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Container-Reederei : TUI erwägt Teilverkauf von Hapag-Lloyd

Weckt Interesse im Ausland: Deutschlands größte Container-Reederei Hapag-Lloyd Bild: dpa

Nach F.A.Z.-Informationen wollen das Sultanat Oman und das chinesische Logistikunternehmen HNA bei Deutschlands größter Container-Reederei Hapag-Lloyd einsteigen. Trotzdem bleibt der Börsengang im Mai eine Option.

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          Die Hapag-Lloyd AG könnte schon bald einen oder zwei neue Aktionäre bekommen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verhandelt die TUI AG mit zwei ausländischen Investoren über einen Verkauf von Hapag-Lloyd-Anteilen. Bei den Interessenten handelt es sich um einen Staatsfonds aus dem Sultanat Oman und das chinesische Logistikunternehmen HNA.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Verhandlungen mit dem Wüstenstaat sind schon weit fortgeschritten: Die von dem Sultanat entsandten Spezialisten sollen schon in Kürze die Bücher von Hapag-Lloyd einsehen. Mit HNA ist man offenbar noch nicht ganz so weit. Trotzdem könnten am Ende sogar beide Investoren bei der Reederei einsteigen, heißt es in gut informierten Kreisen. Wie viele Aktien sie bekommen könnten, ist noch unklar.

          Hinter den Kulissen ist von einer Größenordnung von jeweils 10 Prozent die Rede – es könnten aber auch 15 Prozent werden. Wenn beide Investoren zum Zuge kommen, könnten also 20 bis 30 Prozent von Hapag-Lloyd in neue Hände übergehen. Unbeschadet von diesen Verhandlungen sind die Alteigentümer weiterhin offen für einen Börsengang von Hapag-Lloyd. Dieser sollte ursprünglich Mitte April über die Bühne gehen, wurde wegen der Japan-Krise aber aufgeschoben.

          Teilverkauf kann noch an Preisvorstellungen scheitern

          Hapag-Lloyd ist Deutschlands größte Container-Reederei. Der Reisekonzern TUI hält derzeit noch 49,8 Prozent des Hamburger Unternehmens. 50,2 Prozent liegen beim Albert-Ballin-Konsortium, dem der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg, die Versicherer Hanse-Merkur und Signal Iduna sowie die Banken M.M. Warburg und HSH Nordbank angehören. Laut eines kürzlich abgeschlossenen Vertrages verkauft TUI im Mai 11,3 Prozent von Hapag-Lloyd an Kühne.

          Der vereinbarte Kaufpreis von 315 Millionen Euro (zuzüglich Besserungsschein) dürfte die Grundlage für die Preisvorstellungen der TUI in den Verhandlungen mit den Omanern und Chinesen bilden. Das verschlechterte Marktumfeld nach dem Beben in Japan hatte den Unternehmenswert von Hapag-Lloyd auf einen Schlag um rund ein Fünftel nach unten gedrückt. Mit so einem großen Abschlag wollte TUI seine Hapag-Aktien nicht an die Börse geben. Von den Interessenten in Oman und China wird der von Michael Frenzel geführte TUI-Vorstand also erwarten, dass sie mehr oder weniger den Vorkrisenpreis bezahlen. Das heißt im Umkehrschluss: Der geplante Teilverkauf kann noch an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheitern.

          Scheitern könnte die Transaktion auch am Widerstand des Albert-Ballin-Konsortiums. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Die anderen Großaktionäre der Container-Reederei seien eng in den Verkaufsprozess eingebunden und hätten im Prinzip nichts gegen den Einstieg von Oman und der HNA einzuwenden, heißt es. Der Großaktionär Kühne hatte sich zwar gegen die Hereinnahme eines Finanzinvestors ausgesprochen. Dabei bezog er sich aber auf kurzfristig orientierte Anleger.

          Beide Investoren verfolgen gewisse strategische Interessen

          Oman und HNA sollen indes langfristig interessiert sein. Beide Investoren haben sich überdies klar zum Erhalt des Standorts Hamburg bekannt. Daher ist wohl auch vom Hamburger Senat kein Veto zu erwarten. Außerdem verfolgen beide Investoren auch gewisse strategische Interessen: Oman investiert viel Geld in den Ausbau seiner Häfen und hofft, in den Routenplan von Hapag-Lloyd aufgenommen zu werden. Die in Schanghai ansässige HNA-Gruppe ist ein großes Firmenkonglomerat, das stark in der Luftfahrtlogistik aktiv ist. Ein Engagement bei Hapag-Lloyd würde der Diversifizierung dienen.

          Wie berichtet, könnte Hapag-Lloyd im Mai den nächsten Anlauf an die Börse nehmen. Allerdings müssen die Altaktionäre darauf achten, dass im Dienste einer guten Handelbarkeit noch genügend Aktien zur breiten Streuung verfügbar sind. Erreichen könnte man dies durch die Ausgabe neuer Aktien, deren Verkauf Hapag-Lloyd zugute käme.

          Drei weitere Aktionäre werden sich aus Hapag-Lloyd zurückziehen

          Ob der Börsengang nun kommt oder nicht: Über kurz oder lang wollen sich neben der TUI mit HSH Nordbank, M.M. Warburg und Hanse-Merkur noch drei weitere Aktionäre aus Hapag-Lloyd zurückziehen. Daher sind diese drei Finanzhäuser auch nicht mehr im gerade neu konstituierten Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd vertreten, der von 20 auf 12 Mitglieder verkleinert wurde. Die TUI stellt mit Michael Frenzel und Horst Baier zwei der sechs Anteilseignervertreter.

          Sobald der TUI-Anteil sinkt, tritt TUI einen Aufsichtsratssitz an Kühne ab. Bisher lässt sich der Unternehmer dort nur von Karl Gernandt, seiner rechten Hand, vertreten. Hamburg hat mit Rainer Klemmt-Nissen und Andreas Reuß, beide führen die städtische Beteiligungsgesellschaft HGV, zwei Vertreter im Kontrollgremium. Der sechste im Bunde ist Ulrich Leitermann, Vorstandsmitglied von Signal Iduna.

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