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Corona-Krise : EU-Kommission genehmigt Staatshilfe für Condor

  • Aktualisiert am

Die Luftfahrt ist von der Pandemie besonders betroffen. Bild: dpa

Nothilfe gegen die Corona-Krise: Die Bundesregierung darf dem angeschlagenen Ferienflieger helfen. Und was bekommt die Lufthansa?

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          Die angeschlagene Ferienfluggesellschaft Condor bekommt neue Staatshilfen. Die EU-Kommission erteilte angesichts der Coronavirus-Pandemie am Montag die Genehmigung für ein Kreditprogramm der Bundesregierung in Höhe von insgesamt 550 Millionen Euro. Condor erhalte aus dem deutschen Corona-Schutzschild-Programm ein Darlehen über 294 Millionen Euro, wie wiederum das Unternehmen selbst mitteilte.  Der staatliche Überbrückungskredit, durch den Condor nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook im Herbst der Insolvenz entging, werde mit 256 Millionen Euro refinanziert. Neben dem Bund springt auch das Land Hessen der Fluggesellschaft bei.

          Wegen der Corona-Pandemie ist nicht nur der Luftverkehr in Europa weitgehend erlahmt. Auch die Übernahme von Condor durch die polnische LOT-Mutter PGL scheiterte,  weil diese jetzt selbst Staatshilfe benötigt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) begründete die weitere Unterstützung mit guten Aussichten für die Airline: „Das Unternehmen war in normalen Zeiten operativ gesund und profitabel und hat eine gute Zukunftsperspektive.“

          Ein staatliches Rettungspaket für die Deutsche Lufthansa wird unterdessen zum Thema auf höchster Ebene. Es zeichnet sich ein Termin von Vorstandschef Carsten Spohr mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und weiteren Kabinettsmitgliedern ab. Aus Regierungskreisen hieß es zwar, dass ein Spitzentreffen zum Anfang der neuen Woche nicht bestätigt werden könne.

          Hilfe in Frankreich schon auf dem Weg

          Doch Klärungsbedarf gibt es. In der Koalition besteht Uneinigkeit, ob der Staat im Gegenzug zu Milliardenhilfen Lufthansa-Aktionär werden soll. In Unionskreisen dominiert die Haltung, dass es besser für den Konzern sei, wenn der Staat nicht in unternehmerische Entscheidungen hineinredet. Aus der SPD kommen Forderungen nach diesen Mitsprachemöglichkeiten.

          In Berlin ist man daher bemüht, Erwartungen auf einen schnellen Abschluss der Rettungsgespräche zu dämpfen. Zudem steht eine Freigabe der EU-Kommission für den deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds, aus dem ein wesentlicher Teil der Lufthansa-Hilfen kommen soll, noch aus.

          Für den französisch-niederländischen Konkurrenten Air France-KLM ist das Rettungspaket indes mittlerweile festgezurrt. Auch dort fehlt die Genehmigung der EU-Kommission, doch am grünen Licht aus Brüssel hat man wenig Zweifel. Air France soll im Einzelnen von einem Konsortium aus sechs Banken einen Kredit von 4 Milliarden Euro erhalten. Das Darlehen mit einer Laufzeit von zwölf Monaten wird zu 90 Prozent staatlich garantiert.

          Darüber hinaus erhält Air France vom französischen Staat ein Darlehen über 3 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 4 Jahren. Beide Kredite können verlängert werden. Die niederländische Regierung wird nach eigenen Angaben Hilfen von 2 bis 4 Milliarden Euro an KLM vergeben. Die Gesamtunterstützung beläuft sich somit auf 9 bis 11 Milliarden Euro. Für Lufthansa geht es um bis zu 10 Milliarden Euro.

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