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Schlechte Anlageberatung : Commerzbank muss Stiftung entschädigen

  • -Aktualisiert am

Guter Rat ist teuer: Die Commerzbank hat eine Stiftung schlecht beraten Bild: Reuters

Banken sollen gemeinnützige Stiftungen besonders akkurat beraten. Jetzt muss ein Institut für den Schaden aufkommen, nachdem ein Investment in einem Immobilienfonds floppte. Der Fall betrifft viele.

          4 Min.

          Stiftungen fühlen sich oftmals von Banken schlecht beraten. Einer Krefelder Stiftung ist es jetzt gelungen, sich deswegen vor Gericht gegen ihr Finanzinstitut durchzusetzen und Geld zurückzubekommen. Die Commerzbank AG muss der Hildegard Bredemann-Busch-du Fallois Stiftung den Schaden ersetzen, der durch ihre Anlageberatung entstanden ist. Um die Kosten durch die Anlage in einem geschlossenen Immobilienfonds auszugleichen, ist die Bank verurteilt worden, der gemeinnützigen Organisation etwa 250.000 Euro zu zahlen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Stiftung geht auf die verstorbene Unternehmerin Hildegard Bredemann zurück, der einst die „Westdeutsche Zeitung“ gehörte. Die Stiftung kommt auf ein Grundkapital von mehr als drei Millionen Euro und fördert soziale Projekte in Krefeld wie das Stubs-Zentrum für Familien mit schwerstbehinderten Kindern oder ein Zentrum für Auszubildene in der Mediothek Krefeld. Die Entscheidung zugunsten der Stiftung hat das Oberlandesgericht Frankfurt Anfang des Jahres getroffen. Das Urteil liegt dieser Zeitung vor und ist jetzt rechtskräftig, da die Bank diesen Monat auf eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof verzichtet hat. Das Gericht führt im Wesentlichen zwei Gründe gegen die Commerzbank an: Die Anlageform in diesen Immobilienfonds sei mit dem Kapitalerhalt der Stiftung unvereinbar, wozu sie aber rechtlich verpflichtet ist. Auch habe die Commerzbank den Erhalt und die Höhe ihrer Provisionen verschwiegen. „Die Klägerin durfte schon aus stiftungsrechtlichen Gründen nicht das Risiko eingehen, das Stiftungskapital durch riskante Anlagegeschäfte zu mindern“, heißt es in dem Urteil des Oberlandesgerichts.

          Dieser Fall geht viele wohltätige Organisationen an. Das Gerichtsverfahren zeigt, wie schlecht es um deren Verhältnis zu den Finanzinstituten steht. „Das Urteil ist für eine sehr große Zahl von Stiftungen bedeutsam“, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. „Denn ein Großteil der Stiftungen wird von ihren Banken bislang nicht über die teilweise sehr hohen Rückvergütungen informiert, die zu Lasten der Stiftungserträge gehen. Manch eine Entscheidung bei der Vermögensbewirtschaftung würde von Stiftungen anders getroffen, wenn sie die entsprechenden Informationen über Rückvergütungen hätten.“

          „Die Empfehlung war nicht anlegergerecht“

          Einzelne Banken würden im Gegensatz zur Mehrheit auf heimliche Rückvergütungen verzichten. Der Stiftungsverband hat festgestellt, dass besser informierte Stiftungen im Durchschnitt höhere Erträge erzielen. „Außerdem stellt das Urteil klar, dass Banken und Sparkassen stiftungsgerecht beraten müssen und sich nicht von vertrieblichen Interessen leiten lassen dürfen“, sagt Hans Fleisch. „Auch wenn die Stiftungsvertreter in Vermögensfragen kompetent sind, mindert das nicht die entsprechenden Pflichten und die Haftung der Banken.“

          Stiftungen müssen ihr Kapital sicher anlegen. In Zeiten niedriger Zinsen fällt ihnen das schwer genug. Die Mitarbeiterin der Commerzbank, die damals die wohltätige Organisation beraten hatte, sagte vor Gericht, dass sie um die Wichtigkeit des Kapitalerhalts gewusst habe. Doch die Anlageform war damit unvereinbar: „Die Investition in den vorliegenden Fonds beschwor indessen unstreitig gewisse Verlustrisiken herauf, die sich aus der Finanzierung in einer Fremdwährung und der Unsicherheit der Entwicklung von erzielbaren Mieten und aufzubringenden Darlehenszinsen ergaben“, urteilt das Gericht. Hätte die Stiftung als Anleger ein höheres Risiko eingehen wollen, hätte dies die Bank beweisen müssen. Zudem habe die Commerzbank verschwiegen, dass sie mindestens 5 Prozent der Zeichnungssumme als Rückvergütung erhalten würde. „Die Empfehlung (...) war nicht anlegergerecht, weil mit der rechtlichen Verpflichtung der Klägerin, ihr Stiftungskapital zu erhalten, unvereinbar“, schreibt das Gericht in der Urteilsbegründung.

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