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Commerzbank : Totgesagte leben länger

Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke am Donnerstag während der Vorstellung der Geschäftszahlen Bild: Reuters

Martin Zielke, Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößter Privatkundenbank, gibt sich ungewohnt zuversichtlich und ehrgeizig. Die Börse jubelt über die Commerzbank – aber länger als nur einen Tag? Eine Analyse.

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          Das Echo auf die im September bekannt gegebene neue Strategie der Commerzbank war verheerend: Mutlos, kein Ehrgeiz, Verwalten des Niedergangs – Commerzbank-Chef Martin Zielke musste sich von Anlegern, Aufsehern, Analysten und Journalisten viel Kritik gefallen lassen. Vor allem das nach den Sanierungsjahren 2019 bis 2021 für das Jahr 2023 von Zielke als realistisch in Aussicht gestellte Renditeziel der Commerzbank von 4 Prozent enttäuschte.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          An diesem Donnerstag nun war Zielke – eine ehrliche Haut, aber eigentlich kein Verkäufer – demonstrativ bemüht, positive Stimmung zu verbreiten. Einige gute Nachrichten im Gepäck halfen dabei. Und die Börse applaudierte: Um 5 Prozent sprang die gebeutelte Commerzbank-Aktie schon lange nicht mehr nach oben.

          Zielke gab sich ungewohnt ehrgeizig und zuversichtlich. Gefragt nach dem Ziel für den Aktienkurs von derzeit rund 6 Euro sagte der Commerzbank-Chef, der Buchwert sei zu erreichen. Derzeit wird die Commerzbank allerdings von der Börse nur mit 7 Milliarden Euro und damit einem Drittel des Eigenkapitals bewertet. Zielke gab zu, dass dies mit den niedrigen Eigenkapitalrenditen zu tun habe. Nach einem Gewinneinbruch im Jahr 2019 um 25 Prozent auf 644 Millionen Euro ging die Nettoeigenkapitalrendite weiter von 3,4 auf 2,4 Prozent zurück. Die Dividende wird von 20 auf 15 Cent gekürzt, die Risikovorsorge für faule Kredite steigt, der Verkauf der polnischen Tochter M-Bank verläuft schleppend.

          Weniger auf M-Bank-Verkauf angewiesen

          Doch zumindest für einen Tag erfreute sich die Börse an Zielkes ungewohnter Zuversicht. Auch wenn er noch kein neues Renditeziel nennen wollte, so sagte er doch nach einem operativ guten Quartal: „Das stimmt mich mit Blick auf unsere Renditeerwartung optimistischer, als ich es im vergangenen Herbst war." Und auch auf den M-Bank-Verkauf sei die Commerzbank weniger angewiesen als gedacht – denn die Kernkapitalquote sei auch durch aufsichtsrechtliche Lockerungen von 12,8 auf sehr komfortable 13,4 Prozent gestiegen.

          Zu den positiven Erkenntnissen im Zahlenwerk gehört auch, dass die Commerzbank mit dem widrigen Zinsumfeld besser zurecht kommt als zuletzt. Der Freibetrag für Geschäftsbanken bei der EZB mag dabei helfen, auch nahm die Commerzbank von Unternehmenskunden rund 100 Millionen Euro an „Guthabengebühren“ ein. Zielke hob aber eher auf den Wachstumskurs der vergangenen Jahre ab, der sich nun auszahle. Richtig ist jedenfalls, dass der wichtigste Ertragsbringer, der Zinsüberschuss, im Jahresvergleich um mehr als 300 Millionen Euro auf fast 5,1 Milliarden Euro gestiegen ist – ein Erfolg.

          Die zweite Einnahmequelle, der Provisionsüberschuss, ist im Jahresvergleich um rund 30 Millionen Euro auf knapp 3,1 Milliarden Euro gesunken, aber das vierte Quartal 2019 stimmt Bettina Orlopp zuversichtlich. Die 49 Jahre alte Orlopp, die gerade von Stephan Engels die Aufgabe als Finanzvorstand übernommen hat, sagte für 2020 einen Anstieg der Gebühreneinnahmen voraus, nachdem im vergangenen Quartal dank eines boomenden Wertpapiergeschäfts der höchste Provisionsüberschuss seit sieben Quartalen erzielt wurde. „Bereinigt“ würden die Erträge 2020 steigen, sagt die neue Finanzchefin voraus. Bereinigt heißt allerdings um die 120 Millionen Euro, die der Verkauf der Comdirect-Tochtergesellschaft E-Base zusätzlich in die Erträge spülte.

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