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Geldhaus in Not : Commerzbank plant Stellenabbau und Filialschließungen

Was wird aus der Commerzbank? Bild: dpa

Die Führung der Commerzbank strebt umfangreiche Einsparungen an. Es geht um mehr als Entlassungen.

          3 Min.

          Der Vorstand der Commerzbank hat am Freitag Vorschläge für die Aufsichtsratsitzung am kommenden Mittwoch und Donnerstag bekannt gemacht. Neben den schon länger diskutierten und nun konkret gewordenen Plänen für einen Stellenabbau – es geht um 4300 von 38.000 Arbeitsplätzen– und Filialschließungen – es trifft wohl 200 von 1000 Zweigstellen – wird dann auch Überraschendes auf dem Tisch liegen: Wie die F.A.Z. schon am Freitagmittag erfuhr, wird wahrscheinlich die profitable und stark wachsende Tochtergesellschaft Comdirec enger an die Commerzbank herangeführt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Pflichtmitteilung der Commerzbank am Freitagnachmittag hieß es dann: Die Zusammenführung der Tochtergesellschaft Comdirect mit der Muttergesellschaft sei ebenso Teil des Entwurfs für die neue Strategie wie die Mehrheit an der M-Bank zu veräußern. Der Aktienkurs der Commerzbank reagierte darauf mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 5,74 Euro positiv, aber nicht überschwänglich.

          Die seit 2009 teilverstaatlichte Commerzbank, die dem Bund noch zu 15,6 Prozent gehört, muss profitabler werden. 2018 hat sie ein Konzernergebnis nach Steuern von 865 (2017: 128) Millionen Euro erzielt. Das entspricht einer mageren Eigenkapitalrendite von 3,4 (0,5) Prozent. Doch statt des noch im Mai in Aussicht gestellten höheren Jahresgewinns ging zumindest der Halbjahresüberschuss von 519 Millionen Euro im Jahr 2018 auf nun 432 Millionen Euro zurück. Das 2016 ausgegebene Ziel, 2020 eine Eigenkapitalrendite von 6 Prozent zu erzielen, hat der Vorstand längst aufgegeben.

          Wie viel Geld kommt wirklich in die Kasse?

          Kommende Woche werden Vorstand und Aufsichtsrat den Plan für die Zeit ab 2020 beschließen. Im Entwurf für die neue Strategie nennt der Vorstand jetzt nur noch mindestens 4 Prozent Eigenkapitalrendite als Ziel. Im Niedrigzinsumfeld, das Ertragssteigerungen erschwert, setzt er auf Kostensenkungen: Bis 2023 will er im Vergleich zum Jahr 2019 rund 600 Millionen Euro einsparen. Nach dem Verkauf der polnischen M-Bank soll die Kostenbasis sogar nur noch höchstens 5,5 Milliarden Euro betragen. Ursprünglich hatte die Commerzbank für 2020 mit 6,5 Milliarden Euro an Aufwendungen geplant.

          Durch die Eingliederung der Direktbank Comdirect erhofft sich der Vorstand einen Teil der geplanten Einsparungen. Die Commerzbank will weiterhin rund 800 Filialen als „feste Säule der Strategie“ betreiben, aber einen Schwerpunkt auf den Ausbau des mobilen Kanals zu Privat- und Unternehmenskunden legen. Damit ist gemeint, dass Kunden immer häufiger die Bank übers Smartphone kontaktieren. „Da sich durch die fortschreitende Digitalisierung die Geschäftsmodelle der Commerzbank und der Comdirect immer stärker angleichen, sieht der Strategienentwurf die Verschmelzung der Comdirect auf die Commerzbank vor“, heißt es.

          Bisher sind Comdirect und auch die polnische M-Bank Tochtergesellschaften der Commerzbank. Beide werden selbst an den Börsen gehandelt und betrieben in den vergangenen Jahren als reine Online-Banken das Privatkundengeschäft erfolgreicher als die Commerzbank mit ihrem Mix aus Online-Banking und Filialen. Gerade der Sinn der Zwei-Marken-Strategie mit „Commerzbank“ und „Comdirect“ in Deutschland stand immer wieder zur Debatte. Bisher hatte die Commerzbank argumentiert, beide Banken wüchsen und bedienten unterschiedliche Kundengruppen.

          Comdirect und vor allem M-Bank gelten als innovativ, viele Teile des Online-Bankings der Commerzbank wurden von ihnen erprobt und zuerst eingesetzt. Auch ihre höhere Eigenkapitalrendite zeigt sich an der Börse: Die Comdirect, an der die Commerzbank 81 Prozent besitzt, legte dort am Freitag 2,5 Prozent zu und ist nun 1,6 Milliarden Euro wert. Kurstreibend wirkt hier, dass die Commerzbank wohl den übrigen Aktionären der Comdirect ein Übernahmeangebot machen muss. Die M-Bank, die der Commerzbank zu 69 Prozent gehört, kommt sogar auf einen Unternehmenswert von umgerechnet gut 3 Milliarden Euro. Die Commerzbank dagegen bringt als Konzern an der Börse einschließlich der Beteiligungen an Comdirect und M-Bank 7 Milliarden Euro auf die Waage.

          Durch den Verkauf der M-Bank könnte also Geld in die Kasse kommen, was die Commerzbank gebrauchen könnte. Schließlich teilte sie auch mit, sie wolle 750 Millionen Euro in ihre IT investieren. Und Filialschließungen und Stellenabbau kosten zunächst Geld, etwa für Abfindungen an ausscheidende Mitarbeiter. Hier kalkuliert die Bank mit 850 Millionen Euro Sanierungsaufwand.

          Voraussichtlich fallen rund 4300 Vollzeitstellen weg. Weil gleichzeitig an anderer Stelle rund 2000 Vollzeitstellen geschaffen werden sollen, verbleibe unter dem Strich ein Abbau von rund 2300 Stellen, heißt es. Die Details sollen in den nächsten Monaten ausgearbeitet werden. Ziel sei, den Stellenabbau „möglichst sozialverträglich“ zu gestalten, heißt es. Die Bank hat eine recht alte Belegschaft, so dass es auch in der Vergangenheit schon gelungen ist, trotz Stellenabbaus betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

          Eine andere Frage ist, ob durch den Verkauf der M-Bank wirklich viel Geld in die Kasse kommt. Zwei Kenner der Bank sagten der F.A.Z., der Buchwert, zu der die M-Bank-Beteiligung in der Bilanz der Commerzbank steht, liege nahe am Börsenwert. Damit sei kein großer Gewinn zu erwarten. Die Commerzbank teilte dazu nur mit, dass mit der M-Bank 17 Milliarden Euro an risikogewichteten Krediten aus der Konzernbilanz verschwänden und Eigenkapital freigesetzt werde.

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