https://www.faz.net/-gqe-989ee

Ziviler Überschallflug : Wer baut die neue Concorde?

  • -Aktualisiert am

Eine britische Concorde hebt am 7. November 2001 vom Londoner Flughafen Heathrow ab. Bild: Reuters

Die Concorde war ihrer Zeit voraus. Nun machen sich mehrere Unternehmen daran, ein neues Überschallflugzeug zu bauen. Besonders ein Start-up kündigt schon Konkretes an.

          Namen hatte sie viele: „Donnervogel“, „Königin der Lüfte“ oder auch einfach nur „fliegender Kugelschreiber“. Wo eine der Concordes auftauchte, war ihr die Aufmerksamkeit sicher. Doch stand das britisch-französische Gemeinschaftsprojekt von Beginn an auf wackeligen Beinen. Die Sowjetunion entwickelte zeitgleich die Tupolew Tu-144, welche später das Rennen um den Titel des ersten Überschallverkehrflugzeugs gewinnen sollte.

          Und nach einem Machtwechsel in Großbritannien sah die neue britische Labour-Regierung unter Harold Wilson in der Concorde vor allem eines: eine Kosten fressende Bürde. Ein Ausstieg aus dem Gemeinschaftsprojekt galt als wahrscheinlich, letztlich verkündete der Luftfahrtminister Roy Jenkins jedoch trotz großer wirtschaftlicher Bedenken die weitere Zusammenarbeit Großbritanniens mit Frankreich in dieser Sache.

          Ende der Sechziger Jahre gab es 76 Bestellungen von Fluggesellschaften aus aller Welt. Als die Concorde im Jahr 1976 in Dienst gestellt wurde, waren es insgesamt nur 16 Exemplare, die mehr auf Drängen der Regierungen als aus Interesse der Fluggesellschaften Air France und British Airways an diese ausgeliefert wurden. Stetige Gewinne brachten die Maschinen den Fluggesellschaften nicht ein und nach der verheerenden Katastrophe im Jahre 2000, bei der 109 Menschen starben, fand die Concorde bald darauf ihr Ende. Der Traum vom massentauglichen Überschallflug allerdings nicht.

          Schon bald fing die zivile Luftfahrtbranche abermals an, das Gebiet zu erforschen. So stellte die amerikanische Weltraumbehörde Nasa in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtunternehmen Lockheed Martin im Jahr 2007 einen Entwurf für einen Überschall-Passagier-Jet vor. Und der deutsch-französische Konzern Airbus ist in die Entwicklung eines solchen Jets des amerikanischen Unternehmens Aerion involviert.

          Doch näher an der Renaissance des Überschallflugs sind nicht die etablierten Namen der Luftfahrtindustrie, sondern möglicherweise ein amerikanisches Start-up, das im Jahr 2014 mit elf Mitarbeitern und einem Hangar in der Nähe der Stadt Denver startete. „Boom Technology“ arbeitet an einem Überschallflugzeug mit Platz für bis zu 55 Passagieren. Damit hebt sich dieses Projekt von denen der großen Namen ab, welche sich bisher auf kleine Jets mit wenig Platz fokussieren.

          Das geplante Flugzeug mit dem Namen „Boom Supersonic“ soll mit Mach 2,2 eine ähnliche Geschwindigkeit wie die Concorde erreichen. Und nicht nur die Größe und Geschwindigkeit orientieren sich an der Concorde, auch das Design erinnert stark an die „Königin der Lüfte“. Noch dieses Jahr soll laut dem Unternehmen ein kleiner Prototyp des späteren Fliegers, liebevoll „Baby Boom“ genannt, in den Himmel steigen. Im Jahr 2023 würden die Erfinder gerne die erste Maschine ausliefern.

          Diese Illustration zeigt den späteren Airliner und den kleineren Prototypen, der auch „Baby Boom“ genannt wird.

          Gründer Blake Scholl und seine Mitstreiter bringen Erfahrungen aus Unternehmen und Organisationen wie SpaceX, der Nasa und Boeing mit. Sie arbeiten an einem Flugzeug, dessen Teile nicht wie üblich aus Aluminium, sondern aus mit Karbon verstärktem Kunststoff bestehen und dadurch mit einem 3D-Drucker hergestellt werden können. Durch die Kombination solcher neuartiger Materialien mit moderner Triebwerkstechnik soll die Boom Supersonic durch weniger Gewicht und mehr Leistung um 30 Prozent effizienter werden, als es die Concorde war. So sollen beispielsweise Flüge von New-York nach London in unter dreieinhalb Stunden absolviert werden und für einen gewöhnlichen Business-Class-Preis erhältlich sein.

          Unter den Unterstützern von Boom Technology findet sich auch Richard Bransons Fluggesellschaft „Virgin“, welche bereits in die Entwicklung des Überschallflugzeugs investiert hat und sich auch gleich die ersten 10 Exemplare der Boom Supersonic gesichert hat. Neben der Fluggesellschaft des populären Unternehmers haben weitere Airlines bereits Interesse gezeigt. Auf der Pariser Luftfahrtschau im vergangenen Jahr nannte Boom Technology eine Zahl; angeblich gibt es 76 Bestellungen - wie einst für die Concorde.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.