https://www.faz.net/-gqe-8jqj6

209 Millionen Euro : Commerzbank verdient weniger Geld als erhofft

  • Aktualisiert am

Im vergangenen Jahr erzielte die Commerzbank noch einen Milliardengewinn. Bild: Silber, Stefanie

Im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank noch mit einem Milliardengewinn geglänzt. Daraus wird dieses Jahr wohl nichts. Aus mehreren Gründen.

          2 Min.

          Die Commerzbank macht weniger Gewinn als sie sich selbst vorgenommen hat. Im zweiten Quartal schrumpfte das Ergebnis unter dem Strich um fast ein Drittel auf 209 Millionen Euro, teilte Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus mit.

          Das lag zwar nur leicht unter den ohnehin reduzierten Erwartungen der Analysten, die die Commerzbank selbst abgefragt hatte. Mit einem Gewinn von 372 Millionen Euro nach sechs Monaten scheint die Wiederholung des Milliardengewinns vom Vorjahr aber kaum noch realistisch; die Commerzbank liegt bereits um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau zur Jahresmitte 2015.

          Was wird aus der Mittelstandsbank?

          Die Banken verdienen auch wegen der infolge der niedrigen Zinsen nun gesunkenen oder weiter sinkenden Zinsmarge weniger. Der neue Vorstandschef Martin Zielke hatte schon im Mai gewarnt, dass es schwierig werde, das Jahresziel zu erreichen.

          Branchenexperten trauen der Bank in diesem Jahr im Schnitt noch 882 Millionen Euro Gewinn zu. Eine Sprecherin wollte sich zu den Aussichten nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung des Quartalsberichts am 2. August.

          Verschärfte Kapitalvorschriften ließen die Kapitaldecke der Commerzbank zudem überraschend dünner werden. Ende Juni kam die Bank auf eine harte Kernkapitalquote von 11,5 Prozent. Drei Monate vorher waren es noch 12 Prozent. Die Regulierer zwängen alle Banken, ihre Bilanzrisiken (RWA) höher zu bewerten, wenn ihre eigene Risikoeinschätzung zu stark von Branchendaten abweiche, erklärte die Bank. Steigende Pensionsrückstellungen wegen der niedrigen Zinsen und höhere Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen drückten ebenfalls auf die Quoten.

          Finanzvorstand Stephan Engels hatte bereits mehrfach vor vorübergehend schwankenden Quoten gewarnt. Die Commerzbank halte aber daran fest, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) für jede Bank individuell vorgegebenen Kapitalquoten einzuhalten: Für 2016 sind das 10,25 Prozent, bis 2019 steigt die Vorgabe aber auf 11,75 Prozent.

          Das operative Ergebnis der Commerzbank vor Steuern sank im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 342 Millionen Euro. Analysten haben in ihren Prognosen vor allem in der Mittelstandsbank - in den vergangenen Jahren der verlässlichste Gewinnbringer - und im Investmentbanking die größten Abstriche gemacht. Im Geschäft mit den fast zwölf Millionen Privatkunden in Deutschland lag die Bank von April bis Juni dagegen fast auf Vorjahresniveau. In der Mittelstandsbank werden auch die größten Einschnitte erwartet, wenn Vorstandschef Zielke seine Pläne für die nächsten Jahr vorstellt. Sie leidet unter der schwächelnden Kreditnachfrage der Unternehmen und den niedrigen Zinsen. Insider gehen davon aus, dass in der Sparte bis zu 20 Prozent der rund 5700 Stellen gestrichen werden.

          Weitere Themen

          Samsungs Patriarch ist gestorben

          Lee Kun-hee : Samsungs Patriarch ist gestorben

          „Ändern Sie alles, nur nicht ihre Frau und ihre Kinder.“ Mit dieser Weisung führte der südkoreanische Unternehmer Lee Kun-hee Samsung an die Weltspitze der Elektronikunternehmen. Am Sonntag starb Lee im Alter von 78 Jahren.

          Topmeldungen

          SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach

          SPD-Gesundheitsexperte warnt : Lockdown möglicherweise schon in wenigen Wochen

          Die jetzigen Einschränkungen reichten nicht aus, um einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen zu verhindern, sagt Karl Lauterbach laut einem Bericht. Er fordert mehr Homeoffice und eine Aufteilung von Schulklassen. Auch der Außenhandelsverband warnt vor einem neuen Lockdown.
          Ein ehrenamtlicher Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) hält im Corona-Drive-In-Testzentrum im niedersächsischen Ronnenberg ein Teststäbchen.

          Robert-Koch-Institut : 11.176 Neuinfektionen in Deutschland

          Die hohe Welle an Corona-Infektionen in Deutschland setzt sich fort: Nach dem gestrigen Höchstwert hat das RKI heute mehr als 11.000 neue Corona-Fälle gemeldet. Die Werte an Wochenenden fallen meist niedriger aus, weil nicht alle Neuinfektionen übermittelt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.