https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cobots-kleine-roboter-fuer-die-grossbaeckerei-18333343.html

Cobots : Kleine Roboter für die Großbäckerei

  • -Aktualisiert am

Ofenfertig: Für diesen Cobot ist es keine Schande, sondern ein Fortschritt, kleine Brötchen zu backen. Bild: Fanuc

Cobots, die Seite an Seite mit Menschen arbeiten, drängen ins Handwerk. Fanuc, der Robotik-Pionier aus Japan, drängt mit.

          3 Min.

          Mit wuchtigen Industrierobotern ist Fanuc aus Japan seit seiner Gründung Anfang der Siebzigerjahre groß und größer geworden. Das Unternehmen gilt, neben ABB aus der Schweiz, als Platzhirsch und Marktführer der Branche. Aktuell ist die Entwicklung allerdings eine andere, Fanuc wird klein und kleiner – zumindest was seine Roboter betrifft.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Konzern, der ausschließlich in Japan produziert und seine Geschäfte in Deutschland mit einer Tochtergesellschaft in Neuhausen nahe dem Stuttgarter Flughafen betreibt, fokussiert sich mehr und mehr auf sogenannte Cobots. Jene filigraneren Roboter also, die geringere Lasten tragen, dafür aber außerhalb von Schutzkäfigen arbeiten, weil sie ungefährlich für Menschen sind. Es sind kollaborative Helfer für eine neue Klientel: das Handwerk, kleinere Betriebe, alles ist denkbar. Hauptsache, es geht um sogenanntes Handling, den Transport oder die Bearbeitung leichter Teile. Brötchen zum Beispiel.

          Sie verzieren auch Torten

          So wie beim Unternehmen Wiesheu aus Großbottwar, südöstlich von Heilbronn. Es ist hierzulande einer der größten Hersteller von Backautomaten, wie sie nicht nur in Bäckereien, sondern inzwischen auch in vielen Supermärkten stehen. Backen vor Ort liegt im Trend. Wenn Rohlinge für Brötchen Stück für Stück auf Backbleche gelegt, in den Ofen geschoben und anschließend fein säuberlich in Verkaufsbehälter verteilt werden, dann schlägt die Stunde von Fanuc-Cobots. Sie haben sensible Greifer, Kameras zur Erkennung ihrer Umgebung, eine Bedieneroberfläche, die fachfremde Anwender nicht überfordert. Sie verzieren auch Torten, palettieren Waren im Lager, bearbeiten Nahrungsmittel, schweißen.

          Ralf Winkelmann, Geschäftsführer von Fanuc Deutschland, sagt, dass sich ein völlig neuer Markt für sein Unternehmen und die gesamte Branche geöffnet habe. Viele potenzielle Kunden beschäftigten sich zum ersten Mal mit Automatisierung mittels Robotern. Und durch den Fachkräftemangel würden es immer mehr. Denn Cobots übernehmen Arbeitsschritte, die monoton und wenig verlockend sind und für die erwartbar immer weniger Beschäftigte zur Verfügung stehen. Außerdem gilt Automatisierung als Schlüssel für eine größere Produktivität.

          Ein Riesenlager in Luxemburg

          Rund 200 Millionen Euro steuert Winkelmann mit einem Team von 300 Leuten zum Konzernumsatz von etwa 5,5 Milliarden Euro bei. Über die neue Roboterwelt sagt er: „Im Handwerk hängt die Akzeptanz von Robotern davon ab, dass sie leicht, also intuitiv zu bedienen sind.“ Diese Vereinfachung komme nach und nach auch bei den Industrierobotern an, das neue Geschäft befruchte das traditionelle. Andererseits: „Cobots sind sicher nicht das Allheilmittel, das alle Probleme lösen kann.“ Mitunter landeten Kunden am Ende doch bei Industrierobotern.

          Winkelmann hat drei Niederlassungen in Deutschland, eine vierte soll demnächst hinzukommen. Von dort schwärmen Vertriebler und Techniker aus. Zen­tral neben Neuhausen, Standort des europäischen Entwicklungszentrums, ist allerdings Luxemburg. Hier kommen alle Produkte und Ersatzteile aus Japan an, werden gelagert und je nach Bedarf auf dem europäischen Markt verteilt. Die Roboter werden vor Ort nur noch für die Anforderungen der Kunden angepasst. Es ist vor allem eine Software-Aufgabe, eine Frage der Programmierung.

          Das wirkt wie aus der Zeit gefallen, ist Winkelmann aber nur recht. Die Lagerhaltung möge unkonventionell wirken, „aber sie ist im Lieferkettenchaos äußerst robust“. Fanuc habe immer eine hohe Verfügbarkeit an Robotern und Ersatzteilen, und das sei eine wichtige Voraussetzung, um die Geräte bei Kunden über den kompletten Lebenszyklus zu betreuen. Die Idee der japanischen Gründer, Produktion sowie Forschung und Entwicklung eng in Japan beieinanderzuhalten, habe sich bewährt.

          Der Robotik-Weltverband meldet seit Jahren regelmäßig steigende Zahlen zum Verkauf von Robotern, unabhängig von den Weltregionen; Treiber ist auch auf diesem Feld Asien. Die Beratungsgesellschaft BCG taxierte den Markt für Roboter bis zum Jahr 2030 auf 260 Milliarden Dollar. Es wäre eine Verzehnfachung. Cobots werden meistens nicht separat ausgewiesen, aber mit wem es Fanuc zu tun hat, ist bekannt. Die Konzerne der Branche – also auch Kuka oder ABB – haben neue Konkurrenz bekommen. Dass ein vormaliges Start-up wie Universal Robots aus Dänemark mit Cobots zu einem 300-Millionen-Dollar-Unternehmen werden konnte, schreiben Kritiker auch der Trägheit der Platzhirsche zu.

          Die haben ihr Engagement im kleineren Roboter-Segment längst verstärkt. Winkelmann jedenfalls fühlt sich mit einem starken Mutterkonzern im Rücken in einer komfortablen Lage. „Viele Ideen entstehen in der Garage oder im Labor“, sagt er. „Aber Kunden müssen mit Cobots auch Geld verdienen können.“ Wenn es um die Skalierung gehe, könne Fanuc seine Expertise und jahrelange Erfahrung ins Spiel bringen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Viel Zeit bleibt nicht: In eineinhalb Jahren steht für Hansi Flick und die Nationalmannschaft die Europameisterschaft im eigenen Land an.

          Der Bundestrainer bleibt : Schlechte Voraussetzungen für Flick

          Was seit dem WM-Aus passiert ist, lässt schwer auf eine erfolgreiche Zukunft der Nationalelf mit Hansi Flick hoffen. Der DFB geht ein großes Risiko ein – es fühlt sich so an, als hätte man das alles erst erlebt.
          Zugriff: Polizisten führen am Montag Prinz Reuß ab

          Plante Umsturz : Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?

          Eine Gruppe aus der „Reichsbürger“-Szene plante offenbar den Umsturz der demokratischen Ordnung Deutschlands. Rädelsführer soll ein Prinz aus Frankfurt sein – mit Hang zur Esoterik und Geldproblemen.
          Jetzt auch ohne negativen Test: Eine U-Bahn in Zhengzhou am 5. Dezember

          Null-Covid-Politik beendet : Xi Jinpings rasante Corona-Kehrtwende

          Nach den Protesten gegen die Null-Covid-Strategie entscheidet Xi Jinping sich zur Flucht nach vorn. Was die Führung in Peking gestern noch als Ausdruck des überlegenen chinesischen Systems pries, wird nun korrigiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.