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Zur WM in Brasilien : Die Vuvuzela bekommt einen Nachfolger

Gute Laune marsch: Die lustigen Drei von Brandivision Bild: Gerd Kehrberg

Vor vier Jahren haben sie die Vuvuzela nach Deutschland gebracht. Nun wollen die drei Geschäftsleute aus Monheim wieder für Fußball-Stimmung sorgen und bereiten den nächsten Krachmacher vor.

          Ein Blick ins Büro der Brandivision GmbH genügt, und das laute Getröte während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 scheint wieder im Ohr. Als Zwei-Meter-Variante – aufgepustet und aus Gummi – steht die Vuvuzela neben Besprechungstisch und Flachbildschirm. „Wir waren das“, sagt Frank Urbas mit verschmitztem Grinsen. Diesen Satz verwendet der Vertriebsgeschäftsführer häufiger. Auch bei Gesprächen mit potentiellen Kunden bringt er den damaligen Erfolg gerne ins Spiel, ist der Name Brandivision doch in der Öffentlichkeit kaum bekannt. An die südafrikanische Tröte, die Urbas, 52 Jahre alt, und seine Kompagnons Gerd Kehrberg, ebenfalls 52 Jahre, und Dirk Hagen Zimmermann, 46 Jahre alt, vor vier Jahren nach Deutschland geholt haben, erinnert sich dagegen wohl fast jeder.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Auch zur bevorstehenden Fußball-WM in Brasilien wittern die drei Geschäftsleute, die kürzlich mit ihrer Agentur für Produktentwicklung wegen der niedrigeren Gewerbesteuer von Düsseldorf nach Monheim am Rhein umgezogen sind, ihre Chancen. Brasilien, Karneval, Samba („Am Samba kommen wir nicht vorbei“) – die Idee zu einem neuen Krachmacher war rasch geboren. Namens- und Patentrechte wurden gesichert, der in Salvador da Bahia geborene Bayern-Spieler Dante als Werbepartner verpflichtet. Combinho nennt sich die mehrteilige Kombination aus Trommel, Ratsche, Rassel und Pfeife. Die Farben: Schwarz-Rot-Gelb. Erste Verkaufsgespräche liefen vor weit mehr als einem Jahr. Seit August stellte ein Lohnfertiger in China mehr als 1 Million Exemplare her. Die „brasilianische Fußballatmosphäre in die Welt transportieren“ soll Combinho, wenn es nach Gerd Kehrberg geht, früher Geschäftsführer von Alemannia Aachen und Rot-Weiß Oberhausen und bei Brandivision – man merkt es – für Marketing zuständig.

          „Wir hätten mehr verkaufen können“

          Auf den WM-Zug springen unzählige andere Anbieter auf, beispielsweise Edgar Edringer aus Dodenburg in der Eifel. Für seine Trommel namens Batukaela hat er eine Lizenz des Deutschen Fußball-Bunds erworben. 50.000 Exemplare ließ Edringer im benachbarten Ort Binsfeld produzieren. Verkaufen will er die Trommeln über seinen Online-Shop, Brauereien und Großhändler.

          Mit der Vuvuzela hatten die drei von Brandivision vor vier Jahren einen Überraschungstreffer gelandet – und daran „gut verdient“, wie Urbas sagt. Die Idee war entstanden, als Nelson Mandela zur Vergabe der WM an sein Heimatland mit 300 Vuvuzelas nach Zürich flog. Damals habe er das „extreme Potential“ der Tröte als Fanartikel erkannt, sagt Kehrberg. Vom südafrikanischen Rechteinhaber Masincedane Sport Company kaufte er gemeinsam mit Urbas das Recht zur Produktion und zum Vertrieb der Vuvuzela in der Europäischen Union. Zu diesem Zweck hoben sie die Urbas Kehrberg GmbH aus der Taufe, die sie 2011 in Brandivision umbenannten.

          Mit ins Boot kam der Industriedesigner Zimmermann, der das Original aus Südafrika für den europäischen Markt anpasste. Er entwarf eine aus drei Teilen bestehende Version, die nicht als Schlagstock verwendet werden kann. Zudem wurde der Tröte ein Schalldämpfer verpasst. Die Produktion übernahmen die Kunststoffverarbeiter Allit AG in Bad Kreuznach und die Fuchs GmbH&Co. KG die Gummersbach. Zu den Kunden zählten Shell, Edeka, Vodafone sowie die Brauereien Paulaner, Bitburger und König Pilsener. Rund 5 Millionen Vuvuzelas gingen damals hierzulande über die Ladentheken, weitere 200.000 Stück lieferten sie nach Frankreich, Schottland, Griechenland und in die Slowakei. „Wir hätten noch mehr verkaufen können, wenn die Unternehmen nicht so vorsichtig gewesen wären“, behauptet Urbas rückblickend.

          Vorbereitung für die EM 2016 läuft

          Für das laufende Jahr hofft Brandivision auf einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Neben Combinho sollen dazu unter anderem auch sogenannte Auto-Finnen in den deutschen Nationalfarben beitragen. Die Kunststoffleisten, die wie Flaggen anmuten, können an der Motorhaube oder am Heck eines Fahrzeugs angebracht werden.

          Zwar dominiert das Geschäft rund um die Fußball-Großereignisse, doch will die Agentur zunehmend auch andere Felder erschließen. So werden für Unternehmen Werbeartikel entwickelt und beschafft – mit einem innovativen Anspruch, wie Zimmermann erläutert. „Der tausendste Werbekugelschreiber hat keinen Wert mehr.“ Gefragt seien vielmehr Alleinstellungsmerkmale. So wurde etwa für eine Brauerei eine Box mit einem Flaschenöffner erdacht, der sich auch zum Schraubenzieher umfunktionieren lässt. Im Auftrag eines Herstellers von Energydrinks entwarf Brandivision einen hochwertigen Koffer mit Poker-Zubehör, für den Schirm- und Reisegepäckhersteller Happy Rain wurde eine Taschen- und Kofferkollektion entwickelt.

          Doch auch in Sachen Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich sind die drei Unternehmer schon wieder frühzeitig tätig: Von acht Produktentwürfen werden derzeit erste Muster gebaut.

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