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Bis 2024 : Commerzbank will jeden dritten Arbeitsplatz in Deutschland abbauen

Die Commerzbank muss radikal sparen: Tausende Stellen sollen wegfallen. Bild: Lando Hass

Der neue Vorstandschef Manfred Knof legt los: Bis zum Jahr 2024 sollen brutto rund 10.000 Vollzeitstellen wegfallen, teilte der Frankfurter M-Dax-Konzern am Donnerstag mit. Statt Wachstum zählt jetzt Rendite.

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          Die Commerzbank hat ihre lange aufgeschobenen Kostensenkungsmaßnahmen festgezurrt. Wie die teilverstaatlichte Bank am Donnerstagnachmittag mitteilte, wird jede dritte Stelle im Inland gestrichen und fast jede zweite Filiale geschlossen. Da 10.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2024 wegfallen sollen, müssen von 33.000 Beschäftigen (einschließlich Teilzeitarbeitenden) im Inland rund 11.000 um ihren Arbeitsplatz zittern.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aufatmen können nur die rund 730 Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Commerz Real in Wiesbaden. Dort wird nach Informationen der F.A.Z. kein Arbeitsplatzabbau stattfinden, so gut laufen die Geschäfte gerade mit dem Immobilienfonds Hausinvest und dem neuen Fonds Klimavest. Für alle anderen Mitarbeiter im Commerzbank-Konzern sind die Sparmaßnahmen dagegen eine bittere Botschaft.

          Der seit 1. Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Manfred Knof will die Kosten der Commerzbank um 20 Prozent senken, das entspricht 1,4 Milliarden Euro. Bis 2024 soll die Commerzbank eine Eigenkapitalrendite bei weitgehend stabil bleibenden Erträgen von 6,5 bis 7 Prozent erreichen. Das im September 2019 ausgegebene Ziel von mindestens 4 Prozent Eigenkapitalrendite war zuvor als zu wenig ehrgeizig kritisiert worden. Außerdem verfehlte die Commerzbank alle wesentlichen im Jahr 2016 ausgegebenen Ziele, wie der zweitgrößte Aktionär Cerberus im Sommer 2020 mit öffentlich gemachten Briefen kundtat. Die Bundesregierung als größter Aktionär widersprach nicht. Der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke stellte seinen Posten zur Verfügung – kurz bevor Zielke Sparmaßnahmen beschließen lassen wollte.

          „Die Bank stellt künftig Profitabilität vor Wachstum“

          Nun legt Knof los. Sein größter Hebel sind die Personalkosten. Dagegen fällt die Schließung von Filialen aus Kostengründen weniger ins Gewicht. Allerdings verabschiedet sich Knof von einem strategischen Ziel seiner Vorgänger. Die Commerzbank hat jahrelang an einem Filialnetz von 1000 Standorten festgehalten. Erst 2020 hat sie – wegen Corona – 200 Filialen dauerhaft geschlossen. Das Filialnetz galt lange als unantastbar, weil die Commerzbank darüber viele neue Kunden gewonnen hat. Doch diese Kunden, die zum Teil mit kostenlosen Girokonten angelockt wurden, brachten nicht so viele Erträge wie erwartet.

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          „Die Bank stellt künftig Profitabilität vor Wachstum“, sagte Knof am Donnerstag. Von derzeit 790 Filialen sollen 450 Standorte übrig bleiben. Wie die F.A.Z. schon vor einer Woche schrieb, sind Zielkes radikale Pläne vom Sommer, die Zweigstellenzahl noch weiter zu senken und viele Filialen nur noch mit zwei Mitarbeitern zu betreiben, allerdings vom Tisch. Auch wenn die Commerzbank „die Geschäftsprozesse konsequent durchgängig digitalisieren und automatisieren“ werde, wie es am Donnerstag hieß, soll in den Filialen weiterhin Beratung auch zu komplexeren Themen stattfinden.

          Brisant werden auch die Gespräche mit dem Betriebsrat über den anstehenden Personalabbau. Um den im September 2019 angekündigten Abbau von brutto 4300 Stellen zu vollziehen, hat die Commerzbank erst im November allen Mitarbeitern ab 55 Jahren Altersteilzeitverträge mit Sonderzahlung angeboten. Jetzt geht es um noch mehr Stellen. Dennoch will der Vorstand wieder „soweit möglich sozialverträgliche Lösungen vereinbaren“, wie es am Donnerstag hieß. Nach Informationen der F.A.Z. plant der Vorstand umfassende Weiterqualifzierungsmaßnahmen und nur als letzten Weg eine „Transfergesellschaft“.

          Für den Konzernumbau sind „Restrukturierungskosten von 1,8 Milliarden Euro geplant. 0,8 Milliarden davon wird die Commerzbank schon im Jahr 2020 buchen, was den Jahresverlust nach Prognosen von Analysten auf mehr als 2 Milliarden Euro anschwellen lassen wird. Der Aufsichtsrat soll über die strategischen Maßnahmen am 3. Februar entscheiden. Die Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen später.

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