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Computerhersteller : Um Dell entbrennt ein Dreikampf

Michael Dell glaubt, das Unternehmen habe jenseits der Börse größere Chancen, sich neu auszurichten Bild: AP

Die geplante Übernahme des Computerherstellers Dell durch seinen Gründer gerät ins Wanken: Der Finanzinvestor Blackstone und Investor Carl Icahn haben Angebote abgegeben.

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          Michael Dell muss sich auf einen Übernahmekampf um den von ihm gegründeten Computerhersteller Dell Inc. einstellen: Mehreren amerikanischen Medienberichten zufolge haben sich bis zum Ablaufen einer Frist am vergangenen Freitag zwei Interessenten gemeldet, die den bisher geplanten Verkauf von Dell an ein Konsortium um den Gründer mit Gegenangeboten kippen wollen. Vorläufige Offerten kamen von der Beteiligungsgesellschaft Blackstone und dem Investor Carl Icahn. Beide haben dem Verwaltungsrat signalisiert, an formellen Übernahmeangeboten zu arbeiten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Konzern hatte im Februar den Verkauf an Michael Dell und die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake für 24,4 Milliarden Dollar oder 13,65 Dollar je Aktie in bar vereinbart. Nach diesem Abkommen begann eine 45 Tage lange Frist, innerhalb deren der Verwaltungsrat aktiv nach anderen Übernahmeangeboten Ausschau halten wollte. Diese Frist endete am Freitag. Dell selbst äußerte sich bislang nicht zu etwaigen weiteren Bietern.

          Blackstone prüft mehrere Allianzen für Übernahme

          Ein mögliches Interesse von Blackstone hatte sich in den vergangenen Tagen schon abgezeichnet. Die Gesellschaft soll sogar schon Kontakt zu möglichen neuen Vorstandsvorsitzenden aufgenommen haben, die Michael Dell ersetzen könnten. Darunter soll Mark Hurd sein, der frühere Vorstandschef des Dell-Rivalen Hewlett-Packard (HP), der heute beim Softwarekonzern Oracle Co-Präsident ist.

          Blackstone prüft offenbar eine Reihe von Allianzen für eine Übernahme. So soll es Gespräche mit dem größten außenstehenden Aktionär Southeastern Asset Management geben, der sich öffentlich gegen die Vereinbarung mit Michael Dell ausgesprochen hat. Diskutiert wird offenbar, ob Southeastern seinen 8,4-Prozent-Anteil in eine Transaktion mit Blackstone einbringen könnte.

          Weiter soll Blackstone erwägen, die Finanzsparte von Dell an GE Capital weiterzuverkaufen, um die Übernahme zu finanzieren. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat sich Blackstone in seinem am Freitag abgegebenen Angebot noch nicht auf einen genauen Preis festgelegt. Vielmehr sei eine Preisspanne genannt worden, die oberhalb des mit Michael Dell vereinbarten Preises liegt, aber unterhalb von 15 Dollar.

          Icahn befürchtet Verkauf unter Wert

          Carl Icahn stellt in seiner vorläufigen Offerte einen Preis von 15 Dollar je Aktie in Aussicht, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg erfahren haben will. Der Investor hat vor knapp drei Wochen erstmals ins Geschehen eingegriffen. Er schrieb dem Verwaltungsrat von Dell damals, dass er einen „substantiellen“ Anteil am Unternehmen gekauft habe, und er kündigte Widerstand gegen die Transaktion mit Michael Dell an.

          Nach seiner Auffassung würde sich das Unternehmen damit unter Wert verkaufen. Der 77 Jahre alte Icahn schloss danach ebenso wie Blackstone und die beiden Computerhersteller HP und Lenovo eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Dell ab, die ihm Einblick in die Bücher des Unternehmens ermöglichte. HP und Lenovo gelten aber nicht als ernsthafte Interessenten. Es ist auch unklar, wie ernst es Carl Icahn mit einer Übernahme ist.

          Michael Dell will das Unternehmen nach Vollzug der Transaktion mit Silver Lake von der Börse nehmen. Er meint, als nicht börsennotiertes Unternehmen habe Dell größere Chancen, sich neu auszurichten. Dell kämpft mit einer dramatischen Abschwächung in seinem Kerngeschäft mit Personalcomputern (PC), das unter der Konkurrenz von Smartphones und Tabletcomputern leidet. Dell ist in diesen Wachstumsmärkten bislang kaum vertreten. Dafür hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt das Geschäft mit Software und Dienstleistungen forciert.

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