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Chrysler-Verkauf : Cerberus stellt Milliardenforderungen an Daimler

Chrysler bereitet Daimler auch nach dem Verkauf noch Sorgen Bild: AP

Zwischen Daimler und Cerberus ist es über den Verkauf der restlichen Daimler-Anteile an Chrysler zu einem offenen Streit gekommen. Daimler möchte seinen verbliebenen Chrysler-Anteil ebenfalls an den Finanzinvestor abgeben. Doch Cerberus fordert mehr als 7 Milliarden Dollar als Ausgleich für angebliches Fehlverhalten.

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          Für den Stuttgarter Autohersteller Daimler AG könnte der Verkauf der früheren Tochtergesellschaft Chrysler an den amerikanischen Finanzinvestor Cerberus ein teures Nachspiel haben: Wie Daimler am Mittwoch mitteilte, fordert Cerberus im Zusammenhang mit dem Kauf von Chrysler von den Deutschen mehr als 7,2 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Cerberus begründet seine Forderung mit Fehlverhalten von Daimler im Vorfeld der Transaktion. Daimler wies die Anschuldigungen von Cerberus als absurd und absolut unberechtigt zurück. Die Deutschen haben noch immer einen Restanteil von 19,9 Prozent an dem amerikanischen Autokonzern, der ebenfalls an Cerberus verkauft werden soll.

          Cerberus zweifelt ordnungsgemäße Geschäftsführung an

          Cerberus wirft den Deutschen „nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung seitens Daimler im Zeitraum zwischen Vertragsunterzeichnung und Abschluss der Transaktion“ vor, also zwischen Mai und August vergangenen Jahres. Worin genau das Fehlverhalten liegen soll, wollte ein Sprecher nicht sagen. Weiter beschuldigt Cerberus Daimler, „unvollständige Informationen über das Geschäft“ gegeben zu haben. Daimler will die zähen Verhandlungen mit Cerberus über den Verkauf dieses Restanteils gleichwohl weiterführen. „Die Verhandlungen sind aus unserer Sicht weder gescheitert noch beendet“, sagte ein Daimler-Sprecher. „Aus unserer Sicht sollen die Gespräche fortgeführt werden.“

          Von Cerberus war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Nachricht vom Streit hat die Aktie von Daimler am Mittwoch unter Druck gebracht: Sie büßte ihre Kursgewinne aus dem frühen Handel ein und notierte am Nachmittag bei 23,90 Euro rund ein Prozent im Minus. „Wir verstehen die Forderungen nicht“, sagte der Daimler-Sprecher. Von einer unvollständigen Informationslage könne keine Rede sein. Es habe eine detaillierte Prüfung (Due Dilligence) vor dem Verkauf stattgefunden. Cerberus seien von Chrysler alle zum Abschluss verfügbaren Informationen zugänglich gemacht worden.

          Chrysler noch immer Belastung für Daimler

          Daimler hat Chrysler im Februar vergangenen Jahres zur Disposition gestellt, drei Monate später wurde der Verkauf an Cerberus besiegelt. Cerberus wollte der Vereinbarung zufolge einen Mehrheitsanteil von 80,1 Prozent an Chrysler übernehmen und 7,2 Milliarden Dollar in den Autohersteller investieren. Die Transaktion wurde im August 2007 vollzogen. Seither haben sich die Geschäfte von Chrysler dramatisch eingetrübt. Ebenso wie bei den Wettbewerbern General Motors und Ford sind die Verkaufszahlen von Chrysler in diesem Jahr vor allem auf dem Heimatmarkt eingebrochen.

          Die verbliebene Chrysler-Beteiligung hinterlässt daher bei Daimler noch immer Spuren: Das Ergebnis der Stuttgarter wurde in diesem Jahr durch das Chrysler-Engagement mit mehr als 1 Milliarde Euro belastet. Daimler hat den Buchwert von Chrysler mittlerweile auf Null abgeschrieben.

          Mögliche Insolvenz hätte erhebliche Auswirkungen auf Daimler

          Im Falle einer Insolvenz von Chrysler müsste Daimler die 1 Milliarde Dollar weiterhin garantieren, die vor dem Verkauf des amerikanischen Unternehmens an Cerberus zur Sicherung der Pensionen der ehemaligen Chrysler-Mitarbeiter zugesagt worden sind. Gegenpartei ist hier die sogenannte „Pension Budget Guarantee Corporation“. Zudem müssten die zwei Darlehen, die Daimler Chrysler gewährt hat, in einem solchen Fall auf Werthaltigkeit überprüft werden. Fragen ergäben sich auch für die weiteren Motoren- und Getriebelieferungen von Daimler an Chrysler.

          Für Cerberus würde es nach Übernahme der vollständigen Kontrolle leichter werden, Chrysler wieder zu verkaufen. Cerberus hat über einen Verkauf von Chrysler an GM verhandelt, die Gespräche sind aber abgebrochen worden.

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