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Folgen der Corona-Krise : Commerzbank macht mehr Verlust als befürchtet

Die Commerzbank ist mit einem herben Verlust ins Jahr gestartet. Bild: dpa

Die Corona-Krise schlägt ins Kontor: Die Commerzbank muss im ersten Quartal 2020 vier Mal mehr für faule Kredite zurück legen als vor einem Jahr. Auf der Hauptversammlung will die Fondsgesellschaft Union Investment gegen einen Wahlvorschlag der Bundesregierung stimmen.

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          Die Commerzbank hat erstmals seit dem vierten Quartal 2014 wieder Verlust gemacht. Zwischen Januar und März fiel nach Steuern ein Fehlbetrag in Höhe von 295 Millionen Euro an, wie das Kreditinstitut am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Hauptgrund war die Vorsorge für faule Kredite, die mit 326 Millionen Euro negativ zu Buche schlug und sich damit im Vergleich zum Vorjahresquartal vervierfacht hat. Von dieser Risikovorsorge seien 185 Millionen Euro auf die Corona-Krise zurück zu führen, teilte die Bank mit.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke sagte am Mittwochmorgen in Frankfurt: „ Wir befinden uns in einer historischen Ausnahmesituation. Die Corona-Pandemie stellt die Welt und unser Wirtschaftssystem vor eine Belastungsprobe, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben.“ Banken komme jetzt eine Schlüsselrolle zu. Die Commerzbank habe Kunden schon 11 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung gestellt. Die Eigenkapitalauslastung der Commerzbank sank, gemessen an der Kernkapitalquote, im ersten Quartal nur leicht von 13,4 auf jetzt 13,2 Prozent. „Die Commerzbank ist gut aufgestellt, um die deutsche Wirtschaft mit voller Kraft zu unterstützen“, sagte Zielke.

          Allerdings dürften die Geschäftszahlen der Commerzbank an der Börse nicht begeistert aufgenommen werden. Denn Aktienanalysten hatten im Durschnitt damit gerechnet, dass die Commerzbank nicht 277 Millionen Euro, sondern nur einen operativen Verlust von 240 Millionen Euro im ersten Quartal 2020 eingefahren hat. Die Kreditrisikovorsorge hatten die Bankenkenner nicht auf 326 Millionen Euro, sondern auf 303 Millionen Euro geschätzt.

          Vor einem Jahr hatte die Commerzbank im ersten Quartal noch 244 Millionen Euro verdient und nur 78 Millionen Euro für ausfallgefährdete Kredite zurück legen müssen. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet die Commerzbank nun in ihrem am Mittwoch angepassten Ausblick einen Risikovorsorgebedarf zwischen 1 und 1,4 Milliarden Euro. Sie gibt sich auch mehr Spielraum bei der Kernkapitalquote. Diese soll bis 12,5 Prozent sinken dürfen, bisher hatte sich die Commerzbank vorgenommen, einen Wert von 12,75 Prozent nicht zu unterschreiten.

          Anleger fordern höhere Eigenkapitalrendite

          An diesem Mittwoch findet nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Morgen dann ab 12 Uhr auch die Hauptversammlung der Commerzbank statt – in diesem Jahr wegen der Corona-Krise nur im Internet. Dort sollen auch die beiden Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat neu gewählt werden. Anstelle von Anja Mikus und Markus Kerber will die Bundesregierung, die 15,6 Prozent der Commerzbank-Aktien hält, Jutta Dönges von der Deutschen Finanzagentur und Frank Czichowski von der staatlichen KfW-Bankengruppe entsenden. Aber einer diesen beiden Wahlvorschläge ist umstritten. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, kündigte gegenüber der F.A.Z. an, gegen die Wahl von Dönges zu stimmen – weil sie ihrer Meinung nach schon zu viele Aufsichtsratsmandate innehabe – etwa in der Deutschen Pfandbriefbank und in der FMS Wertmanagement.

          Auch andere Aktionäre werden Unmut äußern, etwa zur Dividende und zur Ertragslage. Auf Drängen der Bankenaufsicht fällt die vom Commerzbank-Vorstand geplante, von 20 auf 15 Cent je Aktie gekürzte Dividende bis mindestens Oktober aus. Aktionärsvertreter wie der Deka-Fondsmanager Andreas Thomae fordern vom Commerzbank-Vorstand stärkere Kostensenkungen, um eine höhere Eigenkapitalrendite als die vom Vorstand im September 2019 für 2023 genannten 4 Prozent zu erreichen. „Das bestehende Kostensparprogramm von 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2023 war schon unter normalen Umständen nicht ambitioniert genug", sagt Thomae und fordert nun in der Corona-Krise „zusätzliche Einschnitte“.

          Auch der Staat, der seit 2009 Aktionär ist und mit seinem Engagement in der Commerzbank derzeit mehr als 4 Milliarden Euro verloren hat, pocht auf eine höhere Eigenkapitalrendite. Die Indizien verdichten sich, dass es in den nächsten Monaten in der Commerzbank zu einem stärkeren Abbau von Personal und Filialen kommen wird. Im September 2019 hatte der Vorstand beschlossen, das Filialnetz um 200 auf 800 Zweigstellen auszudünnen und bis 2023 von zuletzt 40.400 Vollzeitarbeitsplätzen 2300 zu streichen – in den Augen vieler Aktionäre ist das zu wenig ehrgeizig.

          Am Montag war schon ein Pfeiler dieser im September als Commerzbank 5.0 beschlossenen Strategie weggefallen. Den  Verkauf der polnischen M-Bank, mit dem die Commerzbank einen Teil der Sanierungskosten gegenfinanzieren wollte, musste der Vorstand abblasen. Im April hatte die Rating-Agentur S&P der Commerzbank einen Schlag versetzt, als sie die Bonitätsnote auf „BBB+“ senkte. Die für den Vorstand bittere Begründung lautete: S&P zweifelt, dass die Commerzbank ihre Strategie umsetzen kann. Diese Zweifel hegt längst nicht nur die Ratingagentur. Daher trat Finanzchefin Bettina Orlopp den Zweifeln resolut entgegen: „Unsere starke Kapitalposition gibt uns den Spielraum, unsere Strategie „Commerzbank 5.0“ auch ohne den M-Bank-Verkauf umzusetzen und die dafür geplanten Investitionen zu tätigen.“ Die Aktionäre werden diese Worte allein nicht zufriedenstellen.

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