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1000 Euro : Französische Supermärkte zahlen Sonderprämien an die Mitarbeiter

Kunden warten vor einem Supermarkt der Kette Carrefour in Paris. Bild: EPA

Nach dem Vorreiter Auchan zieht die Konkurrenz nach. Eine Gewerkschaft meldet indes den ersten Todesfall in der Einzelhandelsbranche. Sie hält die Prämien für unverantwortlich, weil die Ansteckungsrisiken zu hoch seien.

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          Immer mehr Supermarktketten belohnen in Frankreich ihre Beschäftigten dafür, dass sie zur Arbeit erscheinen. Nachdem der familieneigene Anbieter Auchan – einer der größten Einzelhändler Frankreichs – mit einer einmaligen Sonderprämie von 1000 Euro für jeden seiner 65.000 Mitarbeiter am Wochenende vorgeprescht war, zogen die Konkurrenten am Sonntag und Montag nach: Auch der französische Konzern Carrefour, einer der größten Anbieter der Welt, will seinen Beschäftigten Sondervergütungen zukommen lassen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Wir überweisen ihnen eine Prämie von 1000 Euro netto als Anerkennung für ihren vorbildlichen Einsatz in den Geschäften, in den Lagern und im Online-Geschäft“, kündigte der Carrefour-Vorstandsvorsitzende Alexandre Bompard in einem Fernsehinterview an. Bei der Supermarktkette Intermarché, die nur ein Verband selbstständiger Geschäfte ist, kam es zu einem Aufruf zur Prämienzahlung.

          „Wir laden die Geschäftsleiter der Ketten Intermarché und Netto dazu ein, für die Beschäftigten nicht nur die nötigen sanitären Vorkehrungen in den Geschäften zu treffen, sondern sie auch finanziell mit einer Sonderzahlung zu honorieren“, hieß es in einer Mitteilung.

          Hamsterkäufe sorgen für Ansturm auf Geschäfte

          Die französische Regierung fördert die Sonderprämien, indem sie diese steuerfrei stellt. Wer wegen der Ansteckungsrisiken „mit einem mulmigen Gefühl im Magen“ zur Arbeit gehe, müsse dafür auch eine finanzielle Anerkennung erhalten, hatte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire gesagt.

          Trotz der Sicherheitsmaßnahmen kam es nach Angaben der Gewerkschaft CGT zu einem ersten Todesfall im Einzelhandel. Ein 45 Jahre alter Sicherheitsmann aus Aulnay-sous-Bois, einer Vorstadt im Norden von Paris, sei dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Es sei unverantwortlich, die Mitarbeiter mit Prämien an den Arbeitsplatz zu locken, weil dort ein gefahrenfreies Arbeiten nicht garantiert sei, teilte die Gewerkschaft mit.

          Die Supermärkte sind in der Coronavirus-Krise vor große Herausforderungen gestellt. In vielen Märkten wurden an den Kassen Plexiglasscheiben errichtet, um das Personal zu schützen. Zudem muss der Einlass so organisiert sein, dass sich nicht zu viele Kunden gleichzeitig in den Verkaufsräumen aufhalten. Die Hamsterkäufe führen zu einem großen Ansturm: Am Sonntag, 15. März, verkauften die französischen Supermärkte gut doppelt so viel wie am gleichen Wochenende vor einem Jahr. Das Online-Geschäft mit Lieferung nachhause stieg um 90 Prozent.

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