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In Deutschland und Frankreich : Zehntausende wollen auf dem Feld helfen

Hessen, Weiterstadt: Saisonarbeitskräfte stechen schon auf der Anbaufläche des Tannenhofs Spargel. Bild: dpa

In Deutschland und Frankreich melden sich ungeahnt viele Freiwillige, um die fehlenden Erntehelfer aus dem Ausland zu ersetzen. Aber können sie das so einfach?

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          Deutschland und Frankreich mobilisieren Arbeitskräfte, um die Landwirtschaft zu stützen, denn die Erntehelfer aus Osteuropa dürfen nicht mehr einreisen und fehlen den Betrieben schmerzlich. Das Bundeslandwirtschaftsministerium und der Maschinenring – eine Interessensvereinigung von Landwirten –  haben in der vergangenen Woche die Plattform „Das Land hilft“ ins Leben gerufen. Dort können sich Interessierte melden, die auf den Feldern mitarbeiten wollen. Stand Montagmorgen hätten sich 36.250 „helfende Hände“ gemeldet, twitterte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). „Wir sind beeindruckt.“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Zuvor hatte Klöckner schon dafür geworben, dass Mitarbeiter aus der Gastronomie, die derzeit nichts zu tun haben, auf den Feldern mitarbeiten könnten. Auch Studenten hat die Bundesregierung im Blick. Zudem prüfen das Landwirtschafts- und das Innenministerium derzeit, inwieweit Asylbewerber eingesetzt werden könnten. Die Zeit drängt: In gewöhnlichen Jahren kommen bis zu 300.000 Saisonarbeitskräfte vor allem aus Osteuropa nach Deutschland, um Landwirten beim Aussetzen von Setzlingen, der Feldarbeit und der Ernte zu helfen. Das Bundesinnenministerium hat für sie jedoch einen Einreisestopp verhängt, weshalb nicht nur die demnächst anstehende Spargel- und Erdbeerernte in Gefahr ist. Auch der Bauernverband hat eine Vermittlungsseite im Internet eingerichtet. Allerdings sind viele Landwirte skeptisch, ob Branchenfremde die Lücken füllen können. Die Feldarbeit sei hart und erfordere viel Erfahrung, sagte kürzlich Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Das können wir mit ungelernten Kräften nicht ersetzen. Wir brauchen als Stammpersonal unsere bewährten Saisonarbeitskräfte. Sonst wird das nicht funktionieren.“

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           In Frankreich haben sich nach Angaben des französischen Landwirtschaftsministers Didier Guillaume sogar 150.000 Menschen freiwillig für die Arbeit auf Feldern, aber auch in Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie gemeldet. „Die Aufrufe werden in großer Zahl befolgt. Die Menschen sind solidarisch, sie wollen etwas für Frankreich tun“, freute sich der Minister am Montag in einem Radiointerview. Die Regierung hilft freilich auch mit finanziellen Anreizen nach. Sie hat beschlossen, dass die neuen Erntehelfer gleichzeitig Kurzarbeitergeld und ihren Lohn aus der Feldarbeit beziehen dürfen, die Zustimmung des Arbeitgebers vorausgesetzt. Auch Selbständige, die aus einem eigenen Solidaritätsfonds unterstützt werden, dürfen in Frankreich jetzt einen Zusatzverdienst aus der Landwirtschaft beziehen.

          „Wir verstehen, wenn man Landlust verspürt“

          Nach Angaben der Präsidentin des französischen Landwirtschaftsverbandes FNSEA, Christine Lambert, werden im März 50.000 Personen, sowie im April und Mai jeweils 80.000 Helfer gebraucht. „Es ist so, als ob Tschernobyl wieder passiert wäre“, sagte sie. Am Anfang gab es zwar Probleme mit der Webseite für die Vermittlung, doch jetzt scheinen sie ausgeräumt. Der Landwirtschaftsminister berichtete, dass wohl nicht alle 150.000 Bewerber einen Platz fänden, doch er begrüßte die Einsatzbereitschaft der Franzosen. Er rief dabei dazu auf, Betrieb in der Nähe zu suchen, zumal das Zurücklegen großer Distanzen derzeit aus sanitären Gründen untersagt ist. Er versprach auch, dass die Regierung alles tun werde, damit die Unternehmen die notwendigen sanitären Vorkehrungen treffen können.

          Personen aus verschiedensten Bereichen und Altersklassen melden sich in Frankreich derzeit zur ländlichen Freiwilligen-Arbeit, darunter auch Stadtflüchtlinge, die sich in ihren Sommerresidenzen langweilten. „Wir verstehen, wenn man Landlust verspürt und ein bisschen arbeiten will, um sich die Beine zu vertreten. Doch wir möchten daran erinnern, dass es sich um echte Arbeit in professionellen Betrieben handelt“, merkte ein Verbandsvertreter an.

          Einige Landwirte erinnern auch daran, dass die Erfahrung der traditionellen Erntehelfer nicht leicht zu ersetzen sei. „Wir haben ja Leute, die seit 10 bis 20 Jahren aus Portugal zu uns kommen. Diese Erfahrung fehlt uns in jedem Fall“, sagte ein Obstbauer aus dem südfranzösischen Departement Gard im französischen Fernsehen. Dennoch loben viele Landwirte die Verfügbarkeit neuer Leute und akzeptieren, dass sie mehr Zeit für das Anlernen aufwenden müssen.

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