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Verjüngungskur für Condor : Ein neuer Investor, 16 neue Flugzeuge

Condor sieht sich für die Zukunft gerüstet. Bild: AP

„Die Zukunft von Condor beginnt heute“, jubelt der Chef. Die Airline hat einen neuen Haupteigner und bestellt im Eiltempo Ersatz für alte Jets. Doch es steht auch ein Wettkampf mit Lufthansa bevor.

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          Vieles ist neu beim Ferienfluganbieter Condor: Mit dem Finanzinvestor Attestor hat ein frischer Mehrheitseigentümer 51 Prozent der Airline übernommen. Und die Gesellschaft bestellt 16 neue Flugzeuge, um ihre in die Jahre gekommene Langstreckenflotte auszutauschen. „Mit unserer Flottenmodernisierung erreichen wir einen weiteren Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte und gehen den nächsten Schritt in Richtung Zukunft“, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser Schritt soll schnell erfolgen. Die Bestellung von 16 Airbus-Flugzeugen vom Typ A330neo habe der Aufsichtsrat schon abgesegnet, teilte Condor mit. Das erste Flugzeug soll schon in etwa einem Jahr zur Condor-Flotte stoßen, was für Neuflugzeuge eine ungewöhnlich kurze Zeitspanne ist.

          Zwei Jahre später soll der Komplettaustausch der bisherigen Langstreckenflotte mit einem Durchschnittsalter von deutlich über 20 Jahren abgeschlossen sein. Condor dürfte sich dabei zunutze machen, dass andere Fluggesellschaften in der Pandemie Bestellungen zeitlich strecken. Flugfachportale berichteten, dass einige Airbus-Seriennummern zunächst für die Gesellschaft AirAsia vorgesehen gewesen sein sollen. Condor äußert sich nicht dazu.

          „Unglaubliche 22 Monate“

          In einem Eintrag im sozialen Netzwerk Linkedin schrieb Condor-Finanzgeschäftsführer Christoph Debus, dass die Fluggesellschaft „unglaubliche 22 Monate“ hinter sich habe - von der Insolvenz des einstigen Mutterkonzerns Thomas Cook bis zur Corona-Pandemie. Zwischen den Meldungen rund um den Neustart – die Mehrheitsübernahme durch Attestor und die Bestellung neuer Flugzeuge mit Hilfe dieses Investors – lagen nun keine 22 Stunden. „Was für ein Tag“, schrieb Debus dazu.

          Der Bund und das Land Hessen mussten der Gesellschaft mehrfach beispringen. Zunächst drohte bei Condor die Liquidität knapp zu werden, da bis zur Cook-Insolvenz Mittel in dessen Konzernkasse flossen. In der Corona-Krise brachen die Passagierzahlen dann ein und ein vereinbarter Verkauf an die polnische staatliche Luftfahrtholding PGL platzte.

          Investor hält 51 Prozent

          Chef Teckentrup sagte jetzt: „Die Zukunft von Condor beginnt heute: Mit Attestor haben wir nun einen starken Mehrheitseigentümer, der nicht nur alle 4050 Arbeitsplätze bei Condor und der Condor Technik erhält, sondern auch finanziell die Weichen stellt.“ Zuvor hatte die EU-Kommission einen Restrukturierungsplan gebilligt. Der enthält neben dem Mehrheitsverkauf auch weitere Hilfen, unter anderem einen Forderungsverzicht über 150 Millionen Euro durch den Bund und das Land Hessen für die Rückzahlung vorheriger Hilfen in der Pandemie.

          Attestor bringt mit dem Kauf von 51 Prozent 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein. 49 Prozent liegen weiter bei der SG Luftfahrtgesellschaft, die diese Anteile als Treuhänder von Bund und Land Hessen hält. Attestor hat die Option, diese Anteile später zu erwerben. Weitere 250 Millionen Euro will der Investor, der auch am Autovermieter Europcar und dessen Weg in den Volkswagen-Konzern beteiligt ist, zur Flottenerneuerung beisteuern. Condor kauft sieben der 16 neuen Flugzeuge und finanziert den Erwerb. Die weiteren neun werden geleast. Finanzielle Details gibt Condor nicht preis.

          Rangeln mit Lufthansa

          Der Investor bekräftigte, langfristig an Condor interessiert zu sein und sieht das durch seine finanziellen Beiträge belegt. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, Condor als starken zweiten Carrier im wichtigen deutschen Heimatmarkt und als führenden Ferienflieger in Europa zu etablieren“, sagte Attestor-Manager Friedrich Andreae.

          Zuletzt hatte die Deutsche Lufthansa als größter hiesiger Luftfahrtkonzern, ihr Engagement im Urlauberverkehr – vor allem mit der Marke Eurowings – ausgeweitet. Unter dem Namen Eurowings Discover werden Urlauber-Fernstrecken angeboten, die lange als Condor-Domäne galten. Der von der EU gebilligte Restrukturierungsplan sieht allerdings vor, dass Condor in der Erneuerungsphase bis September 2023 Wachstumseinschränkungen hinnehmen und sich einer Kapazitätsdeckelung fügen muss.

          Airbus statt Boeing

          In der Flottenerneuerung setzt Condor auf Airbus statt Boeing. Die Gesellschaft hat sich für die längere A330-Version 900 entschieden. Vor der Entscheidung soll sich Condor auch das Boeing-Modell 787 angesehen haben. Bislang nutzt Condor auf der Langstrecke die Boeing-Baureihe 767, die in der Passagierversion aber mittlerweile nicht mehr gebaut wird.

          Die künftigen Flugzeuge sollen mit der neuen Triebwerkskonfiguration der A330neo-Version kommen, die weniger Kraftstoff verbraucht. Der Treibstoffverbrauch je Passagier und 100 Kilometer werde bei 2,1 Litern liegen. „Wir gehen mit dem Zwei-Liter-Flieger an den Start und setzen damit neue Maßstäbe“, sagte Condor-Chef Teckentrup. Auch wenn er es nicht ausspricht, dürfte damit ein Fingerzeig auf  Lufthansa verbunden sein. Die setzt für Eurowings Discover, mit der sie Condor auf Urlauberlangstrecken Konkurrenz macht, A330-Flugzeuge mit der älteren Triebwerkskonfiguration ein.

          Noch sind in der Branche Flottenverbrauchswerte von mehr als 3 Litern nicht unüblich. Ferienflieger wie Condor kommen aber traditionell auf niedrigere Werte beim Verbrauch je Passagier – dabei spielt die übliche höhere Auslastung von Urlaubsflügen mit weniger freien Sitzen eine große Rolle.

          Die Flottenmodernisierung war von Condor seit Jahren geplant. Unter dem Dach des Cook-Konzerns wurde sie aufgeschoben, da in dessen Krise die Mittel für den Flugzeugkauf fehlten. Auch PGL hatte zunächst einen Austausch der alten Flugzeuge angekündigt, das Platzen der Übernahme hatte aber auch das Aus für diesen Plan bedeutet.

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