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Virtuelle Hauptversammlung : Aktionäre der Commerzbank kritisieren Wirtschaftsprüfer EY

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Manfred Knof Bild: dpa

Zwar stimmt eine große Mehrheit dafür, dass EY 2021 die Bank noch prüft. Doch ein Rechtsstreit droht: Die Commerzbank hat auf die auch von EY testierte Bilanz von Wirecard vertraut und beklagt jetzt einen hohen Kreditausfall.

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          Die Aktionäre der Commerzbank haben Vorstand und Aufsichtsrat auf der virtuellen Hauptversammlung zur Eigenständigkeit des Kreditinstituts und zum Ausfall seines großen Kredits an Wirecard befragt. Einige wollten wissen, ob der am 1. Januar 2021 von der Deutschen Bank zur Commerzbank als Vorstandsvorsitzender gewechselte Manfred Knof einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank vorbereite. Die beiden Banken hatten im Frühjahr 2019 erfolglos Fusionsgespräche geführt. Knof antwortete, seine Strategie solle keineswegs dazu dienen, einen Zusammenschluss mit einem Wettbewerber herbeizuführen. Vielmehr sei er angetreten, um der Commerzbank „eine lange, eigenständige Zukunft“ zu sichern. „Die deutsche Wirtschaft braucht eine starke, verlässliche und eigenständige Commerzbank“, sagte Knof.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein großes Thema mehr für die Aktionäre war die Führungskrise im Sommer 2020, als gleichzeitig der Vorsitzende des Vorstandes Martin Zielke und des Aufsichtsrats Stefan Schmittmann ihre Posten zur Verfügung stellten. Daraufhin war auch Finanzchefin Bettina Orlopp als neue Vorstandsvorsitzende gehandelt worden. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Gottschalk beobachtet nach seinen eigenen Worten auf der Hauptversammlung nun allerdings, dass mit Knof an der Spitze ein Vorstandsteam zusammenwachse. Auch im Aufsichtsrat soll durch die am Dienstag erfolgte Wahl von vier neuen Mitgliedern mehr Einigkeit einziehen.

          Die Unternehmensberaterin Daniela Mattheus, die frühere Telekom-Managerin Caroline Seifert, das frühere DZ-Bank-Vorstandsmitglied Frank Westhoff sowie der Versichervorstand Burkhard Keese ersetzen Aufsichtsräte, mit denen sich die Vertreterin des Großaktionärs Bund, Jutta Dönges, überworfen hatte. Wohl wegen dieser Streitereien erhielt der alte Aufsichtsrat nur von 86,9 Prozent der abstimmenden Aktionäre die Entlastung. Alle anderen Abstimmungen endeten mit Zustimmungsquoten für die von der Verwaltung gemachten Vorschläge von mehr als 99 Prozent.

          Ausfall des Wirecard-Kredits kostet 187 Millionen

          Auf der Hauptversammlung stellten Aktionäre viele Fragen zum Kredit an die insolvente Wirecard AG, der die Commerzbank – Stand jetzt – 187 Millionen Euro gekostet hat. Knof und Orlopp sagten, die Kreditwürdigkeit Wirecards habe angesichts der testierten Jahresabschlüsse bis Juni 2020 nicht in Zweifel gestanden. Gottschalk sagte, der Aufsichtsrat habe kein Fehlverhalten des Vorstandes festgestellt. Wegen der hohen Relevanz – Wirecard machte mehr als 10 Prozent der gesamten Risikovorsorge der Commerzbank im Jahr 2020 aus – werde die Kreditvergabe noch durch eine externe Kanzlei geprüft, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Die Commerzbank ist auch dabei, Schadenersatzansprüche zu prüfen, unter anderem gegen den Wirecard-Vorstand.

          Auch gegen Wirecards Wirtschaftsprüfer EY könnte die Commerzbank rechtliche Schritte vornehmen. Dies wäre deshalb pikant, weil EY auch Wirtschaftsprüfer der Commerzbank ist und erst im Jahr 2022 von KPMG abgelöst werden soll. Viele Aktionäre sprachen sich dafür aus, dass das schneller passiert. Knof entgegnete, für das Geschäftsjahr 2021 hätte KPMG nicht als Abschlussprüfer zur Verfügung gestanden, es sei überhaupt nur ein einziger anderer Wirtschaftsprüfer bereit gewesen, so dass keine Auswahl bestanden habe. Zudem brauche es eine Übergangsphase für den Prüferwechsel, die schon in diesem Jahr beginne. Am Ende stimmten auf der Hauptversammlung 99,5 Prozent der Aktionäre dafür, dass EY auch noch 2021 die Bilanz der Commerzbank prüft.

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