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Corona-Alltag in den Betrieben : „Iss niemals allein“

In der Produktion von Beiersdorf wurden Abstandsregeln eingeführt. Durch die unverminderte Nachfrage nach Kosmetik hat sich sonst wenig geändert. Bild: dpa

Kochkurse für Mitarbeiter, zeitversetzt arbeitende Teams: Mit verschiedenen Mitteln haben Unternehmen wie SAP, Trumpf und Volkswagen auf die Krise reagiert. Doch eine Prognose zeigt: Der Ausnahmezustand bleibt, normal ist noch nichts.

          7 Min.

          In den VW-Werken im sächsischen Zwickau und im slowakischen Bratislava laufen die Vorbereitungen auf den Produktionsbeginn auf Hochtouren. In diesen beiden Werken will Volkswagen nach der gut fünfwöchigen Pause seine Produktion schon von nächster Woche an als Erstes wieder hochfahren. Das Ende des Stillstands in Zwickau hat für die Marke VW eine ganz besondere Bedeutung. Bei VW Sachsen baut die Marke ihr erstes reines Elektromodell, den ID 3. Das mit großem Aufwand angekündigte Elektroauto soll von Sommer an an europäische Kunden ausgeliefert werden und ist Kernstück der Strategie von VW-Chef Herbert Diess bei der Wende zur Elektromobilität.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Nach Zwickau und Bratislava sollen die anderen Werke Schritt für Schritt folgen: In der Woche vom 27. April an beginnt der Wiederanlauf der Produktion in den anderen deutschen VW-Werken und in Spanien, Portugal, Russland und den Vereinigten Staaten. Die Fabriken in Südamerika und Südafrika sollen im Laufe des Mai folgen. Der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter wird dabei nach Angaben von VW-Markenproduktionsvorstand Andreas Tostmann großgeschrieben. „Mit einem 100-Punkte-Plan sorgen wir für sichere Arbeitsplätze und maximalen Gesundheitsschutz“, sagt er.

          Ganz genau 100 Punkte sind es zwar nicht, aber fast. Damit – so VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh – werde das Infektionsrisiko der Beschäftigten von Volkswagen so gering wie möglich gehalten. Osterloh sprach sogar von einem „Standard in der Industrie“, den VW damit in der Corona-Krise setze. Die Maßnahmen reichen vom Maskentragen als Pflicht, wenn ein Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, über Handschuhe, die das Unternehmen zur Verfügung stellt, bis hin zur Aufforderung an die Mitarbeiter, regelmäßig die Körpertemperatur zu messen.

          Wie wichtig der Neustart für Volkswagen ist, zeigte eine Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstagnachmittag. Der Umsatz ging demnach im ersten Quartal von etwas mehr als 60 Milliarden Euro im ersten Quartal 2019 auf rund 55 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis brach sogar von rund 4 Milliarden Euro auf rund 900 Millionen Euro ein. Für den Gewinneinbruch sind allerdings neben der Nachfrage-Krise auch Turbulenzen an den Kapital- und Rohstoffmärkten verantwortlich. Eine Jahresprognose sei wegen der Krise nicht möglich. „Die durch die Pandemie hervorgerufenen Auswirkungen auf die Kundennachfrage, Lieferketten und Produktion sind aktuell nicht verlässlich einschätzbar“, hieß es in der Mitteilung.

          Kein Nachfrageeinbruch bei Beiersdorf

          Manche Unternehmen und Branchen waren allerdings auch in den vergangenen Wochen nicht von Produktionsstopps betroffen und können jetzt als Vorlage dafür dienen, wie Sicherheit und Gesundheitsschutz im laufenden Betrieb gewährleistet werden können. Dazu gehört etwa der Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg, dessen Vertriebskanäle – etwa Drogerien und Supermärkte – in den meisten Ländern stets offen waren. Zudem ist das Unternehmen an einigen Standorten zusätzlich in die Produktion von Desinfektionsmitteln eingestiegen.

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