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Nach Thomas-Cook-Pleite : Condor kämpft ums Überleben

Eine Condor-Maschine am Flughafen Düsseldorf Bild: EPA

Der britische Mutterkonzern hat Insolvenz angemeldet, die deutsche Fluggesellschaft will nicht aufgeben, schließlich flog man Gewinne ein. Doch ohne Hilfe vom Staat wird das Überleben schwer.

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          Die Worte des Condor-Chefs klingen kämpferisch. „Wir konzentrieren uns auch weiterhin auf das, was wir am besten können: Unsere Gäste pünktlich und sicher in den Urlaub zu fliegen“, sagte Ralf Teckentrup. Geht es nach ihm, soll die Fluggesellschaft weiter fliegen, obwohl der Mutterkonzern Thomas Cook Insolvenz beantragt hat. Auch die skandinavische Fluggesellschaft von Thomas Cook will am Dienstag wieder ihren Betrieb aufnehmen. Teckentrup hat bei der Bundesregierung eine Staatsbürgschaft für einen Überbrückungskredit von 200 Millionen Euro angefragt. „Condor ist seit über 60 Jahren auf den Ferienflug spezialisiert und die erste Wahl für Gäste, die in den Urlaub fliegen“, sagt er. Als Argument für sich sieht die Gesellschaft, dass man bislang Gewinne einfliegt, während in der Cook-Bilanz Verluste und Schulden hoch waren.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den 61 Jahre alten Teckentrup ist das Überleben von Condor nicht nur eine wirtschaftliche Sache, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Der Airlinechef gehört zu den prägenden Personen der deutschen Luftfahrt. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist er Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). Condor führt der frühere Lufthansa-Manager seit 15 Jahren, gleich nach der Amtsübernahme hatte er damals begonnen, die Gesellschaft zu sanieren.

          Ein Aus wäre eine tragische Folge der Cook-Insolvenz. Für den Reisekonzern war die Fluggesellschaft eine Gewinnquelle, TUI Fly ist das für den Konkurrenten TUI nicht. Für den Konzern aus Hannover ergibt der Betrieb der Fluggesellschaft nur Sinn in der Kombination mit der Reiseveranstaltersparte. Dennoch ist nicht alles blendend in der Condor-Bilanz. Auf Langstrecken fliegt die Gesellschaft mit sehr alten Flugzeugen. Die sind zwar komplett abgeschrieben, verursachen aber höhere Betriebskosten als neuere Jets und müssen in den nächsten Jahren ausgewechselt werden. Ohne einen Partner oder einen finanzkräftigen Mutterkonzern wird das schwierig – aber Thomas Cook hatte zuletzt auch nicht die Stärke dafür.

          Suche nach einem neuen Partner

          Für eine Flottenerneuerung wäre die Staatshilfe nicht geeignet. Sie soll Condor über den ertragsschwachen Winter bringen, wie alle Ferienflieger verdient die Gesellschaft ihr Geld im Sommerhalbjahr. Doch mit einem Zusammenbruch des Reiseveranstaltergeschäfts von Thomas Cook werden in den Flugzeugen nun Passagiere fehlen. Der Mutterkonzern hat bislang 30 bis 40 Prozent der Sitze gefüllt, die zunächst leer blieben. Folglich fehlten zunächst auch Einnahmen. Es würde Monate dauern, diese Lücke zu schließen.

          Dazu zählt auch die Suche nach einem neuen Partner. In der Vergangenheit hatte die Deutsche Lufthansa, zu der Condor einst gehörte, Interesse bekundet. Auch der Name des Reisekonzerns TUI fällt. Allerdings hatte TUI gerade in der vergangenen Woche Berichte über Gespräche mit Thomas Cook und Condor dementiert – doch das war vor der Insolvenz. Am Montag sollte der Thomas-Cook-Niedergang schon Thema im Lufthansa-Vorstand sein, doch zunächst dürfte es darum gegangen sein, die Lage zu erörtern und zu prüfen.

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