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Continental : Schaeffler verliert Kontrolle

Die Causa Conti und Schaeffler ist keine runde Sache Bild: dpa

In der Übernahme des Autozulieferers Continental scheinen die Franken die Kontrolle zu verlieren. Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg kämpfen verzweifelt darum, ihren Einfluss zu wahren. Jetzt aber darf Schaeffler noch nicht einmal die Führung im Aufsichtsrat von Conti übernehmen.

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          Der Fahrplan stand eigentlich fest. Die Aufsichtsratssitzung der Continental AG an diesem Freitag sollte mit einem Rücktritt beginnen. Noch vor dem Einstieg in die normale Tagesordnung wollte der langjährige Chefaufseher Hubertus von Grünberg, so hatte es der Aufsichtsrat auf Druck der Schaeffler-Gruppe Ende Januar beschlossen, den Vorsitz abgeben.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Anschließend wollten die Aufseher einen neuen Vorsitzenden wählen, nämlich Rolf Koerfer. Doch daraus wird nichts. Denn der Jurist und wichtigste Berater des Conti-Großaktionärs Schaeffler darf gar nicht an der Sitzung teilnehmen. Koerfer ist zwar Anfang Februar zusammen mit Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg sowie dem Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger vom Amtsgericht Hannover in den Aufsichtsrat bestellt worden. Doch das Landgericht Hannover hält diese Bestellung vorerst für unwirksam.

          Keine gute Unternehmensführung

          Damit folgen die Richter einer Beschwerde von Christian Strenger. Strenger ist Aufsichtsrat der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS sowie Mitglied in der Regierungskommission Corporate Governance, die sich mit den Regeln für eine gute Unternehmensführung befasst. Im Gespräch mit der F.A.Z. legt er allerdings Wert auf die Feststellung, dass er seine Beschwerde allein aus seiner Rolle als privater Conti-Aktionär heraus angestrengt habe. Strenger wirft Koerfer vor, zu stark auf das Wohl von Schaeffler bedacht zu sein. Gerade vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Lage der Schaeffler-Gruppe sei Koerfer nicht in der Lage, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden ausschließlich im Interesse der Continental AG auszuüben.

          Bis zum 10. März sollen die übrigen Aufsichtsratsmitglieder nun Stellung nehmen zu dem Vorgang. Danach trifft das Landgericht seine Entscheidung. Juristen glauben nicht, dass diese am Ende zu Lasten von Koerfer ausfällt. Auch die Schaeffler-Gruppe geht fest davon aus, dass der Einzug ihres Beraters in den Aufsichtsrat rechtens ist. Daher hält sie an seiner Nominierung fest.

          Äußerst kritisch

          Gleichgültig, ob die Richter im Sinne der Schaefflers entscheiden: Dass Koerfer den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, ist längst nicht mehr sicher. Denn die Stimmung im Conti-Aufsichtsrat hat sich inzwischen gedreht. „Als Vertreter der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat sehe ich die Wahl von Herrn Koerfer zum Aufsichtsratsvorsitzenden äußerst kritisch“, sagte Thorsten Reese vor mehr als 200 Führungskräften in Hannover. Seit Januar habe sich die Lage grundlegend verändert, sagte Reese mit Blick auf den drohenden Kontroll- und Mehrheitsverlust der Familie Schaeffler in ihrem eigenem Unternehmen und den enormen Kapitalbedarf der Schaeffler-Gruppe.

          Im Januar hatten die Schaefflers den Conti-Aufsichtsräten noch versichert, dass ihr Unternehmen wirtschaftlich und finanziell in einer stabilen Lage sei. Jetzt fürchten die Aufsichtsräte offenbar, dass Conti von der um ihr Überleben ringenden Schaeffler-Gruppe mit in den Abgrund gezogen werden könnte. „Auf die Wahl eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden sollte mindestens so lange verzichtet werden, bis ein belastbares Konzept der Schaeffler-Gruppe vorliegt und die Aufsichtsratsmitglieder beider Bänke die Gelegenheit bekommen haben, die sich daraus ableitenden Konsequenzen für die Continental AG zu analysieren“, sagte Reese.

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