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Dementi des Unternehmens : „Curevac hat kein Angebot von der US-Regierung erhalten“

Ein Mann geht hinter einem Labormantel mit dem Logo des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac vorbei. Bild: dpa

Der angebliche Griff von Donald Trump nach dem an einem Corona-Impfstoff forschenden Unternehmen sorgte für Schlagzeilen. Jetzt sorgt Curevac selbst dafür, dass man sich fragt, was an dieser Sache „Fake News“ sein könnte.

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          Zeigt der amerikanische Präsident Donald Trump sein wahres Gesicht, indem er der Devise „America First“ auch in der Corona-Pandemie folgt? Er habe sich mit sehr viel Geld Zugriff auf das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac sichern wollen, berichtete die „Welt am Sonntag“ und sorgte damit am Wochenende für große Aufregung und harschen Protest.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Hochrangige Politiker in Berlin bestätigten gegenüber verschiedenen Medien den Vorstoß von Trump. Indirekt wurden die Irritationen auch dadurch bekräftigt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag „Thema gelöst“ vermeldete: Die Bundesregierung habe sich „da ja sehr frühzeitig darum gekümmert“.

          Jetzt sorgt das betroffene Unternehmen dafür, dass man sich fragt, was an dieser Sache „Fake News“ sein könnte. „Um es noch einmal klar zu stellen: Curevac hat vor, während und seit dem Treffen der Task Force im Weißen Haus am 2.  März kein Angebot von der US-Regierung oder verwandten Stellen erhalten“, erklärte Curevac auf Twitter.

          In einer Telefonkonferenz mit internationalen Journalisten dementierte das Topmanagement am Dienstagnachmittag ausdrücklich, vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump oder aus dem Umfeld des Weißen Hauses ein Übernahmeangebot bekommen zu haben, „weder für die Technik, noch für das Unternehmen“. Es habe auch kein Angebot für exklusive Produktionskapazitäten für den amerikanischen Bedarf gegeben, betonte der kommissarische Curevac-Chef Franz Haas.

          Zwei Chefwechsel in einer Woche

          Ein Dementi dieser Art hat man am Sonntag nicht vernommen. Da meldete sich vielmehr nach vielen Stunden öffentlicher Aufregung abends Dietmar Hopp zu Wort, der Haupteigentümer von Curevac – und betonte, für ihn komme ein Exklusivvertrag mit einem einzigen Land nicht in Betracht. Das sei ein „proaktives Statement“ gewesen, mit dem Hopp auf verschiedene Nachrichten reagiert habe, die nach einer Einladung von Curevac zu einem Treffen im Weißen Haus aufgekommen seien, erklärte in der Telefonkonferenz auf Nachfrage Friedrich von Bohlen. Er sitzt für die Hopp-Gesellschaft Dievini im Curevac-Aufsichtsrat. Es habe sich nicht auf ein konkretes Angebot bezogen.

          Bemerkenswert ist, dass es innerhalb einer Woche zwei Wechsel an der Spitze von Curevac gegeben hat. Zum Treffen der Impfstoff-Experten am 2. März im Weißen Haus war noch Dan Manichelli als Curevac-Chef angereist. Am 11. März verbreitete das 20 Jahre alte Tübinger Biotech-Unternehmen, der Gründer Ingmar Hoerr werde nun wieder die Führung übernehmen. Als „Visionär und Wissenschaftler“ sei er dafür geeignet, hieß es in der Mitteilung. Von Bohlen betonte in der Telefonkonferenz nun noch einmal, das sei  „einvernehmlich“ gewesen, ein Begriff, den er in der ansonsten englischsprachig geführten Telefonkonferenz als einziges Wort ins Deutsche übersetzte.

          Curevac-Gründer Hoerr ist aber seit Montag schon nicht mehr Chef. „Aus gesundheitlichen Gründen“ werde der Posten nun kommissarisch und auf unbestimmte Zeit von seinem Stellvertreter Franz-Werner Haas übernommen, teilte Curevac am Montagabend mit. Das habe nichts mit Corona und auch nichts mit den Turbulenzen rund um die Gerüchte über amerikanische Einflussnahme zu tun, betonte von Bohlen. Er fügte hinzu, die Situation sei unerwartet, aber das Unternehmen sei stabil.

          Curevac hat unterdessen eine Zusage über 80 Millionen Euro an Fördermitteln von der EU-Kommission bekommen. Damit soll die bereits zertifizierte Produktionstechnik des Tübinger Unternehmens auf eine ausreichende Dimension ausgeweitet werden, um eine Milliarde Impfdosen herstellen zu können. Der Impfstoff selbst wird derzeit in Tierversuchen getestet, im Frühsommer sollen die ersten Tests mit Menschen folgen. „Ich hoffe sehr, dass wir so vor Herbst Impfstoffe auf dem Markt haben“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem am Dienstag über Twitter verbreiteten Video. Diese Impfstoffe könnten viele Leben in Europa und dem Rest der Welt retten.

          Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, und weitere Experten rechnen mit einem marktfähigen Impfstoff frühestens nächsten Frühling. Neben Curevac sind noch viele andere Unternehmen auf der Suche nach Impfstoffen und Medikamenten, darunter vor allem auch die Mainzer Biontech AG. „Es geht nicht um ein Rennen gegeneinander, sondern gegen das Virus“, erklärte von Bohlen in der Telefonkonferenz von Curevac. „Wir wollen unter den ersten sein. Aber vor allem wollen wir die besten sein.“ Die Curevac-Forscher sind der Überzeugung auf der Basis des menschlichen Botenstoffs mRNA ein besonders sparsam zu verwendendes und daher auch schonendes Mittel zur Vorbeugung gegen Covid-19 entwickeln zu können. 

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