https://www.faz.net/-gqe-138fw

Chronologie : Ringen zwischen Conti und Schaeffler

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Autozulieferer Continental und Schaeffler ringen seit Monaten um eine gemeinsame Zukunft. Beide Konzerne sind in finanzielle Schieflage geraten. Was bislang passiert ist. Eine Chronologie.

          3 Min.

          Die Autozulieferer Continental und Schaeffler ringen seit Monaten um eine gemeinsame Zukunft. Beide Konzerne sind in finanzielle Schieflage geraten. Eine Chronologie:

          15. Juli 2008: Die Schaeffler-Gruppe kündigt ein Übernahmeangebot für den Konkurrenten Continental an. Das Unternehmen will 69,37 Euro pro Aktie in bar bieten.

          16. Juli 2008: Conti-Chef Manfred Wennemer sagt, das Angebot sei zu niedrig. Es drohe eine Zerschlagung.

          21. Juli 2008: Schaeffler passt das Angebot auf 70,12 Euro pro Aktie an, um den nach gesetzlichen Vorgaben ermittelten Mindestpreis zu zahlen.

          23. Juli 2008: Der Conti-Aufsichtsrat lehnt das Übernahmeangebot als nicht angemessen ab. Eine Einigung sei jedoch „erstrebenswert“, sollte die Schaeffler-Gruppe den Preis erhöhen oder ihre Beteiligung auf 20 Prozent beschränken.

          21. August 2008: Nach langem Tauziehen erzielen Continental und Schaeffler eine friedliche Einigung. Schaeffler erhöht das Angebot und beschränkt sein Engagement innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von höchstens 49,9 Prozent. Wennemer tritt ab.

          8. Januar 2009: Schaeffler schließt die Übernahme mit der Auszahlung der Aktionäre ab und ist mit einem Anteil von 49,9 Prozent nun Conti- Großaktionär. Schaeffler bezahlt mit 75 Euro je Aktie mehr als doppelt so viel wie den aktuellen Kurswert. Für die Übernahme hatte der Konzern milliardenschwere Kredite ausgehandelt. Schaeffler muss aber weitere 40 Prozent der Conti-Aktien, die von Aktionären angedient wurden, bei Banken parken.

          24. Januar 2009: Auf Druck von Schaeffler kündigt Conti- Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg an, seinen Posten kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Neuer Vorsitzender des Gremiums soll der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer werden. Schaeffler zieht mit vier Vertretern in das Conti-Kontrollgremium ein, darunter auch Maria- Elisabeth Schaeffler.

          25. Januar 2009: Erste Berichte über mögliche Staatshilfen für Schaeffler tauchen auf.

          28. Januar 2009: Nach einem Treffen mit den Spitzen von Schaeffler und Conti verlangt das Bundeswirtschaftsministerium ein tragfähiges und zukunftsweisendes Konzept.

          8. Februar 2009: Die Schaeffler-Familie verteidigt die Bitte nach zeitlich begrenzter staatlicher Unterstützung unter Hinweis auf die Autokrise.

          19. Februar 2009: Continental gibt Zahlen für 2008 bekannt: Der Autozulieferer ist angesichts der dramatischen Krise der Industrie tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Sparkurs wird verschärft.

          12. März 2009: Schaeffler erhält von den Banken mehr Spielraum. Die Gruppe und ihre Kreditgeber einigen sich auf eine Zwischenfinanzierung.

          22. März 2009: Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg räumen Fehler bei der Conti-Übernahme ein. „„Mit dem Wissen von heute, hätte man eine solche Transaktion mit dieser Verschuldungsthematik sicher nicht gemacht.“

          3. April 2009: Schaeffler und Conti vereinbaren, beim Einkauf zusammenzuarbeiten. Damit soll jährlich eine dreistellige Millionensumme gespart werden.

          23. April 2009: Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann fordert ein rasches Konzept für die Zukunft der beiden angeschlagenen Konzerne. Ein weiteres Zuwarten in der extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage berge das Risiko einer „unkontrollierten Entwicklung“. Innerhalb von spätestens 100 Tagen will Neumann ein Zukunftskonzept vorlegen.

          24. April 2009: In der Branche werden Spekulationen laut, Continental und Schaeffler könnten unter der Führung von Conti fusionieren.

          8. Juni 2009: Der Conti-Aufsichtsrat beauftragt den Vorstand, eine Zusammenführung mit Schaeffler zu prüfen. Zugleich aber soll auch eine eigenständige Zukunft untersucht werden.

          21. Juli 2009: Schaeffler bewertet für den Fall der Übernahme durch Conti sein operatives Geschäft mit deutlich mehr als zehn Milliarden Euro. In Hannover heißt es, der Preis sei völlig überhöht, Conti könne ihn nicht stemmen.

          22. Juli 2009: Neumann wirft der Schaeffler-Führung in einem Brief vor, Vorschläge von Conti zu einem gemeinsamen Konzern zu blockieren. Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Geschäftsführer Jürgen Geißinger hätten durch ihr Verhalten „in erheblichem Maße“ den Unternehmenswert der Continental AG zerstört.

          30. Juli 2009: Der Conti-Aufsichtsrat trifft sich zu einer Krisensitzung und gibt in der Nacht grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Neumann steht kurz vor der Ablösung. Die zehn Arbeitnehmervertreter können seine Abberufung aber noch verhindern.

          31. Juli 2009: Schaeffler-Berater und Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer soll nach dpa-Informationen Neumanns Nachfolger werden. Die Ablösung soll nach einem Vermittlungsverfahren am 12. August im Aufsichtsrat beschlossen werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.