https://www.faz.net/-gqe-9xh00

Reaktion auf die Coronakrise : Conti und Daimler verschieben Hauptversammlungen

Für Ola Källenius wäre es die erste Hauptversammlung als Daimler-Chef gewesen. Bild: dpa

Nach langen Spekulationen wird eine Hauptversammlung nach der nächsten verschoben. Die Telekom hingegen hält am Aktionärstreffen fest – vorerst.

          2 Min.

          Nach langen Spekulationen über die Folgen des Coronavirus für die diesjährigen Hauptversammlungen sehen sich die ersten Dax-Konzerne zu einer Absage gezwungen. So teilte Daimler am Freitag mit, das Aktionärstreffen in Berlin mit mehreren Tausend Teilnehmern vom 1. April auf Juli zu verschieben. Es wäre die erste Hauptversammlung mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius gewesen, und das in schwierigen Zeiten. Daher musste Daimler sogar mit eher überdurchschnittlich großem Interesse rechnen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Auch der Autozulieferer Continental aus Hannover kündigte an, sein für den 30. April vorgesehenes Aktionärstreffen umzulegen. Damit unterstütze Conti das Bestreben der Behörden, „die Ausbreitung der Coronavirus-Infektionen einzudämmen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart. Ein neuer Termin steht noch nicht fest, doch will Conti das Treffen innerhalb der gesetzlichen Frist von acht Monaten nach Beginn des Geschäftsjahres nachholen.

          In Niedersachsen, dem Sitz von Conti, hatte das Gesundheitsministerium in dieser Woche Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt. Die Deutsche Telekom hält vorläufig an ihrem für den 26.März geplanten Termin fest, appelliert aber an ihre Aktionäre, zu Hause zu bleiben und die Hauptversammlung im Internet zu verfolgen. „Wir bitten sie daher eindringlich, auf eine Teilnahme vor Ort zu verzichten. Dies gilt insbesondere bei krankheits- oder altersbedingten Einschränkungen“, heißt es in einem Schreiben an die Aktionäre. Die Führung der Telekom schließt darin nicht aus, dass das Treffen je nach Entwicklung doch noch abgesagt werden kann.

          Auf eigenes Risiko

          Für die Aktionäre von Conti hat die Verschiebung konkrete Folgen. Die vorgeschlagene Dividende von 4 Euro für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2019 kann erst später fließen, weil dafür ein Beschluss der Hauptversammlung nötig ist. Auch die Pläne des Managements, die Antriebssparte Vitesco durch einen sogenannten Spin-off abzuspalten, sind betroffen, da die Anteilseigner diesem Schritt ebenfalls zustimmen müssen. Zuletzt hatte Conti betont, die Abspaltung wie geplant in der zweiten Jahreshälfte umsetzen zu wollen. Im Umfeld des Konzerns heißt es, das sei immer noch möglich. Gleichzeitig gibt sich das Management aber mehr Spielraum und spricht jetzt nur noch davon, Vitesco „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ abzuspalten. An den Finanzmärkten hatte Zweifel gegeben, wie der seit Monaten diskutierte Spin-off im derzeitigen Umfeld funktionieren soll.

          In seiner Mitteilung regt der Konzern an, zu prüfen, ob Hauptversammlungen in Zukunft virtuell stattfinden können. „In Zeiten zunehmender Digitalisierung wäre es aus unserer Sicht nur konsequent, Hauptversammlungen ins Netz zu verlagern“, sagte Degenhart Digitale Aktionärstreffen sind aktuell nicht völlig ausgeschlossen, doch müssen Anteilseigner weiter die Möglichkeit haben, vor Ort an Präsenztreffen teilnehmen zu können. Als Schwierigkeit gilt zudem, das den Aktionären zustehende Frage- und Rederecht im Netz zu gewährleisten. Ausschließlich digitale Treffen gelten daher bisher allenfalls theoretisch als Option.

          Die Deutsche Telekom will auf ihrer Hauptversammlung auf das sonst übliche Rahmenprogramm mit Präsentationen und Kundenberatungen verzichten, Redezeiten begrenzen und die Verpflegung auf ein Mindestmaß beschränken. Eine Sprecherin zeigte sich optimistisch, dass es gelingen wird, den Besucherandrang zu verringern. Mehrere Hundert Aktionäre hätten schon mitgeteilt, der Versammlung fern zu bleiben. Ihre Stimme können sie online abgeben; allerdings müssten sie auf ihr Rede- und Antragsrecht verzichten. Wer trotzdem kommen wolle, mache das trotz aller Schutzbemühungen auf eigenes Risiko, stellt das Unternehmen klar. Im Falle einer Absage müsste das Aktionärstreffen laut einer Sprecherin in den ersten acht Monaten des Jahres, als bis Ende August nachgeholt werden.

          Weitere Themen

          Was Kunden jetzt wissen müssen Video-Seite öffnen

          Nach VW-Urteil : Was Kunden jetzt wissen müssen

          Fast fünf Jahre nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals hat der Bundesgerichtshof sein Grundsatzurteil zu Schadenersatzklagen betroffener Autokäufer verkündet. Was bedeutet dieses konkret für die Kunden?

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.