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Warten auf Hilfe : Hotels und Restaurants vermissen Klarheit

Alles zu: Geschlossene Sonnenschirme vor einem Restaurant am Frankfurter Römer Bild: dpa

Schnell sollten im November geschlossene Hotels und Restaurants Hilfe bekommen. Die Zwangspause ist nun verlängert, doch Geld ist noch nicht geflossen. Eine Hotelkette bereitet die nächste Klage vor.

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          Die Ungeduld von Dirk Iserlohe, dem Chef der Dorint-Hotel-Muttergesellschaft Honestis, ist auch am Telefon regelrecht zu hören. Denn mit schnellen größeren Zahlungen aus den vom Bund angekündigten November-Hilfen für seine rund 60 Hotels rechnet er nicht mehr. „Mein Unternehmen, das jetzt einen Antrag stellt, wird einen Abschlag von 10.000 Euro bekommen. Ich werde aber 14,6 Millionen Euro beantragen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Das entspreche 75 Prozent des Umsatzes im Vorjahresmonat, die er anmelden dürfe. Die schnelle Anweisung von 10.000 Euro hat der Bund zugesagt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sarah Obertreis

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wann er den großen Rest erhalten könne, sei „unklar“. Dabei hatten Deutschlands Hoteliers und Gastronomen „Klarheit und Planungssicherheit“ vor den Bund-Länder-Beratungen zum erweiterten Lockdown gewünscht. So hatte es der Branchenverband Dehoga in ihrem Namen formuliert. Nach den Entscheidungen vom Mittwochabend ist lediglich sicher, dass sie bis zum 20. Dezember garantiert keine Urlauber einquartieren und keine Gäste im Lokal bewirten dürfen.

          Das Geschäft zu Weihnachten und Silvester ist in Frage gestellt. Mit Blick auf den Auszahlungszeitpunkt größerer Hilfen fehlen den Unternehmen Antworten, noch ist keine November-Schnellhilfe geflossen, sie können erst in diesen Tagen beantragt werden. Der Dehoga mahnte schon, dass Gehälter für November und Pachten jetzt fällig seien.

          Für Fälle, in denen Hilfsbeträge von bis zu einer Million Euro nicht ausreichten, arbeite man an einer „Programmergänzung“, um eine Antragstellung „zu einem späteren Zeitpunkt“ zu ermöglichen, heißt es dort. Für Beträge über 4 Millionen Euro sei möglicherweise sogar eine Notifizierung durch die EU-Kommission nötig. Allerdings hat die Kommission schon mitgeteilt, dass sie die Covid-19-Pandemie grundsätzlich als „außergewöhnliches Ereignis“ ansehe, was Hilfen erleichtert.

          Mehr als 60 Prozent Umsatz eingebüßt

          Die verordnete November-Leere im Hotel, die im Dezember anhält, bringt die Dorint-Häuser um weitere rund 30 Millionen Euro Geschäft – nach den seit März eingetretenen Corona-Einbußen. „Wir werden in diesem Jahr höchstwahrscheinlich unter die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro fallen“, sagt Iserlohe. 2019 hatte er fast dreimal so viel, rund 280 Millionen, Euro eingenommen. Wann wieder viel Leben in die Hotels einkehre? „Ich befürchte mittlerweile eine Verlängerung der aktuellen Regelung bis in den Januar und erhebliche Einschränkungen bis Ostern“, sagt Iserlohe.

          Kämpft für Entschädigungen: Dorint-Hotel-Chef Dirk Iserlohe
          Kämpft für Entschädigungen: Dorint-Hotel-Chef Dirk Iserlohe : Bild: Soenne

          Sogar für Schleswig-Holstein, das die niedrigste Corona-Inzidenz in Deutschland ausweist und deshalb einige Verschärfungsschritte etwa für den Einzelhandel nicht mitgeht, hatte der dortige Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wenig Hoffnung gemacht. Hoteliers und Gastronomen müssten sich darauf einstellen, „dass sie auch noch über den Jahreswechsel hinaus geschlossen bleiben“. Bei den Hotels sehe er wegen der hohen Corona-Zahlen in anderen Bundesländern „gar keine Möglichkeit“, dass es anders komme. Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges geht in einer aktuellen Einschätzung nicht davon aus, dass Restaurants hierzulande nach dem 20. Dezember wieder öffnen dürfen.

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