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Folgen der Corona-Pandemie : Adidas und Puma setzen Mietzahlungen aus

Die Geschäfte haben wegen der Pandemie vielerorts geschlossen. Bild: Reuters

Der Stillstand im Handel trifft die Ladenvermieter. Nicht nur in Deutschland.

          2 Min.

          Seit zwei Wochen sind die meisten Türen im Einzelhandel verschlossen. Das bekommen nun die gewerblichen Vermieter zu spüren. Die Sportartikelhersteller Adidas und Puma, der Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) und die Schuhhandelskette Deichmann haben angekündigt, die Mietüberweisungen zu stoppen.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Adidas werde vorsorglich temporär die Zahlungen dort aussetzen, wo die eigenen Geschäfte geschlossen seien, sagte eine Unternehmenssprecherin. Das sind viele. Adidas und die Schwestermarke Reebok betreiben weltweit 2500 eigene Läden. Wegen der behördlichen Auflagen sind diese in Europa, Nord- und Lateinamerika, in vielen Schwellenmärkten, in Australien und Neuseeland geschlossen.

          Man sei in Gesprächen mit den Vermietern. Es gebe unterschiedliche Vorgehensweisen, von Zahlungsstopp, über Aufschub bis hin zu Teilzahlungen. Es entbehrt nicht einer Ironie, dass diese Vorgehensweisen nicht für China gelten, von wo die Corona-Pandemie ausgegangen ist. Dort sind die 12.000 Läden der Adidas-Partner und die 500 eigenen Läden wieder geöffnet.

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          Die Drei-Streifen-Marke reagiert mit Kosteneinschnitten auf die Folgen der Krise, deren Dauer noch nicht absehbar ist. Adidas verhandelt derzeit auch mit den Betriebsräten über Kurzarbeit. Der Vorstand hat am Freitag angekündigt, vorübergehend die Hälfte seiner monatlichen Vergütung aufzuschieben.

          In gleicher Weise handelt Puma, die in Deutschland 24 eigene Läden betreibt. „Ab April werden wir die Mietzahlungen vorerst aussetzen; wir werden im Gespräch mit unseren Vermietern in Deutschland versuchen, eine tragfähige Lösung zu finden, wie wir diese für uns alle schwierige Situation meistern können“, heißt es auf Anfrage. Durch die seit Mitte März behördlich angeordneten Schließungen sei der stationäre Handel völlig zum Erliegen gekommen. Dabei ist für Puma noch nicht absehbar, wann der Betrieb überhaupt wieder aufgenommen werden kann.

          Der größte europäische Schuhhändler Deichmann hat die Vermieter seiner rund 1200 Geschäfte unterrichtet, ebenfalls ab April als präventive Maßnahme die Miet- und Nebenkostenzahlungen vorübergehend einzustellen. So solle die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit sichergestellt werden, obwohl das Unternehmen gesund sei. Derzeit gibt es Betriebsferien, von April an dann Kurzarbeit. Auch Hennes&Mauritz kündigte als mächtige Textilhandelskette den Mietenstopp für seine 460 geschlossenen Geschäfte in Deutschland an und handelt in anderen Ländern ähnlich.

          Ende vergangener Woche hatten in einem gemeinsamen Appell Dachverbände aus Handel, Handwerk und Immobilienwirtschaft von der Politik gefordert, dass Krisenfonds auch auf die „Probleme gewerblicher Immobilien“ ausgerichtet sein sollten. „Über Nacht sinken Umsätze auf Null, monatliche Ausgaben für Personal, Mieten und Unterhaltung in vier-, fünf- oder sogar sechsstelliger Höhe laufen aber kaum gebremst weiter“, schrieben der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Städtebund, der Handelsverband HDE, der Eigentümerverband Haus und Grund, der Verband kommunaler Unternehmen, der Zentralverband des Handwerks und der Immobilienverband ZIA. Insolvente Unternehmen würden schlagartig als Mieter ausfallen. Es brauche individuelle Lösungen „zum dauerhaften Erhalt der Mietverhältnisse“.

          Mancher Vermieter kommt bedrängten Firmen indes von selbst entgegen: „Ingka Centres“ hat angekündigt, auf alle Mietzahlungen zu verzichten. Ingka Centres ist die Immobiliengesellschaft des schwedischen Möbelkonzerns Ikea und zählt zu den größten Betreibern von Einkaufszentren auf der Welt. Ihr gehören 45 Immobilien in 15 Ländern. In Deutschland zählt etwa das „Luv Shopping“ in Lübeck dazu. Mit der Aussetzung der Mietkosten sollen die Auswirkungen der Krise gemildert werden.

          „Wir sind der Ansicht, dass uns hier gemeinsam eine Verantwortung trifft“, ließ der Großvermieter wissen. Die Stundung betrifft neben der Miete auch die Nebenkostenpauschale und gilt solange, bis die offiziell angeordnete Schließung wieder aufgehoben ist.

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