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Junge Unternehmen bangen : Start-ups rennt die Zeit davon

Die Gründer des Start-ups Upreach sorgen sich um die Zukunft ihres Unternehmens. Bild: Upreach

Jungunternehmen haben in der Regel keine Sicherheiten für Kredite. Eine Umfrage zeigt, wie schlimm die Krise die Szene trifft.

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          Marius Hepp wirkt nicht wie ein Mensch, der leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Und doch sagt der 26 Jahre alte Gründer am Telefon: „Das Geld reicht noch für acht Wochen.“ Vor dreieinhalb Jahren hat er mit einigen Freunden, die er seit Kindergartenzeiten kennt, „Upreach“ gegründet. Das Start-up aus Berlin hat eine digitale Variante der altbekannten Fotoautomaten programmiert und leiht diese für Werbeaktionen an Unternehmen aus. Zum Muttertag konnten Kinder und Partner so zum Beispiel im Supermarkt eine Merci-Schokoladen-Schachtel mit ihrem Foto bedrucken lassen, um Mama ein persönliches Geschenk machen zu können.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben dem Merci-Produzenten Storck gehören auch Porsche, Bitburger und die Deutsche Bahn zu den Kunden. Zwei Millionen Euro Umsatz macht Upreach so inzwischen, 25 Mitarbeiter beschäftigt es. Das Unternehmen sei vom ersten Tag an nur aus seinen eigenen Umsätzen gewachsen und habe bislang keinen Cent fremdes Kapital gebraucht, sagt Hepp stolz – bis jetzt.

          „Ein Land, in dem weder der Einzelhandel geöffnet hat, noch Messen oder Veranstaltungen stattfinden, stellt uns vor existenzbedrohende Probleme“, sagt Hepp. Neukundengeschäft und Umsatz seien seit Beginn der Corona-Krise fast komplett auf Null gefallen. Den Großteil der Mitarbeiter hätten die Gründer in Kurzarbeit geschickt, doch die Arbeitsagentur brauche voraussichtlich zwei bis drei Monate, bevor sie Kurzarbeitergeld auszahle – und es sei nicht klar, ob ihre Liquidität bis dahin noch reiche. Deshalb könnte sogar ein Verkauf notwendig werden: „Es kann durchaus sein, dass wir uns am Ende mit einem größeren Partner zusammentun müssen.“

          Plötzlich fällt der Umsatz „von Hundert auf Null“

          Fälle wie den von Marius Hepp gibt es zur Zeit viele in Deutschland: Gründer, die eigentlich gesunden Jungunternehmen mit großem Potential vorstehen, aber von Corona kalt erwischt werden. Der Bundesverband der Start-ups stellte am Dienstag eine Umfrage vor, nach der 72 Prozent der Start-ups in Deutschland befürchten, durch die Krise schließen zu müssen.

          Besonders hart trifft die Krise den Tourismus-Sektor: Dort sieht sich mit 95,7 Prozent fast jedes Jungunternehmen in seiner Existenz gefährdet. „Ich mache das jetzt schon seit zehn Jahren und so ein Bild hat sich mir noch nie geboten“, sagt dazu Christian Miele, Investor und Präsident des Start-up-Verbands. „Wenn wir nicht schnell und substantiell handeln, dann werden die ersten Startups schon in wenigen Wochen in die Knie gehen.“

          Das fürchtet auch Arne Kronemeyer. Der Gründer hat mit seinem Start-up Aervideo aus Stuttgart eine Art großen Dart-Pfeil konstruiert, der eine Kamera tragen kann. Im Park oder mit Freunden kann man so Aufsehen erregende Videos drehen. „Das ist nur ein vollkommenes Outdoor-Produkt“, sagt er. „Und wir müssen ja jetzt ebenso wie alle anderen die Leute dazu aufrufen, zu Hause zu bleiben.“ Im März sei der Umsatz deshalb „von Hundert auf Null“ gefallen.

          Verband fordert Vier-Stufen-Plan

          Ein neues Produkt, dass Aervideo entwickeln wollte, ein geplanter Umzug, die Einstellung von Personal – das sei deshalb alles auf Eis gelegt worden. „Wir kommen noch so sechs bis sieben Monate hin“, sagt Kronemeyer der F.A.Z. „Aber das schaffen wir auch nur, weil wir alles andere streichen.“

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          Der Start-Up-Verband schlägt deshalb einen Vier-Stufen-Plan vor, um Jungunternehmen abhängig von ihrer Größe zu helfen. Start-ups in einer frühen Phase, die bislang kein Geld von Wagniskapital-Investoren erhalten haben, sollen zur Überbrückung des Liquiditätsengpasses als Darlehen direkte staatliche Fördermittel bekommen, die ohne Beteiligung von Geschäftsbanken direkt in Anspruch genommen werden können.

          Das sei notwendig, da diese kleinen Unternehmen aufgrund fehlender Sicherheiten für Kredite von Banken nicht infrage kämen und damit auch nicht von der in Aussicht gestellten Haftungsübernahme durch die staatliche KfW-Bank profitieren könnten.

          Für größere Start-ups, die schon Investoren an Bord haben, schlägt der Verband einen sogenannten „Matching-Fonds“ vor, aus dem staatliche Gelder fließen sollen, wenn auch die Investoren ihrerseits Kapital nachschießen. Investiert ein privater Geldgeber in ein Start-up, soll der Fonds noch einmal das vierfache als Wandeldarlehen oben drauf legen. Damit würde er 80 Prozent der Gesamtinvestitionen übernehmen – analog zu den KfW-Krediten, wie es beim Start-up-Verband heißt. „Es darf nicht nur staatliches Geld sein“, betont Miele. „Unser Ziel ist es, in allen Instrumenten so marktwirtschaftlich wie möglich vorzugehen.“

          Fremde Übernahmen sind eine große Gefahr

          Thomas Jarzombek (CDU), Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für digitale Wirtschaft und Start-ups, weist zudem auf die Hilfen für Kleinunternehmer und Selbständige hin, von denen kleinere Start-ups häufig auch profitieren könnten. Diese lägen zwischen 9000 und 15.000 Euro und müssten nicht zurückgezahlt werden. Jarzombek steht mit dem Verband für die Start-up-Hilfen in engem Kontakt und sprach deshalb am Dienstag zusammen mit den Verbandsvertretern in einer Video-Pressekonferenz.

          Er sprach noch eine andere Gefahr an: „Wir müssen auch verhindern, dass Start-ups jetzt von fremden Investoren zum Schnäppchenpreis aufgekauft werden“, sagt er. Zusammen mit dem Finanzministerium verkündete sein Haus am Dienstag, dass der Staat zusȁtzlich zu den bestehenden Programmen weitere zwei Milliarden Euro für Start-ups bereitstellen wolle. „Wir wollen, dass diese jungen, innovativen Unternehmen für unser Land erhalten bleiben“, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

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