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Christoph Wellendorff : Der Goldflüsterer

  • -Aktualisiert am

Christoph Wellendorff Bild: Domenic Driessen

Auf Markenbotschafter oder Verkaufsschübe im Internet kann Christoph Wellendorff verzichten. Die Nachfrage nach Goldschmuck floriert, gerade in Krisenzeiten. Der Schmuck-Unternehmer im Porträt.

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          Gold gilt als Währung, die sich in Krisenzeiten bewährt. Die Devise der Anlageprofis kann Christoph Wellendorff durch seine Erfahrungen mit privaten Kunden bestätigen: „Ich habe noch nie so eine erhöhte Nachfrage nach unserem Schmuck erlebt“, sagt der Unternehmer, der zusammen mit seiner Schwägerin und seinem Bruder die gleichnamige, 129 Jahre alte und in Pforzheim ansässige Schmuckmanufaktur führt.

          Der 58 Jahre alte Familienspross ist für den Vertrieb zuständig. Er nimmt schon seit längerer Zeit eine Veränderung des Käuferverhaltens wahr. Die Verunsicherung in dieser Zeit sorge für eine verstärkte Sehnsucht nach Marken, auf die man vertrauen könne. Realwerten könnten die Kunden vertrauen. Den Schmuck anfassen ohnehin. „Er ist auch etwas, was man mitnehmen kann“, sagt er.

          Die Wellendorff Gold-Creationen GmbH & Co. KG zählt zu den bekanntesten Schmuckmarken der Welt. Der Schmuck, zu dem die sogenannte Wellendorf-Kordel und ein drehbarer Ring gehören, aber auch Halsketten und Armbänder mit dem stilisierten W, wird in der hauseigenen Manufaktur hergestellt. Details zur Geschäftsentwicklung will der Betriebswirt allerdings nicht nennen. „Ich bin gelernter Goldschmied und kein Finanzmanager“, sagt er mit jovialem Lächeln. Schätzungen in der Branche gehen davon aus, dass sich der Jahresumsatz auf etwa 50 Millionen Euro beläuft.

          Die Schmuckstücke kosten von 5000 Euro aufwärts

          Gegenüber Kunden und Geschäftspartnern trägt der versierte Verkäufer lässige Eleganz zur Schau. Sie besteht beim Gespräch in Stuttgart aus einer Kombination aus Anzug und sehr bequemen Schuhen. Allzu feines Schuhwerk wäre wohl eher unpraktisch für den sportbegeisterten Geschäftsmann, der jeden Tag mit seinem Bruder Georg eine halbe Stunde zu Fuß ins Unternehmen und abends wieder zurückgeht.

          Blick auf die Wellendorff Boutique in Stuttgart.
          Blick auf die Wellendorff Boutique in Stuttgart. : Bild: Domenic Driessen

          Die gängigen Schmuckstücke aus seiner Manufaktur kosten von 5000 Euro an aufwärts. Unikate der Luxusmarke können bis zu einer Million Euro kosten. Das Unternehmen mit global 150 Mitarbeitern, davon rund 100 in Pforzheim, setzt auf kleine Kollektionen, eine hohe Fertigungstiefe in Deutschland und Langlebigkeit ihrer Produkte. „Es werden circa 40 Schmuckstücke am Tag unter der Regie meines Bruders und unter einem Dach in Pforzheim gefertigt“, sagt Christoph Wellendorf.

          Er ist 1991 ins Familienunternehmen eingetreten, das Gesicht des Unternehmens und pflegt in dieser Funktion den Kontakt zu internationalen Vertriebspartnern und Stammkunden. Auf der Welt gebe es zwölf Boutiquen. Darüber hinaus haben 100 weitere Juweliere den Schmuck im Sortiment. Von jedem Juwelier kenne er dessen Geschichte, sagt der Unternehmer. Und weiter: „Wir möchten in den wichtigsten zivilisierten Schmuckmärkten der Welt präsent sein.“

          Juwelier und Goldschmied Christoph Wellendorff präsentiert ein bewegliches Goldarmband. Fotografiert am 23.09.2022 in der Wellendorff Boutique in Stuttgart
          Juwelier und Goldschmied Christoph Wellendorff präsentiert ein bewegliches Goldarmband. Fotografiert am 23.09.2022 in der Wellendorff Boutique in Stuttgart : Bild: Domenic Driessen

          Dem Reich der Mitte treu

          Während die Politik in Deutschland ihr Verhältnis zu China zu hinterfragen beginnt und Unternehmen zu mehr Distanz drängt, bleibt der Mittelständler dem Reich der Mitte treu. „In China haben wir drei Boutiquen, Anfang Juli wurde die dritte eröffnet.“ Das Unternehmen sei dort seit zehn Jahren vertreten. Asien und China haben für Luxusmarken eine Signalfunktion. Dabei reifte zuletzt die Einsicht in eine Präsenz vor Ort, wenn selbst vermögende Kunden aus Fernost nicht mehr oft nach Europa kommen. Die Reisetätigkeit ist vor allem in den Hochphasen der Pandemie fast zum Erliegen gekommen. China hatte sich mit seinen strikten Corona-Regeln fast abgeschottet.

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