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Deutscher Industriekonzern : „Bosch wird 2020 klimaneutral sein“

Tulpen stehen vor dem Bosch-Forschungscampus in Renningen in Baden-Württemberg. In Forschung und Entwicklung steckt das Unternehmen 9,3 Prozent seines Umsatzes. Bild: dpa

Das Traditionsunternehmen Bosch will vom nächsten Jahr an alle 400 Standorte klimaneutral betreiben. Konzernchef Denner erklärt, wie das funktionieren soll.

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          Schon ab dem nächsten Jahr will der Industriekonzern Bosch alle seine 400 Standorte klimaneutral betreiben. „Ab 2020 wird Bosch keinen CO2-Fußabdruck mehr hinterlassen“, lautet das Versprechen von Konzernchef Volkmar Denner. Bosch ist das erste große Industrieunternehmen mit so einer konkreten Ankündigung. Zur Realisierung muss Bosch bis nächstes Jahr 3,3 Millionen Tonnen CO2 neutralisieren.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Kurzfristig wird das Unternehmen vor allem mehr Ökostrom zukaufen und unvermeidbare CO2-Emissionen mit Kompensationsmaßnahmen ausgleichen. Dazu investiert Bosch in zertifizierte Umweltprojekte. Solche Kompensationsmaßnahmen sollen aber sukzessive bis 2030 zurückgeführt werden, während Bosch gleichzeitig die Investitionen in regenerative Energien steigert, erklärte Denner bei der Jahrespressekonferenz von Bosch. So sollen die eigenen Solaranlagen in Indien ausgebaut und langfristige Lieferverträgen mit Wind- und Solarparks geschlossen werden, die sich dann auch ohne staatliche Förderung rechnen können. Bosch kalkuliert dafür mit Mehrkosten von einer Milliarde Euro.

          Zudem kündigt Bosch an, eine weitere Milliarde Euro zu investieren, um in den eigenen Anlagen und Gebäuden eine bessere Energieeffizienz zu erzielen. „Den Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß wollen wir absolut senken, nicht nur relativ zur Wertschöpfung“, verspricht Denner. Dadurch spart Bosch gleichzeitig Kosten, sodass der Aufwand für die CO2-Neutralität bis 2030 unterm Strich nicht 2 Milliarden, sondern eine Milliarde Euro beträgt, rechnet der Bosch-Chef vor.  

          „Die Zeit für Sonntagsreden ist vorbei“

          „Klimawandel ist keine Science-Fiction. Er findet real statt. Wollen wir das Pariser Klimaabkommen erst nehmen, darf Klimaschutz nicht nur als langfristiges Fernziel verstanden werden. Er muss kurzfristig stattfinden“, erläutert Bosch-Chef Denner die Überzeugung der Konzern-Führung, die ausdrücklich auch von der Familie Bosch ermutigt wird.

          „Weltweit bringen Schüler freitags auf den Straßen zum Ausdruck, was wir alle eigentlich schon lange wissen: Die Zeit für Sonntagsreden ist vorbei“, mahnte Christof Bosch, der Enkel des Firmengründers Robert Bosch, vor wenigen Tagen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Beim Klimaschutz muss gehandelt, nicht länger nur angekündigt werden“, fügte er hinzu: „Das gilt auch für die Industrie, die für mehr als 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist.“

          Die Ankündigungen von Bosch stehen scheinbar im Kontrast zu der Tatsache, dass der Stuttgarter Traditionskonzern tief in den Diesel-Skandal verwickelt ist. Alle Fahrzeugkonzerne, die bisher der Manipulation von Abgassystemen verdächtigt oder überführt wurden, haben ihre Steuerungssoftware dafür von Bosch bezogen. Als größter Automobilzulieferer der Welt liefert Bosch zudem Produkte, die ihrerseits einen hohen CO2-Ausstoß haben und auch die Luftqualität beeinträchtigen.

          Rund 75 Prozent aller neuen Autos werden auch im Jahr 2030 noch von einem Verbrenner angetrieben, erwartet auch Bosch selbst. „Wir wollen die Luftbelastung durch den Verkehr gegen Null führen. Dafür schauen wir über die Motorhaube hinaus“, verspricht Bosch-Chef Denner aber. Neben dem traditionellen Geschäft gewinnt die Elektromobilität zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2025 will Bosch damit 5 Milliarden Euro Umsatz erzielen, zehnmal so viel wie noch im vergangenen Jahr.

          Jeder zehnte Euro für Forschung und Entwicklung

          Mit seinem Geschäft als Autozulieferer, also mit dem Geschäftsbereich Mobility Solutions, hat Bosch im vergangenen Jahr einen Umsatz von 47,6 Milliarden Euro (plus 3,5 Prozent) erzielt. Deutlich dahinter rangieren Konsumgüter (17,8 Milliarden Euro), Industrietechnik (7,4 Milliarden Euro) sowie Energie- und Gebäudetechnik (5,6 Milliarden Euro).

          Wechselkursbereinigt stieg der Umsatz des Gesamtkonzerns um 5 Prozent auf 78,5 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite (vor Zinsen und Steuern) verbesserte sich von 6,3 auf 7 Prozent. In Forschung und Entwicklung steckte Bosch 9,3 Prozent des Umsatzes, in Sach-Investitionen noch einmal 6,3 Prozent. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 46 auf 47 Prozent.

          Bosch beschäftigte Ende vergangenen Jahres 410.000 Menschen, etwa 7700 mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland stieg die Zahl der Beschäftigten um 1700 auf 30.500. Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten 70.000 Menschen, 27.000 Mitarbeiter sind Software- und IT-Experten. Diese Zahl soll weiter steigen: „In den nächsten fünf Jahren plant Bosch, knapp 25.000 IT- und Software-Experten neu einzustellen“, kündigte Volkmar Denner bei der Jahrespressekonferenz am Forschungsstandort Renningen bei Stuttgart an.

          Die sinkende Nachfrage nach Diesel-Pkw wird beim Autozulieferer allerdings in diesem Jahr auch zu einem weiteren Stellenabbau führen. „Es wird auch dieses Jahr zu Anpassungen kommen“, sagte  Denner. Beim weltgrößten Autozulieferer Bosch arbeiten insgesamt rund 50.000 Mitarbeiter in diesem Bereich, in Deutschland etwa 15.000. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande etwa 600 Stellen durch Altersteilzeit oder das Auslaufen befristeter Verträge abgebaut.

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