https://www.faz.net/-gqe-7snpr

Comeback : Burger King folgt dem Hähnchenpommes-Fanklub

Burger King bringt die Hähnchenpommes zurück in seine Schnellrestaurants. Bild: Dirk Zimmer

Streicht ein Hersteller ein beliebtes Produkt aus dem Sortiment, machen Kunden ihrem Unmut im Netz Luft. Oft folgt dann das Comeback - aufwendig inszeniert, versteht sich.

          2 Min.

          „Der Kunde ist König.“ Kaum ein Satz wird von Marketingabteilungen so oft beschworen wie dieser, auch wenn er allzu oft ein Lippenbekenntnis bleibt. Kein Wunder also, dass sich der Fastfood-Konzern Burger King jetzt voller Stolz damit brüstet, die zwischenzeitlich aus dem Sortiment genommenen Hähnchenpommes wieder anzubieten. „Chicken Fries Are Back“, verkündete er via Twitter, Grund sei die überwältigende Nachfrage. Seit das Unternehmen die mit Panade ummantelten Hähnchenteile vor zwei Jahren von der Karte genommen habe, hätten sich die Protest-Tweets, Hähnchenpommes-Fanseiten bei Facebook und Tumblr und Anrufe gehäuft. Das Wehklagen habe ein Ausmaß angenommen, das man nicht länger ignorieren könne.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „In Spitzenzeiten haben wir alle vierzig Sekunden einen Tweet über die Chicken Fries gesehen“, sagt Eric Hirschhorn, der Marketingchef von Burger King für Nordamerika. „Wenn man Gäste hat, die so versessen auf ein Produkt sind, dann muss man ihnen geben, was sie wollen.“ Das Unternehmen vermarktet das Comeback nach allen Regeln der Werbekunst, selbst einen Fanartikel-Shop gibt es, der neben den üblichen T-Shirts und Tassen auch Hähnchenpommes-Tattoos führt. Um die Nachfrage zusätzlich anzuheizen, gibt es die Chicken Fries „nur für begrenzte Zeit“ - von zwölf Wochen ist die Rede.

          „Brot ist tot“

          Der Wahnsinn hat Methode: Im April erst hatte Konkurrent Kentucky Fried Chicken (KFC) für gut einen Monat seinen „Double Down Sandwich“ wieder zurück in die amerikanischen Filialen gebracht, ein Hähnchenbrust-Schmelzkäse-Speck-Gemisch („Brot ist tot“), 590 Kalorien und 32 Gramm Fett je Stück. Auch hier gab es offenbar hartnäckige Anhänger, die sich gegen den allgemeinen Gesundheitstrend stemmten.

          Auch deutsche Unternehmen lassen sich die Chance zur Wiedereinführung von einst eingestellten Produkten nicht entgehen. Beispiel Ritter Sport: Der Schokoladenhersteller hatte die Sorte Olympia, nach eigenen Angaben „das Kultprodukt der Achtziger“, vor vielen Jahren aus dem Sortiment genommen, weil sie zur schwächsten Sorte geworden war. Doch über die Jahre forderten Fans die Schokolade mit den gehackten Haselnüssen und der Creme mit Traubenzucker und Honig zurück - mit Erfolg. 2009 war Ritter Sport Olympia wieder da, begleitet von einer großen Werbekampagne.

          Einer der Beteiligten war Tobias Spörer, Geschäftsführer der Hamburger Agentur Elbkind. Ist es wirklich so, dass die Kunden ein Produkt zurückwollen - oder wollen nicht doch eher findige Marketingstrategen schlicht möglichst viel Aufmerksamkeit erregen? Bei Ritter Sport sei eindeutig Ersteres der Fall gewesen, sagt Spörer. „Tausende“ Nachfragen habe es in Sachen Olympia gegeben. Der Werber sieht das zum einen als Phänomen des Zeitgeists: Wenn „Retro“ in Mode ist, seien auch die entsprechenden Produkte wieder gefragt. Zum anderen mache das Internet es den Verbrauchern auch leicht, ihre Meinung zu äußern. „Die Sichtbarkeit ist größer geworden. Und wer tatsächlich schreibt, ist nur die Spitze des Eisbergs.“Im Fall von Olympia habe sich das Comeback jedenfalls gelohnt: Die Sorte war wochenlang die verkaufsstärkste im Sortiment, statt nur für kurze Zeit gibt es sie bis heute.

          Rest in Peace, Expedit

          Auch Nogger Choc gilt als Beispiel für die Macht des Verbrauchers, sich geliebte Produkte zurückzuholen. 15 Jahre hatte es das Eis am Stiel mit dem Nougatkern gegeben, als Langnese es 2001 strich. Daraufhin gründete sich bei Studi VZ eine Gruppe von Nogger-Choc-Vermissern, die immerhin 16 000 Mitglieder zählte. 2008 brachte Hersteller Unilever das Produkt wieder auf den Markt, wo es sich bis heute hält. Ganz verstummt ist die Kritik im Netz gleichwohl nicht. Das neue Nogger Choc schmecke nicht wie das alte, heißt es jetzt - der Nougatkern sei früher fester, irgendwie nougatiger gewesen.

          Noch keinen Erfolg hatte die offenkundig große Zahl von Anhängern des Ikea-Regals „Expedit“. Das flog bei der jüngsten Überarbeitung des Sortiments aus dem Programm und wurde durch „Kallax“ ersetzt. Sogleich gründete sich bei Facebook die Gruppe „Rettet Expedit“. Doch bislang bleibt Ikea hart, verweist auf die große Ähnlichkeit zwischen den zwei Modellen. Viel Hoffnung haben die Expedit-Getreuen offenbar nicht mehr. Inzwischen heißt die Seite „R.I.P. Expedit“.

          Weitere Themen

          SpaceX-Rakete stürzt ins Meer

          Missglückte Landung : SpaceX-Rakete stürzt ins Meer

          Bei der Landung stürzt eine Rakete des amerikanischen Raumfahrtunternehmens direkt neben der Plattform ins Wasser. Immerhin ihre Fracht konnte die Falcon 9 allerdings erfolgreich ins All befördern.

          Milliardenverluste für Tourismusbranche Video-Seite öffnen

          Südostasien : Milliardenverluste für Tourismusbranche

          Thailand, Kambodscha, Taiwan – diese Länder spüren die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus wohl am heftigsten. Die ansonsten reiselustigen Chinesen sind angehalten, zu Hause zu bleiben. Für die südostasiatische Tourismusbranche bedeutet das Milliardenverluste. .

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.