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Commerzbank-Chef Müller : Der Mann der Woche

  • -Aktualisiert am

Gut gelaunt: Commerzbank-Chef Müller Bild: dpa

Als Chef der Commerzbank und des Bankenverbandes steht Klaus-Peter Müller in dieser Woche im Rampenlicht. Wie geht es mit der IKB weiter - und wie mit dem eigenen Institut? Diese Fragen muss Müller maßgeblich mitbeantworten, unter anderem am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz seines eigenen Hauses.

          Nun ist Klaus-Peter Müller an der Reihe. Als sich in der vergangenen Woche sämtliche Blicke der deutschen Finanzgemeinde auf den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, richteten, weilte der intern schlicht "KPM" genannte Vorstandssprecher der Commerzbank im Urlaub. Diese Erholung in der Faschingszeit war wohl nötig, denn diese Woche wird für den 63 Jahre alten Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Banken in vielerlei Hinsicht ein Parforceritt.

          Ob Müller an den Sitzungen des Bankenpools zur Rettung der immer tiefer im Sumpf der amerikanischen Hypothekenkrise versinkenden Düsseldorfer IKB teilnehmen wird, ist nicht zu erfahren. Als sicher gilt aber, dass der Bankmanager ebenso wie in den Monaten zuvor im Hintergrund die Strippen zieht, mit den anderen Bankenchefs und der Politik spricht und die Positionen festzurrt. Allerdings ist Müller schon lange nicht mehr der einzige, der hinter den Kulissen Lobbyarbeit betreibt. Auch der früher an diesen Dingen weniger interessierte Deutsche-Bank-Chef Ackermann macht mittlerweile Politik. Manche sagen, er habe einen besseren Draht zur Bundeskanzlerin Angela Merkel als der CDU-Politiker Müller.

          Interesse an der IKB verloren

          Bislang sträuben sich die Privatbanken unter der Führung des Commerzbank-Lenkers, der IKB weiter unter die Arme zu greifen. Daran wird sich wohl kurzfristig nichts ändern. Denn in seinem Umfeld wird der Ball den anderen an der Rettung beteiligten Parteien zugeschoben. "Nun ist erst einmal das Dreieck Sanio, Matthäus-Maier und Steinbrück gefragt", heißt es mit Anspielung auf die Chefs der Aufsichtsbehörde Bafin, der staatseigenen KfW und des Bundesfinanzministeriums.

          Anders als in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Bankenverbandspräsident hat der eloquente Manager in seiner Rolle als Commerzbankchef das Interesse an der IKB längst verloren. "Wir lassen die Finger davon", wird in der Bank angesichts der ausufernden Verluste der IKB bestätigt, was Müllers designierter Nachfolger Martin Blessing schon Ende vergangenen Jahres im Gespräch mit dieser Zeitung andeutete. Denn warum sich das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut die hohe operative Rendite ihrer Mittelstandsbank durch ein problembeladenes Haus wie die IKB verwässern soll, würde wohl kein Aktionär verstehen.

          Ein Kauf der Postbank - das wäre die Krönung

          Ganz anders sieht es dagegen mit der Postbank aus. Wie immer mit großem Vergnügen dürfte Müller am Donnerstag dieser Woche auf der Bilanzpressekonferenz abermals sein Interesse an der Postbank bekunden. Diese steht möglicherweise schon in den nächsten Monaten zum Verkauf. Der Kauf der Postbank wäre der lang ersehnte große Wurf der Commerzbank im deutschen Privatkundengeschäft - und dessen Anbahnung zugleich der krönende Abschluss der Müllerschen Vorstandskarriere. Denn im Mai gibt der verheiratete Vater, der rheinisches Naturell mit preußischem Pflichtbewusstsein verbindet, seinen Posten an Martin Blessing ab. Müller wechselt dann in den Aufsichtsrat, um sich dort zum Vorsitzenden wählen zu lassen.

          Doch zunächst steht der ausgebildete Bankkaufmann, der sich glaubwürdig und mit großem Einsatz für die Bildung in Deutschland engagiert, am Donnerstag für die Zahlen das vergangenen Geschäftsjahrs gerade. Die dürften wohl überzeugen, Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von mehr als 1,9 Milliarden Euro - mehr als je zuvor in der Geschichte der Bank. Das ist freilich lediglich ein knappes Drittel dessen, was die Deutsche Bank verdient hat. Dafür kann Müller für sich beanspruchen, die wahre "deutsche Bank" zu sein - immerhin erwirtschaftet die Commerzbank rund drei Viertel ihres Gewinns im Inland.

          Um keine optimistische Antwort verlegen

          Doch die Vergangenheit ist an der Börse wenig wert. Daher wird der Mann der Woche am Donnerstag vor allem die Frage beantworten müssen, wie er die Commerzbank mit ihrem starken Standbein im Mittelstandsgeschäft durch wirtschaftlich schwierigere Zeiten zu navigieren denkt. Doch auch hier wird der ebenso selbstbewusste wie eloquente Banker sicherlich um keine optimistische Antwort verlegen sein.

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