor der Pandemie der Fall war. Der Reisekonzern TUI, der ursprünglich hierzulande Erstnutzer gewesen wäre, sagt, es gebe noch keinen festen Zeitplan. Er wollte die 737 Max anfangs nutzen, um Nonstop-Flüge auf die Kapverdischen Inseln als wachsendes Urlaubsziel anzubieten. Aktuell ist dieses aber nicht im Programm.

          Dennis Muilenburg redete Verantwortung klein

          Die 737 Max wurde im März vergangenen Jahres von Flugbehörden in aller Welt aus dem Verkehr gezogen. Wenige Tage zuvor war ein Flugzeug des Typs kurz nach dem Start im äthiopischen Addis Abeba abgestürzt, dabei starben 157 Menschen. Es war das zweite Unglück innerhalb weniger als sechs Monaten. Im Oktober 2018 war eine 737 Max in Indonesien zerschellt, damals gab es 189 Tote. Ermittlungen ergaben, dass in beiden Fällen eine speziell von Boeing für die 737 entwickelte Flugautomatik mit dem Namen „MCAS“ eine Rolle gespielt hatte.

          Diese Software war dazu gedacht, das Flugzeug zu stabilisieren, brachte aber offenbar Piloten in eine Situation, in der sie die Kontrolle über die Maschinen verloren. Boeing machte im Krisenmanagement zunächst keine gute Figur. Vorstandsvorsitzender Dennis Muilenburg redete die Verantwortung seines Unternehmens klein, indem er die Abstürze wiederholt als „Kette von Ereignissen“ beschrieb. Es fiel ihm schwer, einfühlsame Worte für die Betroffenen der Unglücke zu finden.

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