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Privatkundengeschäft : Commerzbank eröffnet neue Flagship-Filialen

Neue Commerzbank-Filiale am Berliner Kurfürstendamm. Bild: Commerzbank AG

Der neue Privatkundenvorstand Michael Mandel erklärt seine Strategie: Kosten stabil halten, massiv wachsen und digital werden. Was bedeutet das fürs Filialnetz und die Direktbank Comdirect?

          Michael Mandel braucht keine Einarbeitungszeit, anders als sein neuer und alter Chef Martin Zielke. Der seit 1. Mai amtierende Vorstandsvorsitzende Zielke hat sich hundert Tage Zeit genommen, um der gesamten Commerzbank eine neue Strategie und neue Ziele bis etwa 2020 zu verpassen. Der neue Privatkundenvorstand Mandel dagegen ist schon drei Wochen nach Amtsantritt gesprächsbereit. Schließlich war Mandel zuvor als Bereichsvorstand Private Kunden rechte Hand des bisherigen Privatkundenvorstands Zielke. Mandel ist also im Thema, das da lautet: Wie geht es weiter, nachdem das Privatkundengeschäft seit 2012 erst kräftig gewachsen ist und jetzt endlich auch höhere Erträge und immerhin 700 Millionen Euro Jahresgewinn abwirft? Lässt sich das Ertragswachstum trotz Niedrigzinsphase fortsetzen, oder muss die teilverstaatlichte Commerzbank nicht auch wie die Konkurrenten Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank, wie Sparkassen und Volks- und Raiffeisen-Banken in großem Stil sparen und Filialen schließen?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mandel empfängt zum ersten Interview als Privatkundenvorstand im neuen Büro, das er im 47. Stock der Frankfurter Konzernzentrale bezogen hat. Ein gerade privat erworbenes Bild eines im Meer schwimmenden Elefanten hängt an der Wand; eine neue Uhr, ein Geschenk seiner Frau, steht hinter dem Schreibtisch, den Mandel wie anderes mehr von seinem Vorgänger Zielke übernommen hat. Auch an dessen Strategie scheint er nahtlos anknüpfen zu wollen: „Ausruhen ist keine Option“, sagt Mandel, denn Märkte und Kunden würden anspruchsvoller. Die Commerzbank müsse in den nächsten fünf Jahren massiv wachsen und deutlich effizienter werden. Dabei helfe die Digitalisierung. „Wir werden nicht einfach brutal die Kosten senken, sondern wir setzen auf sukzessive Ertragssteigerungen“, sagt Mandel. Eines seiner Ziele formuliert er so: „Die Kosten von derzeit 3 Milliarden Euro, die in unserem Segment Privatkunden seit 2012 jedes Jahr ungefähr anfielen, wollen wir stabil halten, trotz wachsender Kosten für IT und Regulierung.“

          Der Neue: Michael Mandel setzt auf Großstadtfilialen.

          Um dieses Ziel zu erreichen, hält Mandel „intensives Kostenmanagement“ für nötig. Denn wie andere Banken auch muss die Commerzbank viel in ihre Informationstechnik investieren. 2019 soll eine neue IT-Plattform stehen. Wie im März berichtet, sollen alle Kunden und Mitarbeiter dann alle Daten – gleichgültig ob in der Filiale, am heimischen Computer oder mobil über Smartphone eingegeben – sofort nutzen können. Um „wirklich digital zu werden“, lasse sich die Commerzbank diese einheitliche Plattform rund 200 Millionen Euro kosten, offenbart Mandel. Hinzu kommen IT-Entwicklungen, um schärfere Gesetze zu erfüllen, etwa in der Privatkundenberatung (Mifid 2). Jedes einzelne dieser Projekte kostet einen zweistelligen Millionenbetrag, in Summe wird er dreistellig. Das heißt: Mindestens 300 Millionen Euro müssen an anderer Stelle eingespart werden. Wo genau, will Mandel nicht verraten. Zwar läuft schon seit Jahren ein kontinuierlicher Stellenabbau, allein 2015 fielen 400 Stellen weg, aber noch immer beschäftigt die Privatkundensparte 12000 Mitarbeiter.

          Lieber als über Kostensenkungen spricht der Privatkundenvorstand über die Erträge, welche die Commerzbank gegen den Branchentrend seit 2012 um rund 10 Prozent hat steigern können – auch dank 820000 zusätzlicher Kunden. „In diesem Jahr werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit unser 2012 ausgegebenes Ziel erreichen und netto 1 Million neue Kunden gewonnen haben“, sagt Mandel. Aber was nützt das der Bank? „Unsere Kosten je Neukunde sind gering“, sagt Mandel und fügt hinzu. „Auf unserer Plattform ist noch viel Platz.“ Aber was bringt das Geld, das die inzwischen 12 Millionen Kunden bringen, wenn die Europäische Zentralbank der Commerzbank minus 0,4 Prozent Zins abverlangt? „Wir haben natürlich Gegenwind durch das Marktumfeld“, gibt Mandel zu. Er rechne damit, dass die Niedrigzinsphase noch eine ganze Weile andauere. „Deshalb setzen wir voll auf das Kreditgeschäft“, sagt Mandel. 18 Prozent mehr Baufinanzierungen, sogar 27 Prozent mehr Konsumentenkredite im Jahr 2015, das reicht ihm nicht. „Wir müssen möglichst viel zinstragendes Geschäft in unsere Bücher bekommen, damit wir möglichst wenig Geld überschüssig haben, das wir bei der EZB anlegen müssen“, sagt Mandel.

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