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Zusammenarbeit mit Sennheiser : Continental macht die Heckablage zur Bassbox

Der Dax-Konzern aus Hannover steckt wegen der Umbrüche in der Autobranche gerade mitten im Umbau. Bild: Reuters

Dachauskleidung oder Heckablage statt Lautsprecher. Continental hat mit Sennheiser eine Musikanlage entwickelt, die für den richtigen Sound im Auto sorgen soll.

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          Die Musikanlage nimmt in der Autotechnik eine Menge Raum ein. Manche Tuner schrauben Subwoofer in ihren Wagen, die einen Großteil des Kofferraums füllen und das Vehikel mit jedem Bassschlag erzittern lassen. Aber auch in normalen Fahrzeugen wiegt das System mit Lautsprechern, Kabeln und dem eigentlichen Radio, der „Head Unit“, bis zu 40 Kilogramm. Der Autozulieferer Continental aus Hannover und der Audiospezialist Sennheiser aus der Wedemark in Niedersachsen bringen jetzt eine Technologie auf den Markt, die das ändern soll. Sie kommt ganz ohne Lautsprecher aus und soll Gewicht und Bauraum der Sound-Anlage um 75 bis 90 Prozent verringern.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Um das zu erreichen, nimmt das System, das die beiden Unternehmen in dieser Woche auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorstellen, die Technik klassischer Saiteninstrumente zum Vorbild. Wie ein Holzkörper, der in Geige oder Cello den Resonanzraum bildet, werden Oberflächen im Auto von Aktuatoren in Schwingung versetzt. Dachauskleidung oder Heckablage erzeugen auf diese Weise zum Beispiel tiefe Frequenzen. Die Türverkleidung steuert die Mitten bei, die Verkleidung der A-Säule links und rechts der Frontscheibe die Höhen. So entstehe „Musikgenuss im Fahrzeug wie aus dem Nichts“, sagt Helmut Matschi, der im Conti-Vorstand für die frühere Sparte Interior zuständig ist, die seit kurzem „Vehicle Networking and Information“ heißt. Von 2022 an könne die Technik in Serie gehen.

          Mit der Neuheit zielen Conti und Sennheiser auf das wachsende Geschäft mit hochwertigen Marken-Sound-Systemen im Auto ab, in dem unter anderem bekannte Hersteller wie Bose aus Amerika oder Bang & Olufsen aus Dänemark aktiv sind. Im Rückenwind einer wachsenden Nachfrage nach höherwertigen Infotainment-Systemen, sowohl in Premium-, als auch in Mittelklassewagen, dürfte der globale Markt für solche Angebote bis zum Jahr 2025 ein Volumen von 3,4 Milliarden Euro erreichen, rechnet Conti vor. Das entspreche einem Anstieg um ein Viertel.

          Nicht teurer als konventionelle Musikanlagen

          Auch das Geschäft mit Sound-Systemen, die eingebaut werden, ohne dass eine besondere Marke auf dem Radio oder den Boxen prangt, gilt als attraktives Feld mit einem Volumen von etwa 1,9 Milliarden Euro. Solche „No Name“-Systeme könne Conti mit der zugrundeliegenden Technik ebenfalls liefern, heißt es. Das geringere Gewicht sei besonders für die Produktion von Elektroautos interessant, in denen jedes eingesparte Kilo und jeder Kubikzentimeter Bauraum relevant sei. In puncto Klangqualität müssten die Kunden keine Abstriche machen. In einer Mitteilung versprechen die Partner „höchste Audioqualität“. Die Sennheiser Electronic GmbH & Co. KG, die besonders für ihre Kopfhörer bekannt ist, hatte schon im August angekündigt, mit ihren Technologien erstmals in den Markt für Audiosysteme im Auto einsteigen zu wollen. Dafür hatten die Niedersachsen im ersten Schritt ein eigenes System in einen Wagen des kalifornischen Luxus-Autoherstellers Karma eingebaut, die sogenannte Ambeo-Technik.

          Diese Anwendung, die Sennheiser auch in anderen Neuheiten verwendet, ermöglicht dreidimensionalen Klang und wandelt herkömmliche Stereo-Aufnahmen mit speziellen Algorithmen in Sound um, der sonst nur mit aufwendigeren Aufnahmeverfahren, sogenannten 9.1-Aufnahmen, möglich ist. So werde der Hörer „mitten in die Musik versetzt“, sagt Daniel Sennheiser, einer der zwei Geschäftsführer des Familienunternehmens.

          Die zugrundeliegende Software und weitere Technologien bringt Sennheiser auch in die Kooperation mit Conti ein. Der Autozulieferer steuert das physische System namens Ac2ated Sound bei, an dem eigene Ingenieure lange gefeilt hatten. Einen Abnehmer, der die Technik in Serie bringen will, haben die Partner offenbar noch nicht. Sie geben sich aber zuversichtlich, schnell Kunden zu finden. „Wir stehen derzeit in Kontakt mit verschiedenen Fahrzeugherstellern und bekommen gerade aus dem Premiumbereich und von Herstellern von Elektrofahrzeugen sehr positives Feedback“, sagt ein Sprecher von Conti.

          Für die Hersteller sei das System grundsätzlich nicht teurer als konventionelle Musikanlagen im Auto. Der Dax-Konzern aus Hannover, der wegen der Umbrüche in der Autobranche gerade mitten im Umbau steckt, liefert Technologie für alle Teile der Fahrzeugproduktion und hat zuletzt 44,4 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Er beschäftigt 244000 Mitarbeiter. Sennheiser hat zuletzt 711 Millionen Euro Umsatz erzielt und beschäftigt mehr als 2700 Mitarbeiter.

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