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Ende des Schutzschirms : Condor nimmt zweiten Anlauf

Wechsel am Heck: Nach der Loslösung von Thomas Cook klebte Condor wieder sein Traditionslogo auf Flugzeuge. Bild: AP

Schon im Frühjahr wollte der Ferienflieger das insolvenzähnliche Schutzschirmverfahren verlassen. Dann kam Corona, ein Verkauf platzte. Nun liegt ein neuer Plan vor, Anfang November will Condor durchstarten.

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          Der zweite Ausweg soll von Erfolg gekrönt sein. Trotz der andauernden Corona-Krise will die Fluggesellschaft Condor in einem Monat den Schutzschirm abwerfen – und das insolvenzähnliche Verfahren verlassen. Für den 22. Oktober ist vom zuständigen Amtsgericht Frankfurt nun ein Termin angesetzt, auf dem die Condor-Gläubiger einen neuen Insolvenzplan absegnen sollen, um den Weg in eine Zukunft ohne den insolventen ehemaligen Mutterkonzern Thomas Cook zu bereiten. Das bestätigte eine Condor-Sprecherin am Freitag.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu solchem einem Votum waren die Gläubiger im Frühjahr schon einmal aufgerufen. Damals segneten sie einen rettenden Verkauf an die staatliche polnische PGL, die Muttergesellschaft der Airline LOT, ab. Die Umsetzung platzte jedoch. In der hereinbrechenden Corona-Krise verloren die nun selbst leidenden Polen das Interesse an Condor und traten vom geschlossenen Kaufvertrag zurück. Ein neues Konzept für die deutsche Fluggesellschaft, die durch die Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook in Not geraten war, musste her.

          Das liegt nun vor. Einen neuen Käufer kann das Management um Geschäftsführer Ralf Teckentrup allerdings nicht präsentieren. Früh hatte er die Erwartungen gedämpft, dass sich während der Pandemie eine Fluggesellschaft erfolgreich veräußern ließe. Formal soll Condor zunächst einem Eigner mit dem Namen SG Luftverkehrsgesellschaft zufallen, dahinter verbirgt sich ein Treuhänder. Er wird bis zu einem späteren Verkauf nach dem Willen der KfW-Bank eingesetzt, die Hilfen ausgereicht hatte. Eine Condor-Sprecherin bekräftigte am Freitag, dass ein Verkauf nur aufgeschoben sei und dass man keine Eile in der Investorensuche habe. „Wir haben Kredite erhalten und sind durchfinanziert“, sagte sie.

          Zweimal Hilfe vom Staat

          Condor hatte im Frühjahr ein Überbrückungsdarlehen der staatlichen KfW im Volumen von 550 Millionen Euro erhalten, für das der Bund und das Land Hessen bürgten. 256 Millionen Euro davon flossen ab, um eine erste Staatshilfe abzulösen. Die hatte Condor nach der Thomas-Cook-Insolvenz erhalten. Ursprünglich sollte sie mit dem Erlös aus dem Verkauf an LOT zurückgezahlt werden. Die übrigen 294 Millionen Euro verblieben, um Defizite in der Corona-Krise abzudecken und sollen bei weitem nicht ausgeschöpft sein. Für die Rückzahlung hat Condor zehn Jahre Zeit, die erste Hilfe war nach sechs Monaten fällig.

          In der Pandemie sieht sich Condor nun anderen Fluggesellschaften voraus. Die Airline hatte unfreiwillig nach der Cook-Insolvenz einen scharfen Sparkurs einschlagen müssen – sechs Monate, bevor dies in der Corona-Krise für andere Gesellschaften anstand. Condor-Beschäftigte mussten in Abschlüssen für Krisentarifverträge Zugeständnisse machen, 170 Stellen wurden abgebaut, die Unternehmenszentrale zog vom Frankfurter Flughafen in ein günstigeres Domizil im nahen Neu-Isenburg.

          Zudem wurden Leasingverträge mit früheren Schwestergesellschaften im Thomas-Cook-Konzern gekündigt, was für die das Ende bedeutete. In der Corona-Krise hat Condor seinen Flugplan an die verringerte Nachfrage angepasst. Die Langstreckenflotte steht weitgehend, Beschäftigte wurden in Kurzarbeit geschickt. Doch zum reduzierten Betrieb heißt es aus dem Unternehmen: “Alle Flüge, die starten, verdienen Geld.“ Intern rühmt man sich bei Condor angeblich, aktuellen unter deutschen Airlines die günstigste Kostenstruktur zu haben.

          Liquidität „verbuddelt“

          Die Fluggesellschaft sah sich binnen weniger Monate gleich zweimal mit einem nahen Aus konfrontiert. Erst brach im September 2019 der Reisekonzern Thomas Cook zusammen, wegen der gemeinsamen Kassenführung im Konzern war ein wesentlicher Teil der von Condor erwirtschafteten Liquidität verloren.

          Condor-Chef Teckentrup sprach damals davon, seine Liquidität sei vom Konzern in London „verbuddelt“ worden. Condor allein wies für das Jahr des Thomas-Cook-Zusammenbruchs einen Gewinn aus.

          Im April platzte dann der fest vereinbarte und längst verkündete Verkauf an die LOT-Dachgesellschaft PGL, die sich zunächst in einem Bieterverfahren gegen andere Interessenten durchgesetzt hatte. Wegen der Corona-Krise ließen sich auch andere Optionen nicht mehr umsetzen. Darunter war auch eine Offerte von einem Finanzinvestor mit einer Gruppe größerer deutscher Reiseveranstalter, die ihre Urlaubskunden von Condor befördern lassen.

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