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CO2-Vorgaben : Europas teures Vierliterauto

  • -Aktualisiert am

10.000 Euro Aufpreis: Der Porsche Panamera mit Hybrid-Motor. Bild: dpa

Wie viel CO2 dürfen Autos ausstoßen? Der Streit tobt seit Monaten. Jetzt macht die Europäische Union einen neuen Vorschlag. Er hat Chancen, angenommen zu werden. Aber billiger wird das Spritsparen dadurch nicht.

          Bis 2020 soll aus dem heute in Europa üblichen Fünfliter-Neuwagen ein Vierliterauto werden. So will es die Europäische Union. Doch die deutsche Autoindustrie, namentlich Daimler und BMW, versucht die Vorgaben derzeit zu entschärfen. Denn für die Deutschen sind die mit Strafzahlungen bewehrten Verbrauchsobergrenzen besonders schwierig einzuhalten, weil sie etwas größere, schwerere und deshalb mehr Sprit verbrauchende Autos bauen als Konkurrenten wie Fiat, Peugeot oder Toyota.

          In den seit Monaten anhaltenden Streit um die Grenzwerte scheint nun wieder Bewegung zu kommen. Das Europäische Parlament hat gegenüber den Vertretern der EU-Staaten – darunter vor allem Deutschland - eine langsamere Einführung von Strafzahlungen ins Spiel gebracht. In der kommenden Woche wollen die Abgeordneten darüber entscheiden, ob sie formal die Verhandlungen zwischen Parlament, EU-Rat und EU-Kommission im sogenannten Trilog aufnehmen wollen.

          Der Vorschlag des Parlaments klingt nach einem Kompromiss, der Chancen auf Verwirklichung hat. Wenn die Verbrauchsobergrenzen von den Autoherstellern verletzt werden dürfen, ohne dass dies Strafzahlungen nach sich ziegt, dann verlieren sie finanziell zunächst ihren Schrecken. Aus Sicht der Autoindustrie wäre das begrüßenswert. Sie muss sich ohnehin nach und nach auf schärfere Grenzwerte einstellen, zum Beispiel aus China.

          Zugleich würden auch die Klimaschützer zufrieden gestellt. Denn sie könnten zumindest jedes Unternehmen anprangern, das die Grenzwerte verletzt – wenn auch ohne finanzielle Folgen.

          Technisch möglich, aber teuer

          Die Zeit für eine sinnvolle Einigung ist kurz. Noch vor Ende des Jahres muss ein Kompromiss gefunden werden. Andernfalls scheint eine Verschiebung bis nach der Europawahl unausweichlich. Das würde neue Unsicherheit schaffen - und Unsicherheit an sich ist immer schlecht für die Unternehmen.

          Die technischen Auflagen der neuen Vorschläge lassen sich durchaus einhalten, aber es wird teuer. Der aktuelle VW Golf 1,6 TDI verbraucht 3,2 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Die aktuelle E-Klasse von Daimler braucht vier Liter, der Porsche Panamera Hybrid drei Liter. Alle liegen unter der Vier-Liter-Grenze. Bis 2020 haben die Hersteller noch eine ganze Fahrzeuggeneration Zeit.

          Billig wird das Vierliterauto für Europa trotzdem nicht. Verschiedene Studien schätzen die Kosten für zusätzliche Spritspartechnik je Auto auf 1000 Euro. Der Porsche Panamera kostet in seiner Hybrid-Version derzeit sogar 10.000 Euro mehr als das herkömmliche Modell. Für die Autoindustrie als Ganzes schätzt das Londoner Analysehaus International Strategy & Investment den Betrag auf 12 Milliarden Euro.

          Nur ein Teil dieser Summe wird dank technischer Entwicklungen gespart werden, ein weiterer Teil wird auf Kosten der Aktionäre gehen – und auf Kosten der Kunden. Die Kunden müssen hoffen, dass sie den Aufpreis durch den Benzinpreis wieder herausfahren können.

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