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Wasser marsch! : Po-Dusche statt Klopapier

  • -Aktualisiert am

Happy-Po-Geschäftsführer Frank Schmischke und Oliver Elsoud Bild: Happy Po

In Zeiten der Knappheit sind Alternativen gefragt: Happy Po stellt Po-Duschen her und kann sich vor Anfragen kaum retten. Der Gründer findet: „Wir nehmen den Leuten die Angst weg, denn Klopapier ist nicht alles.“

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          Klopapier ist derzeit sehr begehrt und vielerorts schwer zu bekommen. Davon profitiert die Happy Po Products GmbH aus Berlin, sie verkauft Po-Duschen. „Gerade ist sehr viel los“, sagt der Gründer Oliver Elsoud. In den vergangenen Wochen habe sich der Umsatz verdoppelt. Vorher lagen die Verkaufszahlen im niedrigen vierstelligen Bereich, nun liegen sie im höheren vierstelligen Bereich.

          Wegen des Coronavirus und der Hamsterkäufe ist Klopapier oft ausverkauft. „Wir nehmen den Leuten die Angst weg, denn Klopapier ist nicht alles. Es muss ja kein Krieg ausbrechen, weil es kein Klopapier gibt“, sagt Elsoud. 2019 habe man einen siebenstelligen Umsatz erwirtschaftet. „Für 2020 streben wir an, den achtstelligen Umsatz zu knacken.“

          Elsoud hat das Unternehmen 2015 gegründet. Die Produktidee kam ihm, als er auf Geschäftsreise war und bemerkte, dass sich die meisten Menschen den Po mit Wasser säuberten. „Dann kommst du wieder zurück nach Deutschland und benutzt Klopapier und fühlst dich wie in der Steinzeit, weil es halt nicht sauber macht.“

          Viele Bestellungen nach „Höhle der Löwen“

          2016 kam ein zweiter Geschäftsführer dazu. „2017 waren wir dann bei ,Die Höhle der Löwen‘. In der Sendung hatten wir nur einen Prototypen“, erzählt der Gründer. Danach hatte man noch nicht genügend Produkte. „Die Kunden haben bestellt wie verrückt, mussten aber bis zu sechs Monate auf ihre Produkte warten.“ In der Sendung konnten sie Dagmar Wöhrl als Investorin gewinnen.

          Das Unternehmen verkauft verschiedene Produkte. „Wir haben die Po-Dusche, um den Po richtig sauber zu machen. Außerdem haben wir noch einen Kinderhocker.“ Das normale Set mit einer Po-Dusche und einem Transportbeutel kostet 19,95 Euro. Sets mit bis zu drei Po-Duschen und zusätzlichen Duschköpfen kosten bis zu 49,99 Euro. Das Produkt ist simpel aufgebaut und einfach anzuwenden. Zuerst füllt man den Wasserbehälter mit Wasser, auf ihn steckt man den Duschkopf. Nach dem „Geschäft“ duscht man den Hintern von hinten oder vorne und muss ihn noch kurz abtrocknen.

          Die Produktion finde in Fernost statt. Man verkaufe in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich und seit neuestem auch in den Niederlanden, Norwegen und Finnland. „Wir sind in jedem Unverpackt-Laden in Deutschland, in jedem DM in Deutschland und Österreich und auf Amazon.“ Derzeit seien auf den meisten Vertriebskanälen jedoch viele Regale leer. „Online sind auch schon einige Farben ausverkauft, und jetzt müssen wir nachliefern. Die Leute sind jedoch entspannter und haben keine Angst mehr“, sagt Elsoud.

          Man habe rund 500.000 Nutzer. Konkurrenten seien Hersteller von Dusch-WCs und Toilettenfeuchttüchern. „Wir sind auf vielen Messen, auf jeder Hebammenmesse, und reden sehr viel mit unterschiedlichen Ärzten“, sagt Elsoud. „Jeder, der aufs Klo geht, ist ein potentieller Kunde.“ Das Ziel sei, einen Großteil der deutschen Haushalte auszustatten. „Ich hoffe, dass wir in weiteren Drogerien stark vertreten sein werden, dass überall, wo Klopapier zu kaufen ist, auch Happy Po ist.“

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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