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Corona-Krise : Bosch stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein

Aus anderen Zeiten: Bosch bei der IAA in Frankfurt Bild: dpa

Um ein Fünftel könne die weltweite Autoproduktion zurückgehen, warnt der Stuttgarter Technologiekonzern. Bosch will deshalb sparen und die Kosten reduzieren.

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          Der Automobilzulieferer und Technologiekonzern Bosch ist wie andere in der Branche durch die Corona-Pandemie hart getroffen worden. Bosch habe „auf breiter Front“ die Produktion herunterfahren müssen. Insgesamt habe das nahezu 100 Werke auf der Welt betroffen. „Allein in Deutschland sind mehr als die Hälfte unserer Mitarbeiter mit reduzierter Arbeitszeit tätig“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner anlässlich der virtuellen Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Angesichts der erheblichen Unsicherheiten könne man für die Bosch-Gruppe keine Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr abgeben, ergänzte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. „Es bedarf größter Anstrengungen, um zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen“, sagte er.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Deshalb will der Stuttgarter Stiftungskonzern bei den Investitionen mit „größter Zurückhaltung agieren“ und die Kosten reduzieren, sagte der Finanzchef. „Dazu gehören unter anderem die derzeit laufenden Arbeitszeitverkürzungen an vielen europäischen Standorten – mit damit verbundenen Einkommenseinbußen der Beschäftigten“, ergänzte der Manager.  Auch die Führungskräfte leisteten dazu ihren Beitrag, beispielsweise über unbezahlten Urlaub.

          Ob es auch zum Abbau von Stellen kommen könnte, dazu gab es zunächst keine konkreten Informationen. Denner sagte lediglich: Schon der Strukturwandel, wie er vor Corona begonnen habe, fordere Verantwortung in besonderer Weise. „Wir müssen die betroffenen Geschäftsbereiche umbauen, alles andere wäre wirtschaftlich unverantwortlich. Aber wir wollen diesen Umbau sozial auffangen, zumindest aber abfedern“, sagte er, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Das bleibe, über die unabsehbaren Konsequenzen der Corona-Krise hinaus, die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.

          „Müssen uns auf eine tiefe weltweite Rezession einstellen“

          Bosch war schon vor Coronazeiten von einem „herausfordernden“ Geschäftsjahr 2020 ausgegangen, habe mit einer weiteren Abkühlung der Konjunktur und der Automobilproduktion gerechnet, sagte Asenkerschbaumer. Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Automobilbranche insgesamt im Umbruch befindet, durch den im größten Geschäftsbereich Mobility Solutions, also dem Geschäft mit der Automobilindustrie, „erhebliche“ Anpassungen und Vorleistungen notwendig werden, wie es Asenkerschbaumer ausdrückte.

          Der Bereich müsse sich auf die Zukunftsfelder Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder auch Künstliche Intelligenz umzustellen. Man habe daher schon zu Beginn des Jahres „ein umfassendes Programm zur Verbesserung der Kostenstrukturen und zur Absicherung unserer Liquidität aufgelegt. Es betrifft alle Bereiche und Funktionen weltweit“, betonte der Finanzchef, ohne jedoch Details zu nennen. Darüber soll mittelfristig wieder die operative Rendite (Ebit) von 7 Prozent erzielt werden. Im vergangenen Jahr, also noch ohne den Einfluss der Corona-Pandemie, lag die Marge bereinigt um positive Sondereffekte schon nur noch bei 3,5 Prozent bei einem Umsatz von knapp 78 Milliarden Euro.

          Im ersten Quartal ging der Umsatz um 7,3 Prozent, allein im März jedoch um 17 Prozent zurück. Dieses Bild zeigt sich ebenso in der Automobil-Sparte Mobility Solutions: Dort fielen die Einnahmen im ersten Quartal um 7,7 Prozent und im März um 19 Prozent. „Auch wenn in China die Produktion wieder hochgelaufen ist und sich die Industrie in Europa auf den Wiederanlauf vorbereitet, müssen wir uns für das Gesamtjahr 2020 auf eine tiefe weltweite Rezession einstellen“, sagte der Finanzchef. Bosch habe sich vor wenigen Tagen eine zusätzliche Kreditlinie über 3 Milliarden Euro gesichert. Diese Maßnahme diene der Vorsorge.

          Bosch rechnet damit, dass die Rezession erheblich stärker ausfallen wird als 2009 und die Automobilproduktion auf der Welt in diesem Jahr um rund 20 Prozent zurückgehen wird. Denner sagte, derzeit seien noch 63 Werke auf der Welt heruntergefahren, davon 22 in Europa, der Rest in Amerika und Asien. Derzeit plane man den synchronisierten Hochlauf. „In China ist uns dieser Ramp-up bereits gelungen, in Europa streben wir ihn für den nächsten Monat an“, sagte Denner. Darauf bereite man sich mit verschiedenen Szenarien vor.

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