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Conti-Aufsichtsratschef von Grünberg : Vom Freund zum Feind

Das Continental-Werk in Hannover-Stöcken Bild: dpa

Die Übernahme von Continental durch das Familienunternehmen Schaeffler KG droht zum Desaster zu werden - der Schuldenberg ist 20 Milliarden Euro hoch. Am Samstag treffen sich die Conti-Aufsichtsräte zur Krisensitzung. Muss der Staat bald mit Geld aushelfen?

          In der Zukunft, am 18. Mai 2009, um 16.50 Uhr: Maria-Elisabeth Schaeffler betritt das Kanzleramt in Berlin. Elegant, das schwarze Kostüm, die blonden Haare mit einer schwarzen Schleife zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie ist etwas zu früh. Aber zu einem Termin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt man lieber nicht auf die letzte Minute. Die Damen begrüßen sich herzlich. Bei Mürbegebäck und einer Tasse Darjeeling-Tee besprechen sie die letzten Details. Dann steht der Schirm: „Ja“, versichert die Kanzlerin, „Sie bekommen die Bürgschaft.“ Die Unternehmerin atmet auf. Um ein Haar hätte sie das Firmenerbe ihres verstorbenen Mannes an die Wand gefahren.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Finanzkrise hatte aus der ohnehin gewagten, schuldenfinanzierten Übernahme des dreimal so großen Konkurrenten Continental einen existenzgefährdenden Drahtseilakt gemacht. Mit der Staatsbürgschaft von Merkels Gnaden ist der Fall vom Hochseil verhindert. Der Steuerzahler haftet für den unternehmerischen Übermut eines fränkischen Familienunternehmens.

          In der Gegenwart, Ende Januar 2009, ist das noch ein erfundenes Szenario, das absurd anmuten mag. Wer aber kann heute eine solche Entwicklung noch ausschließen, in einer Zeit der unbegrenzten Staatshilfen? Die Realität ist erschreckend nah. Denn einen Rettungsfall dieser Machart gibt es schon: Nur dank staatlicher Unterstützung ist die Commerzbank in der Lage, die Dresdner Bank zu übernehmen.

          Muss Maria-Eslisabeth Schaeffler bald den Staat zur Hilfe holen?

          Eine westernhafte Übernahme

          Und das dort zur Begründung bemühte „nationale Interesse“ ließe sich auf den Fall Schaeffler/Continental übertragen. Für dieses Gebilde mit einem addierten Umsatz von rund 34 Milliarden Euro arbeiten mehr als 200 000 Menschen. Für die Autoindustrie als Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist Conti in der Fahrzeugelektronik ein wichtiger Lieferant.

          Genau deshalb hat Schaeffler, dessen Geschäft bisher auf mechanischen Produkten beruht, den Angriff auf Conti gewagt. Mit dem Zugriff auf die Technologie will das Familienunternehmen seine eigene Zukunft retten. Aus dem nachvollziehbaren Ansatz hat sich ein Übernahmedrama entsponnen, das in dieser Woche einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

          Ein in der Öffentlichkeit, aber nicht unbedingt mit offenem Visier ausgetragener Kampf erregt die Gemüter. Im Mittelpunkt der Eskalation stehen Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Geschäftsführer Jürgen Geißinger einerseits und der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg andererseits, der für den Erhalt seiner Macht auch gerne mal die Seite wechselt.

          Begonnen hat das Drama im vergangenen Sommer wie ein Western. Die Franken schlüpften in die Rolle der bösen Indianer. Im Schutz von Gesetzeslücken schlichen sie sich an und verschafften sich listig den Zugriff auf einen großen Teil des Conti-Kapitals.

          Der überraschte Conti-Vorstand wehrte sich, musste am Ende aber kapitulieren. Denn er hatte einen Verräter in den eigenen Reihen: Der mächtige Grünberg war von Anfang an ein großer Befürworter des Einstiegs der Schaeffler-Gruppe und stellte sich damit gegen seinen Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer.

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