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Appell an „Party-Käufer“ : „Bleibt einfach zuhause und helft mit, diese schwere Zeit zu überstehen“

Ein Hieber-Sipermarkt in Rheinfelden Bild: dpa

Ein Einzelhändler aus Südbaden postet seinen Frust über die „Party-Jugendlichen“ auf Facebook. Dass er ihn an die „Fridays for Future-Generation“ adressiert, kommt allerdings nicht gut an.

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          Partylaune kann aggressiv machen – vor allem, wenn soziale Distanz angesagt ist, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Die Wut über die Ignoranz vor allem junger Leute, die ihre Frühlingsgefühle ausleben wollen, hat der Lörracher Einzelhändler Dieter Hieber in einen Facebook-Post gepackt. „Ihr wollt Verantwortung und Mitbestimmung? Dann bleibt einfach zuhause und helft mit, diese schwere Zeit zu überstehen“, schreibt Hieber an die jungen Leute. Gruppenweise kämen sie in seine Edeka-Märkte in Lörrach und Umgebung, um sich für kleine Privatpartys einzudecken, schreibt Hieber.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Kaufmann regt sich nicht nur auf, sondern kündigt auch Konsequenzen an. „Wir werden bei uns in den Märkten an Jugendliche, die nur Party-Utensilien kaufen wollen, wie Redbull, Alkohol, Chips und Co. nichts mehr verkaufen“, schreibt Hieber: „Jetzt gilt es die Lebensmittelversorgung für die nächsten Wochen aufrecht zu halten und nicht für Euren FUN zu sorgen.“

          „Keine Waren mehr an Party-People“

          Die Anspruchshaltung der jungen Kundschaft stellt der Einzelhändler in Kontrast zur Realität in den Supermärkten dieser Tage: „Unsere Mitarbeiter gehen jeden Tag ein Risiko ein und machen Überstunden ohne Ende. Das machen sie gerne und sie wissen, wie wichtig dies für die nächsten Wochen ist. Aber wir werden keine Waren mehr an Party-People verkaufen“, heißt es in dem Post. Hieber hofft, dass auch andere Kollegen der unvernünftigen Kundschaft Grenzen zeigt: „Ich hoffe, die anderen Lebensmittel-Geschäfte schließen sich mir an.“

          Der Post ging viral und ist nun auf vielen anderen Facebook-Seiten zu lesen, bei Hieber selbst allerdings nicht mehr. Auch für telefonische Rückfragen ist der rührige Einzelhändler, der sich mit außergewöhnlichen Aktionen weit über die Heimatregion im Dreiländereck Südbaden-Schweiz-Elsaß schon viel Aufmerksamkeit verschafft hat, zunächst nicht zu erreichen. Im Internet ist allerdings nachzuverfolgen, dass die Resonanz auf seinen emotionsgeladenen Post ziemlich heftig gewesen sein muss.

          Vor allem ist wohl übel aufgestoßen, dass Hieber sich im ursprünglichen Text an die „Fridays for Future-Generation“ gerichtet hat, ganz als seien das die gleichen Personen, die von sozialer Distanz noch nichts gehört haben, sondern Corona ignorierend Partys feiern. Entsprechend entrüstet melden sich die Angesprochenen zu Wort, mit der Bitte „nicht ständig auf uns herumzuhacken“, und nicht Menschen verantwortlich zu machen, die nichts für die Situation können. „Das Problem sind nicht die Kinder, Jugendlichen und Eltern, die auf die Straße gehen um ihre Meinung zu sagen, sondern die, die es nicht tun. Es sind die, die den Ernst der Lage nicht begreifen, egal auf welche Situation bezogen.“

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