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Commerzbank und Dresdner : Die Details der Übernahme

  • -Aktualisiert am

Alle Beteiligten stehen vor einer Phase erhöhter Unsicherheit Bild: ddp

Die Commerzbank will die Dresdner Bank in zwei Tranchen übernehmen. Nur für den zweiten Schritt ist eine Zustimmung der Aktionäre nötig. Die Bank erwartet Synergiegewinne, deren abgezinster Barwert auf rund 5 Milliarden Euro veranschlagt wird. 9000 Arbeitsplätze sollen wegfallen.

          Die geplante Übernahme der Dresdner Bank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro in zwei Stufen hat für den Verkäufer, die Allianz-Gruppe, und den Käufer, die Commerzbank, jeweils Licht und Schatten. Eines steht jetzt schon fest: Alle Beteiligten gehen in den kommenden Monaten auf eine Phase erhöhter Unsicherheit zu.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Wie die Allianz SE am Sonntagabend in einer Ad-hoc-Mitteilung mitteilte, wird die Commerzbank in einer ersten Stufe 60,2 Prozent der Anteile der Dresdner Bank übernehmen. Dieser Teil des Geschäfts dürfte Anfang 2009 vollzogen sein. Als Mehrheitseigentümer kann die Commerzbank von dann an mit der Integration der Dresdner Bank beginnen, kommt also recht schnell aus den Startlöchern.

          Ein Risiko für alle Beteiligten

          Die Commerzbank wird laut Mitteilung die erste Tranche auf dreierlei Art leisten: erstens mit 2,5 Milliarden Euro in bar; einen Teil dieser Mittel könnte sie durch den Verkauf einer Beteiligung an dem Industriegasehersteller Linde erlösen. Zweitens durch Hingabe ihrer Investmenttochtergesellschaft Cominvest, die mit 700 Millionen Euro bewertet wird. Und drittens mit 163,5 Millionen Commerzbank-Aktien aus einer bereits genehmigten Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage ohne Bezugsrecht der Altaktionäre. Dieses Aktienpaket wird mit 3,4 Milliarden Euro bewertet, wobei der Durchschnittskurs der Commerzbank-Aktie im vergangenen Monat von rund 20,80 Euro angesetzt wurde. Die Allianz erhält also rund ein Drittel des Kaufpreises in bar sowie in der Cominvest – durch deren Eingliederung in die Investmentsparte Allianz Global Investors sie zusätzliche Kostensynergien heben kann.

          Die Commerzbank benötigt zur Finanzierung der ersten Tranche keine Zustimmung ihrer Aktionäre. Im zweiten Schritt soll die Dresdner Bank laut Mitteilung auf die Commerzbank verschmolzen werden. Um dies zu finanzieren, muss eine außerordentliche Hauptversammlung der Commerzbank eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage ohne Bezugsrecht der Aktionäre genehmigen. Ob die Aktionäre dieser Kapitalerhöhung zustimmen, ist offen. Auf der Hauptversammlung 2007 hatten sie dies überraschend abgelehnt – hierin liegt somit für alle Beteiligten ein Risiko. Allerdings wird die Allianz auf der außerordentlichen Hauptversammlung, die vermutlich für den Februar 2009 einberufen wird, als neuer Großaktionär schon mitstimmen können: Durch die erste Tranche wird sie bereits 18,4 Prozent am erhöhten Commerzbank-Grundkapital halten.

          Synergiegewinne in Milliardenhöhe

          Auch der italienische Versicherungskonzern Generali, der mit rund 9 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, dürfte die Transaktion gutheißen. Die Commerzbank ist an der italienischen Mediobanca beteiligt, die wiederum eine Beteiligung an der Generali hält. In dieser zweiten Tranche werden, in Abhängigkeit von dem dann aktuellen Börsenkurs, so viele Commerzbank-Aktien neu ausgegeben werden, dass dies 3,2 Milliarden Euro entspricht. „Die Zielbeteiligungsquote der Allianz liegt bei knapp 30 Prozent“ heißt es in der Mitteilung. Überstiege die Beteiligung 30 Prozent, müsste die Allianz den Commerzbank-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Würde der dann anzusetzende Aktienkurs der Commerzbank wie jetzt gut 20 Euro betragen, oder mehr, würde dieses Vorhaben aufgehen. Beide Konzerne untermauern durch die Beteiligung eine künftige Vertriebspartnerschaft für Versicherungs- und auch Investmentprodukte. In Finanzkreisen wird erwartet, dass die Transaktion wegen möglicher Aktionärsklagen gegen die Kapitalerhöhung erst im Oktober oder November 2009 abgeschlossen sein dürfte.

          Beide Institute haben sich der Mitteilung zufolge auf die Errichtung eines Risikoschirms geeinigt. Mit diesem Schirm sollen etwaige Verluste abgedeckt werden, die sich bis zum Jahr 2018 aus den Engagements der Dresdner Bank in amerikanischen Hypothekenanleihen und ähnlichen strukturierten Finanzinstrumenten noch ergeben könnten. In den vergangenen Quartalen haben Dresdner Bank und Commerzbank durch die Subprime-Krise und ihre Weiterungen beide hohen Wertberichtigungsbedarf gehabt. Wie zu hören ist, soll die Commerzbank zu dem Risikoschirm 275 Millionen Euro beisteuern, welche die ersten anfallenden Lasten abdecken sollen. Für weitere Belastungen werde dann die Allianz bis zu einer Höhe von 975 Millionen Euro einspringen. Dieser Anteil des Kaufpreises fließt, wenn überhaupt, im Jahr 2018.

          9000 Arbeitsplätze sollen wegfallen

          Der fusionierte Konzern erwartet in den kommenden Jahren Synergiegewinne, deren abgezinster Barwert auf rund 5 Milliarden Euro veranschlagt wird. Dazu sollen Kostenverringerungen rund 3,5 Milliarden Euro beisteuern und Synergien aus Kapitalfreisetzungen 1,5 Milliarden Euro. Als Großaktionär werde die Allianz daran teilhaben, heißt es.

          Die Commerzbank will in beiden Geldhäusern zusammen 9000 der bislang etwa 67.000 Arbeitsplätze streichen. In Finanzkreisen gab es am Sonntag allerdings Zweifel, ob dies ausreichen werde. Der Abbau solle möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, hieß es. Besonders hart wird es voraussichtlich die Hauptverwaltungen in Frankfurt und das vor allem in London angesiedelte Kapitalmarktgeschäft (Investmentbanking) der Dresdner Bank treffen. Zudem sollen 600 der bislang zusammen etwa 1800 Filialen geschlossen werden.

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